Bauen

Der Platz der Republik in Pilsen. (Foto: Wiegand)

28.11.2014

Alt und neu nebeneinander

Pilsens Bauten, das Gesicht der Europäischen Kulturhauptstadt 2015

Pilsen ist – neben Mons in Belgien – Europas Kulturhauptstadt 2015, und schon bei der Einfahrt in den Bahnhof fällt der Blick auf die Pilsner Urquell-Brauerei. Dass Pilsen Bierkultur verkörpert, ist auch in Bayern weithin bekannt. Immerhin war es einer der ihren, der geniale Josef Groll, der 1842 das erste Pils braute. Die Mitte des 19. Jahrhunderts von Martin Stelzer errichteten Pilsner-Urquell-Bauten gehören mitsamt dem Brauereimuseum nun zur Europäischen Route der Industriekultur. Eine moderne Glashalle schließt sich den historischen Gebäuden nahtlos an. Daneben geht’s gleich in den Unterbau der Stadt. Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert legten die Bürger Keller mit Verbindungsgängen an, insgesamt 19 Kilometer. Dort gruben sie Brunnen, lagerten Lebensmittel und versteckten sich in Kriegszeiten.
Die Führungen durch ein Teilstück sind ein echt cooles Erlebnis. Oberirdisch kann die Stadt noch weit mehr punkten. Fein restaurierte Barock- und Renaissancehäuser überraschen auf dem Platz der Republik, dem historischen Marktplatz. Farbenfroh rahmen sie die gotische St. Bartholomäus-Kathedrale. Ihr 102,6 Meter hoher Turm ist der höchste in der Tschechischen Republik. Dieses weitläufige Viereck ist das Herz Pilsens. Zwei der schönen alten Häuser beherbergen das Ethnologische Museum und das beliebte Loutek-Marionettenmuseum. Dieses sehenswerte Stadtbild, das Kulturleben und die Museen haben den Ausschlag bei der Wahl Pilsens zur Europäischen Kulturhauptstadt 2015 gegeben.
Plakatständer vor dem schmucken Renaissance-Rathaus von 1559 informieren, welch nachhaltige Verbesserungen dieses Ereignis mit sich bringt. Auch die Neu-Nutzung von Industriebauten gehört dazu. Ein ehemaliger Brauereibau wird zur Kulturfabrik Svetovar. In früheren Skoda-Werkhallen begeistert das interaktive Techmania Science Center plus 3D-Planetarium Jung und Alt.

Roter Bau mit
hellgrauer Lochfassade


An moderne Architektur und ebensolche „Accessoires“ gewöhnen sich die Pilsner zur Zeit. Spendabel setzte die Stadt drei neuartige Glitzerbrunnen (mit insgesamt 720 g Gramm Goldauflage) auf den Platz der Republik, passend zur glanzvollen Eröffnung des Kulturhauptstadtjahrs am 17. Januar 2015. Und schon am 1. September 2014 feierten die Bürger die Eröffnung des Neuen Theaters, eine lang ersehnte Ergänzung zum J.K.Tyl-Theater, das die Nachfrage nicht decken konnte. Beide Häuser bieten zusammen rund 1000 Plätze und ein gemeinsames Programm.
Optisch ergibt sich ein deutlicher Kontrast zwischen dem älteren Haus – Neorenaissance von 1902 – und dem Neuen Theater, konzipiert von Architekt Vladimir Kruzik. Der rote Bau mit der hellgrauen Lochfassade fällt schon von weitem auf. Im Foyer bieten die ungleichen Löcher einen Blick nach draußen. Es ist „ein Theater des 21. Jahrhunderts. Und jeder, der sich als Pilsener fühlt, muss einfach stolz sein auf das Neue Theater“, ruft Martin Otava, Direktor des J.K.Tyl-Theaters, etwaige Kritiker zur Raison.
Genau genommen gab es in Pilsen schon weit früher den Trend weg von allen Historismen. Wohlhabende jüdische Bürger engagierten den Architekten Adolf Loos, obwohl sein schmuckloses „Loos-Haus“ von 1910 in Wien große Empörung erregt hatte. Um 1930, als er in Pilsen mehr als ein Dutzend Wohnungen einrichtete, galt er mit seinem funktionalistischen Stil schon als Wegbereiter der Moderne. Einige dieser Wohnungen können 2015 besichtigt werden, unter anderem die noch weitgehend originale Wohnung in der Bendova ulice 10.
Loos, der Wert auf hochwertige Materialien legte, kombinierte dort strenge Linien mit kräftigen Farben. Schon von außen fallen die grünen Fensterkreuze auf. Drinnen überraschen bläuliche Sitzmöbel und rote Heizkörper unter der blank polierten Edelholzdecke. Schick, zeitlos schön und von hohem Gebrauchswert, so das Fazit. (Ursula Wiegand)

(Glasanbau bei der Pilsner Urquell Brauerei und das Neue Theater - Fotos: Wiegand)

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