Bauen

22 Millionen Euro wurden in den neuen Eiskanal investiert. (Foto: Kunsteisbahn Königssee)

11.02.2011

Ästhetisch, sicher, weltmeisterlich

Um- und Neubau der Kunsteisbahn Königssee

Seit 20. Dezember 2010 präsentiert sich die neue in Weltrekordzeit fertiggestellte kombinierte Kunsteisbahn für Bobsport, Rennrodeln und Skeleton am Königssee im WM-Outfit. Weltmeisterlich unter den neuesten Sicherheitsaspekten, attraktiv und funktional für Besucher, Fans, Medien und natürlich Athletinnen und Athleten, wurde der große Umbau mit einer Investitionssumme von 22 Millionen Euro gestaltet. Rechtzeitig für den am 5. und 6. Januar 2011 stattfindenden Rennrodel Weltcup sowie die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften ab 14. Februar 2011 wurde der große Umbau abgeschlossen.
Die bautechnischen Neuerungen wurden vor allem unter den neusten Sicherheitsaspekten, den wachsenden Medienanforderungen und den internationalen Reglements der Sportverbände vollzogen. Aber auch für die Sportfans wurden neue Zuschauertribünen, eine verbesserte Infrastruktur unter barrierefreien Gesichtspunkten und neue Videowände vorgesehen.
Bauherr ist der Landkreis Berchtesgadener Land, mit Landrat Georg Grabner (CSU) an der Spitze. Dem Politiker liegt vor allem die Sicherheit der Sportler am Herzen: „Aufgrund diverser Erfahrungen der letzten Jahre haben wir den Sicherheitsaspekt an die erste Stelle gesetzt. Königssee ist jetzt der erste Eiskanal der Welt, an dem es an allen Starts zusätzlich zur Ampelanlage auch Schranken gibt, die ausschließen sollen, dass sich zwei Schlitten gleichzeitig auf der Rennstrecke befinden. Der Zielauslauf, als Bremsstrecke, wurde verlängert und sicherer gemacht. So dass auch die großen Viererbobs im Notfall ohne zu bremsen zum Stehen kommen können.“ Außerdem wurde der gefährliche untere Bahnabschnitt, mit der berühmt-berüchtigten Echowandkurve, der Kurve mit der Nummer 16, entschärft.
Freilich kein einfaches Projekt, bei dem täglich bis zu 250 Bauarbeiter entlang der 1,3 Kilometer langen Betonröhre, die im Winter mittels Ammoniak als Kältemittel vereist wird, im Einsatz waren. Rund 30 000 Meter Kältemittelrohre mussten verlegt werden. Allein die Erneuerung der Ammoniakleitung kostete 1,5 Millionen Euro.
Ferner wurden 20 000 Meter Hybridkabel für die TV-Festverkabelung für Fernseh-Liveübertragungen verlegt. Darüber hinaus musste eine Backup-Stromversorgung für den Notfall installiert werden. Bahnchef Markus Aschauer erläutert beispielsweise: „Viele Dinge müssen bis ins Detail berücksichtigt und geplant werden, vor allem im Sinne der Sicherheit. Wenn man sich vorstellt, dass ein Herren-Rennrodler gerade mit 130 Stundenkilometern durch das eisige Kurvenlabyrinth saust und dann das Licht ausfällt. Das kann fatale Folgen haben.“ Darum verfügt die neue Kunsteisbahn über eine Notstrom-Versorgung für bis zu 30 Minuten.
Als Bau-Hauptunternehmen mit dem größten Gewerk war die Firma Swietelsky monatelang am Königssee beschäftigt. Tausende Kubikmeter Erdreich mussten zum Bau der neuen Bahnstraße und Trassenführung des Eiskanals bewegt werden. Das große, europaweit tätige Bauunternehmen für Hoch- und Tiefbau war neben dem eigentlichen Bahnbau auch mit den Gräben, der Wasserversorgung und dem Bau der neuen Gebäude beauftragt.

