Bauen

Die Caracalla-Therme in Baden-Baden. (Foto: Wiegand)

31.10.2014

Antike und heutige Architektur

Baden-Baden: Römerbäder und Moderne

Warum die hübsche Kur- und Festspielstadt Baden-Baden heißt, ist sonnenklar. Im dortigen Thermalwasser badeten bereits die Römer, die Hochgestellten in den Kaiserbädern, die der römische Kaiser Caracalla ums Jahr 213 n. Chr. weiter ausbauen und luxuriös ausgestalten ließ. Nach einem Feldzug kurte er in Aquae Aureliae, wie der Ort seinerzeit hieß. Diese Kaiserbäder unter dem Marktplatz neben der Stiftskirche wurden 1847 bei Bauarbeiten entdeckt, sind aber weder freigelegt noch zu besichtigen. Nur die Umrisse aus schwarzem Kopfsteinpflaster auf dem Marktplatz zeigen ihre Ausdehnung.
Dagegen sieht man durch große Scheiben unter dem heutigen Friedrichsbad in die um 80 n.Chr. errichteten Soldatenbäder. Stützen aus übereinander gestapelten Ziegeln fallen auf. Sie bilden Hohlräume unter dem Estrich, durch die die Heißluft für die Unterbodenheizung zirkulierte. Senkrecht angebrachte Hohlziegel leiteten diese an den Wänden empor und selbst die Sitzbänke wurden wohlig erwärmt.
Wie nicht nur eine solche Warmluftheizung (Hypokaustum) zu bauen war, sondern ein Thermalbad und sogar eine ganze Stadt, hatte der römische Militärtechniker und Ingenieur Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio) schon im 1. Jahrhundert v. Chr. detailreich beschrieben. „De architectura libri decem“ heißt sein zehn Bücher umfassendes Standardwerk über Bauen & Architektur. Einige Abschriften und frühe Übersetzungen blieben erhalten und waren in der Renaissance und noch darüber hinaus eine Richtschnur.

Anbau an den
alten Bahnhof


Baden-Badens Soldatenbad hat fast zwei Jahrtausende recht gut überstanden. Die Ziegel sind ebenso original wie die Böden in den Badebecken. Erstaunlich genug, sind doch die Besucher früher mit ihren Schuhen darüber gestapft. Nun geht man auf einem Gestell durch die antike Anlage, die zwei Warmbäder (tepidarium), ein Heißbad (caldarium) und ein 40 Grad heißes Schwitzbad (sudatorium) enthielt. Ein Kaltbad (frigidarium) fehlte ebenso wenig wie Umkleide- und Sanitärräume. Das ursprüngliche Schwimmbad ist nicht zu sehen. Die heutige oberirdische Caracalla-Therme, 1985 nach Plänen von Hans-Dieter Hecker, Freiburg, errichtet, erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit.
Zwei weitere Architekten haben in neuerer Zeit Geschichte geschrieben. Mit einem modernen Anbau an den alten Bahnhof hat der Wiener Wilhelm Holzbauer 1998 das Festspielhaus Baden-Baden geschaffen, das zweitgrößte Opern- und Konzerthaus Europas. Die Tickets kaufen Musikfans aus aller Welt nach wie vor am Fahrkartenschalter der ehemaligen Bahnhofshalle. Den Schönheitspreis gewinnt jedoch das 2004 errichtete Museum Frieder Burda, das US-Stararchitekt Richard Meier geplant hat.
Meiers strahlend weißer Bau im Kurpark unter mächtigen Bäumen bettet sich in die Natur und wirkt in seiner ruhigen, durch große Glasscheiben aufgelockerten Form wie ein Magnet. Ein gläserner Gang im 1. Stockwerk verbindet es mit der neoklassischen Staatlichen Kunsthalle von Hermann Billing. Bereits bei seinem 1995 in Barcelona errichtetem MACBA-Museum setzte Meier auf Helligkeit. Zu seinem Baden-Badener Bau sagt er: „Licht ist hier das wichtigste Baumaterial, ihm kommt eine Schlüsselfunktion zu.“ Selbst in die unteren Stockwerke fällt viel Tageslicht. Schon der Gang aus dem hellen Atrium auf den sanft ansteigenden Rampen durch die vier Stockwerke wird zu einem lichten Erlebnis. „Ich hoffe, die Besucher werden den Parcours durch das Gebäude als einen eigenen Rhythmus aus Bewegung und Ruhe erleben“, wünscht sich Meier. So ist es, zumal die Natur immer wieder durch kleine und größere Fenster in die Gänge und ins Gebäude schaut.
Mit diesem Museum hat Richard Meyer mehr als nur einen meisterlichen Rahmen für Ausstellungen geschaffen. „Everyone’s life is enriched by the art of architecture“, steht als Ausspruch des Pritzker-Preis-Trägers (quasi der Nobelpreis für Architektur) auf einer weißen Wand. Die Architektur also als ein eigenes, das Leben bereicherndes Kunstwerk. Kenner sehen das ebenso. Für sein „exzellentes Design und die erstklassige Ausführung“ ist das Frieder Burda Museum mit dem renommierten „New York Chapter Design Award“ ausgezeichnet worden. (Ursula Wiegand)

(Das Museum Frieder Burda und das Festspielhaus - Fotos: Wiegand)

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