Bauen

Der 1. Preis ging an das Kinderhaus Garching – Architekt: Hermann Kaufmann ZT GmbH, Schwarzach und aicher kazzer architekten, München. Bauherr: Technische Universität München. (Foto: Henning Köpke)

18.02.2011

Aktiver Klimaschutz und Wirtschaftsfaktor

Plädoyer für den modernen Holzbau: Der Holzbaupreis Bayern 2010

Bayern entdeckt immer mehr die Vorzüge des modernen Holzbaus. Das bringt der Holzbaupreis Bayern deutlich zum Ausdruck. In seiner nunmehr achten Auflage zeigt er das zwischenzeitlich breite Spektrum der Holzarchitektur, Holzbautechniken und Holzprodukte: vom Gartenhaus über den Dachausbau und das Wohnhaus im Passivhausstandard bis hin zu Ingenieurbauwerken, Kindergärten, Büro- und Fertigungsstätten oder Solarreihenhäusern.
Ausgelobt wird der Holzbaupreis Bayern vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und dem Landesbeirat Holz Bayern. Ideelle Träger sind die Bayerische Architektenkammer sowie die Bayerische Ingenieurekammer-Bau. Neben einer Bestandsaufnahme in Sachen Holzbaukultur soll er insbesondere auch Studierende der Fachrichtungen Architektur und Bauingenieurwesen inspirieren.
Wettbewerbe wie der Holzbaupreis Bayern sind ein wichtiges und richtiges Mittel, um in der breiten Öffentlichkeit die hohe Qualität der Planungs- und Bauleistungen, die von Architekten, Ingenieuren und ausführenden Unternehmen erbracht werden, darzustellen. Und, sie zeigen den Bauherren, was machbar ist – vielleicht auch entgegen mancher Vorurteile, die im Vorfeld einer Bauentscheidung kursieren.
Diese einfache Formel wird in Zukunft in Hinblick auf nachhaltiges Wirtschaften immer mehr an Bedeutung erlangen. Holz ist ein Baustoff mit Zukunft. Er verbindet hervorragende technische Eigenschaften mit vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten und einer unschlagbaren Ökobilanz. In der modernen Baukultur haben wir mit Holz einen Schlüssel zur Lösung der drängenden Klimaproblematik in der Hand.
Denn der Energieverbrauch von Gebäuden (Herstellung und Transport der Baustoffe, Fertigung und Montage der Bauteile, Unterhalt der Gebäude, Nutzungsänderungen der Gebäude) trägt noch vor dem Verkehrssektor am stärksten zum Treibhauseffekt bei. Dabei bremst kohlenstoffoptimiertes Bauen mit Holz den klimaschädlichen Anstieg des Kohlendioxidgehalts in der Erdatmosphäre dagegen gleich zweifach:

