Bauen

Presswerk und Karosseriebau aus der Luft gesehen. (Foto: BMW Werk Regensburg)

14.03.2014

150 Millionen Euro investiert

Ausbau des Presswerks im BMW Werk Regensburg

Seit 1986 werden im BMW Werk Regensburg Fahrzeuge gebaut – derzeit rollen die BMW 1er Reihe (3-Türer, 5-Türer), die BMW 3er Limousine, das BMW 4er Cabrio, der BMW Z4 und dazugehörige M Varianten vom Band. Die Produktionsstätte, in der rund 9000 Menschen beschäftigt sind, verfügt über ein Presswerk, einen Karosseriebau, eine Lackiererei und eine Montage. Täglich werden über 1100 Automobile hergestellt, bis heute wurden rund 5,5 Millionen Fahrzeuge an Kunden in aller Welt ausgeliefert.
Im Zuge eines umfassenden Investitionsprogramms in den Standort wurde in jüngster Vergangenheit das Presswerk ausgebaut. Hintergrund dafür ist die Umsetzung der on-site-Strategie, das heißt, möglichst alle Karosserieteile der unterschiedlichen Fahrzeugvarianten sollen auch unmittelbar vor Ort hergestellt werden – dafür ist eine deutliche Erhöhung der Produktionskapazität erforderlich.
Das bestehende Presswerk – das Gebäude wurde 1997 errichtet und 2008/09 bereits erweitert – befindet sich im nordwestlichen Teil des trapezförmig angelegten, rund 140 Hektar großen Werksgeländes. An der Südseite wurde das bestehende Presswerksgebäude in zwei Stufen ab Sommer 2011 und ab Sommer 2012 erweitert. Die Gebäudeabschnitte wurden im Laufe des Jahres 2013 fertiggestellt – nun stellt sich das Presswerk als eine große Halle dar.

Umbau- und Anbauarbeiten am Bestandsgebäude


Im Inneren der Halle läuft seit Juli 2013 die dritte Großpressenanlage, die vierte Presse sowie eine zweite Coilanlage (Platinenschnittanlage) werden im Laufe des Frühjahrs 2014 ihren Betrieb aufnehmen. Parallel wurden noch Umbau- und Anbauarbeiten am Bestandgebäude vorgenommen. Für die gesamten Erweiterungsmaßnahmen wurden beziehungsweise werden rund 150 Millionen Euro aufgewendet.
Insgesamt wurde für die Erweiterung der Produktionsfläche um rund 18 000 Quadratmeter in beiden Abschnitten ein Gebäudeanbau von 225 Metern Länge, 70 Metern Breite und 25 Metern Höhe notwendig. Die beiden Gebäuderaster wurden in Stahlskelettbauweise mit Stahlbetonfertigteilen realisiert, die mit einer Blechfassade ummantelt sind.

Gesamtpresskraft
von rund 9000 Tonnen


Im Inneren des Gebäudes wurden neben den Produktionsanlagen und Logistikflächen auch insgesamt sechs 55 Tonnen-Schwerlastkräne und ein 30 Tonnen-Schwerlastkran eingebaut. Für die beiden Pressanlagen wurde jeweils ein fünf Meter tiefer Pressenkeller mit berücksichtigt. Nicht zuletzt enthält das Gebäude zwei großflächige Technikbühnen sowie Sanitär-, Umkleide- und Sozialräume. Im Außenbereich wurden Asphaltflächen und Straßen realisiert.
Im ersten Teilanbau wurde die dritte Großpresse (GP 662) am Standort errichtet. Der Aufbau der Pressenanlage startete im August 2012, Höhepunkt war die Anlieferung des 175 Tonnen schweren Kopfstücks im Oktober 2012. In den Serienbetrieb ging die Großpresse im Juli 2013. Die Pressenanlage GP 662 ist die modernste und schnellste Servopressenlinie der Welt: Bei einer Gesamtpresskraft von rund 9000 Tonnen schafft sie im Dauerbetrieb eine Leistung von 23 Hüben pro Minute.
Zugleich ist die Anlage enorm flexibel, derzeit ist die Produktion von über 40 unterschiedlichen Karosserieteilen vorgesehen. Dabei kann ein Werkzeugwechsel, um verschiedene Teile abpressen zu können, innerhalb von nur 220 Sekunden vollzogen werden.
Die neue Anlage steht auch für höchste Variantenvielfalt: Mit der Presse werden an die 40 verschiedene Karosserieteile gebaut – überwiegend Strukturteile wie A-, B-, und C-Säulen, Dachrahmen, Seitenrahmen innen oder Stützträger für die unterschiedlichsten Modelle im Regensburger Werk beziehungsweise andere Werke im BMW Produktionsverbund.
Die vierte Großpresse (GP 661), die sich derzeit noch im Aufbau befindet, wird die „kleinste“ Pressenlinie am Standort sein. Zwar ist sie mit neuester Servo-Technologie und Crossbar-Feeder-Automation ausgestattet, allerdings verfügt sie bei fünf Pressenstufen über eine Presskraft von 7600 Tonnen. Allerdings kann auch sie höher- und hochfeste Stähle in Rekordtempo von 23 Hüben pro Minute verarbeiten.

Beitrag zum
Klimaschutz


Neben diesen beiden neuen Pressenanlagen findet auch noch eine neue Coilanlage (Platinenschnittanlage) (GP 631) Platz. Der Coilanlage wird der auf Rollen angelieferte Stahl (Coils) abgewickelt, geschnitten und in Blechplatinen vorgestanzt. Verarbeitet werden können hoch- und höchstfeste Stähle in der Bandbreite von 400 bis 2000 Millimetern und einer Dicke bis zwei Millimeter. Das maximale Coilgewicht beträgt zwei mal 35 Tonnen, denn auf einer Doppelhaspel können zwei Coils gleichzeitig aufgenommen und dann nacheinander abgerollt werden. Dies wiederum ermöglicht extrem kurze Werkzeugwechselzeiten – während ein Coil abgewickelt und geschnitten wird, kann die Doppelhaspel mit der zweiten bestückt werden
Mit diesen dann vier Pressen- und zwei Coilanlagen verfügt das Werk Regensburg über die notwendige Kapazität, um beinahe alle Karosseriebauteile für ein Fahrzeug auch am Standort herstellen zu können. Dies führt zu einer Verkürzung der Durchlaufzeit bei der Bearbeitung von Stahlrollen (Coils) bis zum umgeformten Karosserieteil. Der Aufwand für Transportieren und Zwischenlagern reduziert sich. Und nicht zuletzt entfallen Transportfahrten für die Zulieferung von vielen Einzelteilen – dies trägt somit zur Entlastung der Straßen sowie zum Klimaschutz bei. (BSZ)

(Die neuen Pressanlagen während der Bauphase und im fertigen Zustand - Fotos. BMW Werk Regensburg)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 33 (2017)

Soll die elektronische Gesundheitskarte abgeschafft werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 18. August 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:


Wieland Dietrich,
Vorsitzender der Freien Ärzteschaft e.V.

(JA)


Melanie Huml (CSU), bayerische Gesundheitsministerin

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.