Bauen

17.09.2010

Abriss-Prämie für Altbauten

Bayern braucht mehr neue Wohnungen

In Bayern werden seit Jahren zu wenige Wohnungen gebaut. Seit Mitte der 1990er Jahre geht die Zahl der fertiggestellten Wohnungen kontinuierlich zurück. Mit nur 31 335 Wohnungen im Jahr 2009 wurden im Freistaat so wenige Wohnungen wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik fertiggestellt. Während die Zahl der neu errichteten Wohnungen immer kleiner wird, wächst die Bevölkerung in Bayern weiter an. Letztes Jahr wohnten im Freistaat 12,51 Millionen Menschen. Die Bevölkerungszahl hat damit den höchsten Stand seit Beginn der Zählungen im Jahr 1818 erreicht, erklärte Hannes Zapf, Sprecher der Aktionsgemeinschaft Impulse für den Wohnungsbau. Das liege nicht zuletzt auch am unverminderten Zuzug von Mensch nach Bayern.
Weit stärker als die Zahl der Bevölkerung wachse jedoch die Zahl der Privathaushalte, so Zapf. 2009 gab es bereits 6,51 Millionen Haushalte in Bayern. Knapp 40 Prozent der Privathaushalte waren dabei Singlehaushalte, weitere 32 Prozent 2-Personenhaushalte. Die Verschiebung hin zu kleineren Haushalten führt laut Zapf dazu, dass die Anzahl der Wohneinheiten jährlich im Durchschnitt stärker steigt als die Bevölkerungszahl. Durch diese Faktoren ändere sich der Wohnungsbedarf dramatisch mit der Folge, dass immer mehr kleinere Wohnungen benötigt werden und die insbesondere in Ballungsräumen. Die Konsequenz: Da die Nachfrage das Angebot übersteigt, steigen die Mieten.
„Wenn sich die Wohnungsbaupolitik nicht umorientiert, droht der Wohnungsneubau zum Auslaufmodell zu werden“, betonte Zapf. Deshalb bräuchte man wieder ein Investitionsklima, das den Neubau stimuliert. Dabei denkt Zapf an eine Erhöhung der degressiven Abschreibung von derzeit zwei auf vier Prozent mit einer Laufzeit von neun Jahren, anschließend acht Jahre 2,5 Prozent und danach bis zum 50. Jahr 1,25 Prozent. Nach einer Prognose des Pestel-Instituts werde der davon ausgehende Anreiz zu einer Steigerung des Mietwohnungsbaus führen, die den notwendigen zusätzlichen Mietwohnungsbau deutlich übersteigt.


Städtebauförderung in vollem Umfang erhalten


In diesem Zusammenhang rechnete Xaver Peteranderl, Präsident des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen, vor, dass der Staat allein beim Bau von zusätzlich 10 000 Einfamilienhäusern über eine Milliarde Euro zusätzlich einnimmt. Bei einem typischen Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohnungen würden bei Bruttoerrichtungskosten von 1,5 Millionen Euro bis zur Fertigstellung fast 400 000 Euro Steuern und rund eine halbe Million Euro Sozialabgaben anfallen. Völlig unverständlich ist für ihn auch die beabsichtigte Kürzung bei der Städtebauförderung, wo doch ein Euro Städtebauförderung rund 17 Euro private Investitionen anstoße. „Wir brauchen nicht noch weniger Förderung, sondern mehr“, forderte Peteranderl.
Gleichzeitig sieht Peteranderl in der weiteren Verschärfung der energetischen Standards ein Investitionshemmnis. Bereits die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 verhindere Investitionen und stoße bei vielen Investoren und Gebäudeeigentümern auf Vorbehalte. Für Sanierungen im Gebäudebestand müssten bereits heute zur Erreichung der geforderten Werte Dämmstärken eingebaut werden, die von den Gebäudeeigentümern kaum noch akzeptiert würden. Die EnEV 2009 führt laut Alexander Lyssoudis, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, auch zur volkswirtschaftlich negativen Ausprägung des so genannten Investoren-Nutzer-Dilemmas. Denn derzeit können die Kosten für eine energetische Modernisierung nur zu einem geringen Teil an die Mieter weiter gegeben werden. Deshalb sprach er sich für eine Änderung des Mietrechts aus.
Die zwölf Träger der Aktion „Impulse für den Wohnungsbau in Bayern 2010“ fordern daher:
1. Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für Wohngebäude.
2. Gleichstellung der Förderung von Sanierung und Neubau/Bestandsersatz in den KfW-Programmen – die derzeitige Förderstruktur begünstigt laut Zapf derzeit einzelwirtschaftliche Entscheidungen „pro Sanierung“, weshalb er sich klar für „diskriminierungsfreie Förderprogramme“ ausspricht.
3. Aufstockung des KfW-Programms für „Altersgerechtes Bauen“ und Erweiterung auf Neubau/Bestandsersatz.
Vehement forderte Kastulus Bader, Vorstandsvorsitzender des Bayerischen Ziegelindustrieverbands, eine Abriss-Prämie, denn insbesondere bei Nachkriegsbauten sei der Abriss und anschließende Neubau die sinnvollere Variante der Bestandssanierung. (Friedrich H. Hettler)

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