Niedriger Energiebedarf


Erstens wird beim Wachsen eines Kubikmeters Holzes der Atmosphäre fast eine Tonne des Treibhausgases Kohlendioxid entzogen. Der Baum speichert 250 Kilo davon als Kohlenstoff im Holz, 750 Kilo gibt er als reinen Sauerstoff an die Atmosphäre ab. Und das Schöne daran, jede Sekunde wächst in Bayern ein Kubikmeter nach.
Zum Zweiten ist der Energiebedarf von modernen Holzbauten besonders niedrig, weil die Verfügbarkeit und die Verarbeitung des Rohstoffs Holz im ländlichen Raum stattfinden.
Holzbau macht die Verbindung von zeitgenössischer Architektur und Ökologie möglich. Deshalb setzen vermehrt Architekten und Bauherren auf die Vorzüge von Holz. So hat sich seit 1991 in Bayern der Anteil von Ein- und Zweifamilienhäusern in Holzbauweise von 7,5 auf über 18 Prozent mehr als verdoppelt. Im Nichtwohnbau beträgt die Holzbauquote derzeit etwa 23 Prozent.
Der Trend geht nach oben: Laut Umfragen schätzen 94 Prozent der Bundesbürger Holz als sehr wohnlich und „besonders wohngesund“ ein. Kommunen stufen den pädagogischen Wert von Holz für kindgerechte Bauwerke sehr hoch ein und gewerbliche Investoren interessieren sich für die kurzen Bauzeiten, die Modularität von Holzbauten sowie die geringen Energiekosten im Verlauf der Nutzung.
Der Beweis : Das steigende Interesse am Baustoff Holz zeichnet sich ganz konkret an den Einreichungen zu den alljährlich Ende Juni stattfindenden „Architektouren“ ab. Hierbei handelt es sich um eine Art „Leistungsschau“ der Architektur, bei der sich in ganz Bayern sonst verschlossene Türen öffnen und Architekten durch ihre von einem unabhängigen Beirat ausgewählten Objekte führen und sie eingehend erläutern. Es ist bezeichnend, dass hier in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Zunahme von Bauwerken verzeichnet werden kann, die den Baustoff Holz verarbeitet haben.
Nicht nur beim Neubau, sondern auch bei der Modernisierung gibt es noch zahlreiche zusätzliche Möglichkeiten für die Verwendung von Holz: für Aufstockungen, Anbauten oder energetische Modernisierungen von Gebäudefassaden. Denn durch den hohen Vorfertigungsgrad der Bauelemente können viele Baumaßnahmen ohne nennenswerte Unterbrechung der Nutzung durchgeführt werden. Jüngstes Beispiel ist die Fassadenmodernisierung der Realschule Buchloe: Dort wurde während der Sommerferien die gesamte Gebäudehülle mit Holzfertigelementen eingepackt.
Die Botschaft des Holzbaupreises an Studierende lautet: Holzbau ist eine wettbewerbsfähige Alternative. Nur, was der Student nicht weiß, das macht ihn nicht heiß. Während an den Hochschulstandorten München und Rosenheim der Holzbau gut etabliert ist, haben die anderen Hochschulstandorte in Bayern noch erhebliches Potenzial.
Holzbau spielt dort nur eine untergeordnete Rolle, sei es als Studienfach oder als Bestandteil der Ausbildung im Grundstudium. Deshalb darf man nicht verwundert sein, wenn es draußen in der Praxis an Fachplanern in punkto „Holzarchitektur“ und „Holzbau“ fehlt. Und wer soll die Studierenden unterrichten?
Nichts ist so beständig wie der Wandel. Ein Umdenken zeichnet sich bereits ab. Nach Auskunft der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau werden zunehmend Diplom- und Vertiefungsstudiengänge zum Holzbau oder zur Holztechnik im Bereich des Bauingenieurwesens angeboten. Angesichts dessen ist die bayerische Hochschulpolitik gut beraten, die Potenziale des waldreichsten Bundeslands durch ein gezieltes Wissensangebot zu erschließen. Fachkräfte aus eigenen Reihen rekrutieren – das ist nachhaltige Bildungspolitik.
Der Holzbaupreis Bayern ist so konzipiert, dass sowohl Bauherr als auch Entwurfsverfasser, Tragwerksplaner und Holzbaubetrieb als „Bauteam“ ausgezeichnet werden. Auch damit liegt der Holzbaupreis im Trend. Bauaufgaben werden in Zukunft zunehmend komplexer. Nur durch ein frühzeitiges aufeinander Zugehen lassen sich wirtschaftlich sinnvolle Lösungen entwickeln. Mit anderen Worten: Ein gut funktionierendes Bauteam ist ein Erfolgsfaktor für die Qualität eines Bauvorhabens. Und ein Bauwerk von hoher Qualität hat eine starke Signalwirkung für weitere Baunachfrage.
Dominanz der einzelnen Disziplinen, partielle Abschottung begründet mit dem Vergabeverfahren und Ich-Zentrierung – all das sind Hemmnisse auf dem Weg zur Teamkultur. Ein Appell, den wir an die Lehrenden richten ist, die Teamkultur bereits in der Ausbildung zu fördern.

Erfolgsfaktor Teamarbeit


Eine Preisverleihung ist eine Momentaufnahme. Sie bietet Raum und Zeit, die geleistete Arbeit der Preisträger zu würdigen. Mit der Dokumentation Holzbaupreis Bayern 2010 ist der Grundstein für eine nachfolgende breit angelegte gedankliche Auseinandersetzung der Akteure vor Ort gelegt. Das alleine reicht aber nicht.
In Zusammenarbeit von Bayerischer Forstverwaltung, Bund Deutscher Baumeister (Landesverband Bayern) und dem Landesbeirat Holz Bayern wird die Dokumentation (Infos: www.landesbeirat.de) zu einer Wanderausstellung weiterentwickelt. Diese soll vornehmlich in den Netzwerken Forst und Holz in Bayern sowie den Knotenpunkten der Fachplaner zum Einsatz kommen und damit die Entwicklung des Bauteams für künftige Bauaufgaben fördern.
Zum Abschluss dieses Jahres, dem Internationalen Jahr der Wälder, wird am 10. November 2011 im Architekturmuseum der Pinakothek der Moderne die Fachausstellung „Bauen mit Holz. Wege in die Zukunft“ eröffnet.
Die zunehmende Technologisierung und Vorfertigung im handwerklich geprägten Holzbau erlaubt im Zusammenspiel mit innovativen Bauprodukten und Verbindungsmitteln nicht nur vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, sondern liefert auch einen Beitrag zur Steigerung der Wertschöpfung gerade im ländlichen Raum. Diese Aufbruchstimmung, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts spürbar ist, darzustellen und zu erklären, sowie Entwicklungsrichtungen und wirtschaftliche Potenziale aufzuzeigen, ist Ziel dieser Ausstellung.  (Alexander Kirst)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 41 (2017)

Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 13. Oktober 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Thomas Mütze, finanzpolitischer Sprecher der Landtags-Grünen

(JA)

Ulrich Binnebößel, Zahlungsexperte beim Handelsverband Deutschland (HDE)

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.