Spezielle Fachkompetenz


Markus Aschauer freute sich über die spezielle Fachkompetenz der eingesetzten Swietelsky-Mitarbeiter: „Es wurden extra Fachkräfte aus dem sächsischen Meißen eingesetzt für den Bahnbau. Die Mitarbeiter hatten schon beim Umbau der Bob- und Rennschlittenbahn im sächsischen Altenberg, für die Bob- und Skeleton WM 2008, viele Erfahrungen gesammelt. Das sind engagierte und erfahrene Mitarbeiter mit spezifischem Know-how, das für uns sehr wertvoll war“, so der Bahnchef vom Königssee.
Als Abbruchfirma für die alte Bahntrasse und das alte Zielhaus fungierte die Firma Penzenstadler aus dem Rosenheimer Land. Das Zielhaus bleibt vorerst zur Sicherheit als zusätzliche Räumlichkeiten für die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften im Februar noch stehen und wird erst im Sommer 2011 abgerissen.
Eine große Menge einheimischer Mitarbeiter waren für eine Bad Reichenhaller Firma im Bereich Straßenbau und Außenanlagen im Einsatz. Nicht gerade klein ist nämlich das Areal der Sportstätte, das im Bereich des Ziels jetzt mehr Stadioncharakter für mitreißende WM-Stimmung bietet. Die künstlich beeiste Länge der Kunsteisbahn beträgt immerhin rund 1700 Meter bei 18 Kurven und mit einem Maximalgefälle von 14 Prozent.
Bis zu 30 Mitarbeiter einer Elektrofirma aus Bischofswiesen installierten die fernsehtaugliche Beleuchtung entlang der gesamten Rennstrecke, kümmerten sich um die komplette Verkabelung und das Gewerk Elektrotechnik und -installation. Immerhin 300 000 Watt verschlingt in Zukunft allein die Beleuchtung pro Stunde, wenn Trainingsläufe oder Wettkämpfe am Abend durchgeführt werden.
Ein ganz wichtiger Punkt im Kommunikations- und Medienzeitalter ist natürlich die Telefonanlage, Netzwerktechnik und Glasfaserverkabelung, die installiert wurde.
Das Münchner Ingenieurbüro zeichneten als Projektsteuerer für die Einhaltung der Termine und Kosten verantwortlich und vertrat den Bauherren verantwortlich. Das Unternehmen verfügt über große Erfahrung im Sportstättenbau, aber auch bei kommunalen Bauprojekten, wie beispielsweise Schulen, und wurde daher mit dem großen Kunsteisbahn-Umbau betraut.
„Königssee ist für mich persönlich das interessanteste Projekt, weil das die erste künstliche Bahn war, die überhaupt gebaut wurde. Jetzt setzen wir diese Tradition fort. Der Auftrag ist zudem sehr anspruchsvoll, weil dort extrem enge Platzverhältnisse herrschen und wir es hier mit den engsten Terminvorgaben zu tun haben, die wir bisher überhaupt hatten“, erklärte im Vorfeld der Umbaumaßnahmen Michael Lachner, Projektleiter beim Planungsbüro Deyle, Stuttgart, das mit der Planung der Modernisierung der Königsseer Kunsteisbahn betraut war.

Höchst komplex


Augenzwinkernd fügte Lachner hinzu: „Und es muss auf den Cent genau geplant werden, weil der Umbau mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II bestritten wird.“
Die Bob-, Skeleton- und Rodelbahn ist ästhetisch, funktional und technisch höchst komplex sowie eine Einrichtung, die nicht nur für die nächsten Jahrzehnte ein Werbeträger für die ganze Region, sondern auch ein Aushängeschild der deutschen Olympia-Bewerbung ist. All das war nur möglich, da das Planungsbüro Deyle über ein integriertes Planungsteam von Architekten und Ingenieuren verfügt sowie mit allen Kompetenzen im eigenen Haus ausgestattet ist und darauf zurückgreifen konnte.
Der Anteil des Bundes an den Projektkosten liegt immerhin bei 75 Prozent der veranschlagten 22 Millionen Euro. 15 Prozent werden durch das Land Bayern und die verbleibenden zehn Prozent vom Landkreis finanziert, damit sich die Eisbahn am Königssee auch in Zukunft WM- und Olympiatauglich präsentiert.
Das BPR Planungsbüro mit den Ingenieuren Frauenschuh, Fuchs und Hasenknopf, Bad Reichenhall, erledigte die Planungsarbeiten für den Straßenbau, die Außenanlagen und auch die Sanierung des Kreisels nach einem Brand. Denn einen sehr herben Rückschlag im Bauzeitplan bildete der Brand des Kreisels während Schweißarbeiten beim Abbruch des alten Zielauslaufs am 25. März 2010.
Die Hälfte der 360-Grad-Kurve war von den Flammen erfasst worden, bis rund 100 Feuerwehrleute nach gut einer Stunde die unter der Isolierung immer wieder aufflammenden Brandherde im Griff hatten. Ein Gutachten der TU München bescheinigte, dass dieser Bahnabschnitt saniert werden könne und so konnte der Zeitplan, trotz dieses unvorhergesehenen Mehraufwands, eingehalten werden. (MD/FHH)

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