Bauen

Blick auf Dubrovnik. (Foto: Wiegand)

08.02.2013

52 Krater aufgefüllt

Dubrovnik - die Architekturperle an der Adria

Dubrovnik ist wunderschön – speziell die Altstadt. Schon 1979 hat sie die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Nun – elf Jahre nach den Angriffen der Serben – sind die Schäden beseitigt und die Stadt zeigt sich erneut als besondere Beauty. Offenbar hatte die UNESCO Böses geahnt und die wichtigsten Kulturdenkmäler vorab gekennzeichnet, damit sie geschont würden. Doch genau auf diese lenkten die Serben ihre Raketen. Stark beschädigt wurden der Sponza-Palast, die St. Blasius-Kirche, die Synagoge, eine Moschee, das Franziskaner- und das Dominikanerkloster, die Stadtmauer sowie zahllose Wohnhäuser.
„Von 1994 bis 2007 wurden jedoch unter UNESCO-Aufsicht und mit internationaler Hilfe 824 Objekte originalgetreu wieder in Stand gesetzt“, sagt Vjekoslav Vierda, Manager des Instituts für die Restauration von Dubrovnik. Auf der Hauptstraße Stradun mussten 52 Krater aufgefüllt werden. Polnische Experten kümmerten sich um historische Brunnen. Dennoch sind Dubrovniks „Spanischer Treppe“ – der kleineren Schwester der berühmten in Rom – die Reparaturen anzusehen. „Wir wollen keine Marmorstufen,“ betont Vierda. Allerdings wurden der Uhrturm und die beiden Klostertürme mit Stahlkonstruktionen verstärkt, weil diese eventuelle Erdbebenstöße besser abfedern als reines Mauerwerk.
Als Herausforderung erwies sich das Decken der Dächer, von Vierda als „fünfte Fassade“ bezeichnet. Da sich in den engen Gassen kein Kran einsetzen ließ, mussten 20 bis 30 Männer die langen Dachbalken schleppen. 3200 alte Ziegel konnte man eintauschen, 5,5 Millionen wären nötig gewesen. Eine Fabrik stellte Ersatzziegel her. „Eigentlich sind diese neuen Ziegel viel zu schön. Es braucht 300-400 Jahre bis sie so verwittert sind wie die alten,“ seufzt der Experte. Gekostet hat das alles rund 50 Millionen US-Dollar, mit 49,4 Millionen US-Dollar beteiligte sich das Kulturministerium, mit nur 600 000 US-Dollar die UNESCO. Wichtiger waren die Gratis-Lieferung von Strom und Wasser. Würde man die dazurechnen, käme man auf 80 Millionen US-Dollar, meint Vierda. Und weitere Sanierungen sind erforderlich.
Die beste Gesamtsicht auf die Stadt bietet der 412 Meter hohe Berg Srd, auf den seit 2010 wieder die Seilbahn fährt, ein privates Investment. Dort oben befindet sich die zwischen 1806 und 1812 für Napoleon I. erbaute Kaiserburg. Wie perfekt die fast zwei Kilometer lange und bis zu 25 Meter hohe Stadtmauer, erbaut im 13./14. Jahrhundert, die Altstadt umschließt, lässt sich von solch hoher Warte klar erkennen. Sie ist begehbar und daher Dubrovniks größte Attraktion.
Beim Parcours bieten sich stets andere Bilder. Mal schieben sich der Uhrturm und die Insel Lokrum ins Blickfeld, mal das Dominikanerkloster und die Außenfestung Lovrjenac, schließlich die schöne Flaniermeile Stradun. Und ständig stehlen die neuen knallroten Ziegeldächer den bräunlichen alten die Schau. Denn Dubrovnik setzt auf die Zukunft, zumal Kroatien 2013 EU-Mitglied werden soll.

Balkone
wurden verboten


Beim Gang durch die Stadt reihen sich die Aha-Effekte ebenso aneinander wie die Bauten. Architektur-Fans kommen gerade in den ruhigen und milden Wintermonaten auf ihre Kosten. Nach dem Durchschreiten des Pile-Tors (1537) kann man gleich am Großen Onofriobrunnen die Trinkflasche mit frischem Wasser füllen. Dort, vis-à-vis der Erlöserkirche, starten die Stadtführungen. Zuerst ins Franziskanerkloster (1370), Dubrovniks ältestes Bauwerk. Ein Spaß sind insbesondere die Kapitelle im Kreuzgang, manche mit lebensechten Menschen- und Tierköpfen. Da die Franziskaner auch Salben und Tränklein mixten, findet sich hier eine der ältesten Apotheken Europas (1317).
„Länger als andere haben wir an der Gotik festgehalten“, sagt die Stadtführerin und weist auf den Sponza-Palast (1520), der als Münze sowie Zollhaus diente und nun das Stadtarchiv beherbergt. „Oben Gotik, unter Renaissance, der typische Dubrovnik-Stil“, erklärt sie. Typisch ist auch das Fehlen von Balkonen. Diese wurden nach dem großen Erdbeben von 1667 verboten, weil Menschen durch herabfallende Teile getötet wurden. Die nach dem Stadtpatron benannte St. Blasius-Kirche hat jedoch die Erdstöße überstanden.
Nicht zu übersehen ist der 31 Meter hohe Uhrturm am Ende der Stradun. Droben schlagen Maro und Baro mit Hämmern die Glocke. Die bronzenen Originalmänner stehen im Stadtmuseum, untergebracht im Rektorenpalast. Jahrhundertelang war er Regierungssitz der Republik Ragusa, wie Dubrovnik früher hieß. Jeder Rektor amtierte ohne Familie und nur einen Monat, um Korruption und Vetternwirtschaft vorzubeugen. Erzwungene Tugend im edlen Gotik- und Renaissancebau – das war einmal der Dubrovnik-Stil.
(Ursula Wiegand)

(Blick auf die Stradun und die Dächer von Dubrovnik - Fotos: Wiegand)

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