Bauen

Die neue Halle im Güterverkehrszentrum Ingolstadt. (Foto: IFG Ingolstadt)

21.01.2011

54 000 Quadratmeter Nutzfläche

Neubau der ersten Halle für das Güterverkehrszentrum (GVZ) II in Ingolstadt

Die Wirtschaft nachhaltig stärken und Arbeitsplätze schaffen und erhalten gehören mit zu den wichtigsten Zielen der IFG Ingolstadt GmbH. Diese verliert die Tochtergesellschaft der Stadt Ingolstadt bei all ihren Projekten nie aus den Augen und auch das jüngste Vorhaben, der Ausbau des Güterverkehrszentrums, zeigt dies deutlich. Ein Teil des neuen Güterverkehrszentrums (GVZ II) wurde bereits am 10. Dezember 2010 im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und rund 300 weiteren Gästen eingeweiht.
Ein Blick zurück zeigt die ehrgeizige und engagierte Entwicklung des Projekts. Die Bauarbeiten für das GVZ II begannen im April 2010. Schon Ende Juli feierte die Bauherrin, die IFG, mit zahlreichen Vertretern aus Wirtschaft und Politik, darunter Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil, das Richtfest. Er bezeichnete in seiner Rede die Anlage als eine Versinnbildlichung der Stimmung, dass es wieder aufwärts geht.
Die Entscheidung, das GVZ mitten in einer Wirtschaftskrise auszubauen, sei „ebenso mutig wie weitsichtig gewesen“, so Zeil. Mit der Planung des GVZ II war, wie auch schon für das GVZ I, die „pbb Planung + Projektsteuerung GmbH“ betraut. Als Franz Madl, Architekt und Geschäftsführer des Ingolstädter Unternehmens, im Februar 2010 der Expertenrunde des Gestaltungsbeirats seine Entwürfe erstmals präsentierte, stießen diese auf Begeisterung.
„Er hat das Bestmögliche aus der schwierigen Situation gemacht und dabei auch die Ökologie nicht außer Acht gelassen“, erinnert sich Werner Richler, Geschäftsführer der IFG.
Der Plan von Madl sieht Folgendes vor: Das neue Logistikzentrum soll sich direkt an das bestehende GVZ I anschließen. Entlang der Gaimersheimer Straße entsteht eine 540 Meter lange Fassade. Dieser vorgelagert sind zwei Rangier- und Entladegleise vorgesehen und zur Straße hin ist ein begrünter Wall als Abgrenzung geplant. Zudem überspannt eine futuristische Bogenkonstruktion auf einer Fläche von 11 000 Quadratmetern die Gleise. Diese führen direkt zu den drei neuen Hallen mit einer Gesamtfläche von rund 130 000 Quadratmetern. Die Hallen ragen knapp elf Meter in die Höhe und sind damit etwas niedriger als die des GVZ I.
Für die eintreffenden Lkw hat Madl an der Nordwestseite des neuen Güterverkehrszentrums 97 Parkplätze vorgesehen. Kommen die Lkws dort an, werden sie weiter in die 60 x 200 Meter großen Entladehöfe verwiesen. Diese haben keine Stützen, sondern stehen frei und sind mit knapp 16 Meter hohen Bogendächern überspannt, die von bis zu 60 Meter langen Holzbindern gestützt werden. Insgesamt besitzt das GVZ II über 108 Andockstellen für anliefernde Lkws.

Dachkonstruktion
zu 80 Prozent aus Holz


Soweit die baulichen Maßnahmen. Was aber das GVZ II ökologisch so wertvoll macht, erklärt Madl, der beim GVZ II nicht nur für die Architektur, sondern auch für die Statik und Haustechnik verantwortlich ist. „Die Dachkonstruktion der Hallen besteht zu 80 Prozent aus Holz.“ Außerdem wurden Mineraldämmstoffe eingesetzt. „Diese werden nicht künstlich hergestellt und sind gut recyclebar.“ Nicht zu vergessen den Einsatz alternativer Energien, erzielt durch Photovoltaikmodule auf dem Dach und die Nutzung von Fernwärme. „Allein die mittlere Halle bringt fast die dreifache Stromleistung wie alle anderen Hallen des GVZ I zusammen.“
Ökologisch ebenso wichtig ist die Anbindung ans Schienennetz: „Durch die Verlagerung des Transportaufkommens auf die Schiene wird eine Verbesserung der Verkehrs- und Umweltverhältnisse erreicht“, so der Bauherr Richler. Erst Anfang Oktober 2010 bekam die IFG für ihr Vorhaben, dem neuen Güterverkehrszentrum, eine Auszeichnung. Auf der EXPO Real, der internationalen Fachmesse für Gewerbeimmobilien und Investitionen, wurde ihr das goldene DGNB-Vorzertifikat verliehen. Erhalten hat sie dies von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) e. V.
Mit dem Vorzertifikat zeichnet die DGNB Projekte für ihre ökologische und nachhaltige Bauweise aus. Dabei wird zwischen der Zertifizierung eines bestehenden Gebäudes und einer Vorzertifizierung, die auf Basis der vorliegenden Planungen erfolgt, unterschieden. Je früher die DGNB-Kriterien in die Planungsphase einbezogen werden können, umso besser. Denn das DGNB-System basiert auf der Betrachtung des gesamten Gebäudelebenszyklus. Damit wird dem Bauherrn die Möglichkeit gegeben, Immobilien bereits von Anfang an unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit zu optimieren. „Das ermöglicht eine Reihe von Vorteilen bei der Planung, dem Bau und der Vermarktung“, erklärt Richler.
Die Zertifizierung des fertigen GVZ II ist übrigens anvisiert. Dann wird die DGNB, wie bereits bei der Vorzertifizierung, die Kategorien Ökologische Qualität, Ökonomische Qualität, Soziokulturelle und Funktionale Qualität, Technische Qualität, Prozessqualität und Standortqualität nochmals beim fertigen Objekt bewerten.
Jetzt aber weg von den Planungen für das komplette GVZ II. Denn die mittlere Halle einschließlich der direkt anschließenden überdachten Ladehöfe sind zur Realität geworden. Genau jener Abschnitt wurde am 10. Dezember 2010 eingeweiht. Somit sind mit der Fertigstellung des mittleren Hallenteils 54 000 Quadratmeter, also über ein Drittel der Gesamtfläche des GVZ II, bereits realisiert.
Auf dem Gelände werden übrigens keine Waren produziert oder weiterverarbeitet, sondern vielmehr Warenströme logistisch so optimiert, dass eine möglichst kurze Anlieferung zu den Produktionsstätten ins Audi-Werk gegeben ist. Dass das reibungslos läuft, dafür sorgt der Mieter der Hallen im GVZ II. Es ist die Firma „Scherm Tyre & Projekt Logistik GmbH“, die seit dem 10. Januar 2011 im Neubau den Betrieb aufgenommen hat. „Unser Aufgabenspektrum beinhaltet sämtliche Prozesse entlang der Logistikwertschöpfungskette, das heißt Wareneingang, Lagerhaltung, Warenausgang sowie den Transport ins Werk per Elektrozugmaschine oder Lkw“, erklärt Mahr, Geschäftsführer der „Scherm Tyre & Projekt Logistik GmbH“.
Auch der damit zusammenhängende Leergutprozess wird über die neue GVZ Halle abgewickelt. Dieser enthält die Leergutrückführung, die -sortierung und -verladung auf die Lkws, welche die Behälter zur erneuten Befüllung zum Lieferanten bringen. „Wir freuen uns bereits auf die neue Herausforderung“, sagt Mahr.
Die Bedeutung der GVZ-Erweiterung bestätigt auch Peter Kössler, Audi-Werksleiter. „Die Komplexität der einzelnen Baureihen hat extrem zugenommen.“ Die Zahl der Einzelteile in den Fahrzeugen habe sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Bis zum Jahr 2015 werde sie sich gar verdreifachen. „Das stellt die Logistik und auch die Region vor große Herausforderungen.“ Die GVZ-Erweiterung mit eigenem Bahnanschluss trägt dazu bei, das von Audi entworfene „Neue Logistikkonzept“ weiter umzusetzen und die gestiegene Komplexität der Audi-Fahrzeugmodelle logistisch mit einem höheren Bahnanteil zu bewältigen.
Doch nicht nur die Audi AG, auch der regionale Arbeitsmarkt profitiert von der neuen Logistikdrehscheibe. Sie sichert die bestehenden Arbeitsplätze beim Ingolstädter Autobauer und den Zulieferern durch eine attraktive Infrastruktur an Dienstleistern aus dem Automotivebereich und „im GVZ II entstehen rund 500 neue Arbeitsplätze, vor allem für Nicht-Akademiker“, betont Richler.
Damit es nicht nur im, sondern auch um das neue Logistikzentrum herum optimal läuft, wurden infrastrukturelle Maßnahmen notwendig. „Da der Transport des Logistikzentrums verstärkt über die Schiene laufen soll, wird gleichzeitig am Straßennetz und am Gleisanschluss der neuen Hallen gebaut“, erklärt Richler. Dabei werden insgesamt etwa 3000 Meter Straße neu gebaut sowie rund 2200 Meter Gleise neu verlegt. „Damit verhindern wir, dass die Region von einer Verkehrslawine überrollt wird“, sagt Richler.
Um die notwendige Infrastruktur zu schaffen, läuft bereits seit Februar 2010 der Verkehr im Nordwesten der Stadt über einen provisorischen Schwenk. Denn der Mittelteil des neuen Logistikzentrums wurde auf der bisherigen Trasse der Gaimersheimer Straße errichtet. Seit Mitte des Jahres wird aber schon an einer neuen Anbindung an die „alte“ Gaimersheimer Straße gebaut. Weitere Verkehrsprojekte wie die Brückenbauwerke für den Hochkreisel und die Verlängerung der Furtwänglerstraße mit dem dazugehörigen Kreuzungsumbau Permoserstraße/Furtwänglerstraße sind bereits ebenfalls im Bau.

Querriegel zum mittleren Hallenabschnitt


Bis April 2011 wird bereits der nächste Abschnitt mit weiteren 20 000 Quadratmetern Grundfläche fertiggestellt. Dabei handelt es sich um einen Querriegel zum mittleren Hallenabschnitt inklusive einer Lkw-Leitstelle und Sozialräumen. Die beiden Hallen, die in den kommenden Jahren rechts und links vom Mittelteil errichtet werden, haben eine Gesamtfläche von noch einmal rund 45 000 Quadratmetern.
Für den ersten Bauabschnitt fielen rund 70 Millionen Euro an und die gesamten Investitionskosten für das Großprojekt GVZ II belaufen sich auf rund 110 Millionen Euro. Darin enthalten sind die Kosten für die infrastrukturellen Maßnahmen, also den Straßen- und Gleisbau, die mit rund 34 Millionen Euro zu Buche schlagen. Doch Unterstützung für das „mutige“ Projekt ist da, vom Freistaat Bayern fließen 9,8 Millionen an Fördergeldern in das Projekt der IFG.  (BSZ)

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