Bauen

In München wurde in der Donnersberger Straße eine Tiefgarage im Straßenraum errichtet. (Foto: ISP Scholz)

18.10.2013

Arbeiten im Verborgenen

Bauen im Untergrund

Sie arbeiten oft im Verborgenen, Ingenieure. Dies gilt nicht nur für die Arbeit selbst, sondern auch für das Ergebnis ihrer Arbeit – die Bauwerke. Viele von ihnen befinden sich unter der Erde.
Wer denkt schon, wenn er in München den Wasserhahn aufdreht, an die vielen unterirdischen Bauwerke ohne die kein Wasser aus der Leitung kommen würde. Dass wir in München ein gutes Wasser haben, ist bekannt. Die Fassungen sind im Mangfall- und Loisachtal, wo Bohrungen in die Tiefe ausgeführt wurden, um von dort das Wasser nach oben zu pumpen. Den langen Weg nach München nimmt das Wasser aber auch nicht an der Oberfläche oder über oberirdisch verlegte Rohrleitungen, sondern über große Rohrkanäle, die im Untergrund verborgen sind. Von den unterirdischen Speicherbehältern geht es dann über die Leitungsnetze zu den Haushalten. Die Bautechnik umfasst all diese unterirdischen Bauwerke.

Deckelbauweise für Tiefgarage gewählt


In unseren Straßen befinden sich aber nicht nur Leitungen für die Wasserversorgung. Wer selbst schon einmal einen Umbau der Straße vor seinem Haus erlebt hat, hat die verschiedenen Sparten gesehen. Neben dem Frischwasser finden wir Kanäle für das Abwasser, Elektroleitungen unterschiedlichster Größe, Datenleitungen und Kommunikationsleitungen. Manchmal grenzt es an ein Wunder, wenn bei Baustellen keine dieser Leitungen im Untergrund getroffen wird. Aber mit gut gepflegten Bestandsplänen lässt sich Schlimmeres verhindern.
Jede Baugrube, in die die Untergeschosse von Gebäuden hineingestellt werden, ist ein eigenes Ingenieurbauwerk. Dies muss nicht nur konstruktiv durchdacht und geplant werden, sondern auch mit Berücksichtigung von allem, was sich schon im Untergrund befindet. Oft müssen deswegen auch Leitungen verlegt werden.
In München wurde in der Donnersberger Straße eine Tiefgarage mit 120 Metern Länge im Straßenraum errichtet. Für die Erschließung der angrenzenden Gebäude mit ihren Geschäften war wichtig, dass es ausreichend Verkehrsraum auch während der Bauzeit gab. Für das Bauverfahren wurde daher die Deckelbauweise gewählt. Nachdem alle Leitungen aus dem Baufeld entfernt waren, wurden die Außenwände aus Bohrpfählen hergestellt. Die etwa 120 Zentimeter dicken Bohrpfähle haben dabei einen Abstand von etwa 80 Zentimetern und jeder zweite Pfahl ist bewehrt. Auf diesen Pfählen liegt eine 70 Zentimeter dicke Stahlbetondecke auf. Sie wurde direkt auf das Erdreich betoniert, ohne dass ein Gerüst nötig war. Durch Öffnungen in dieser Decke konnte dann der Hohlraum ausgegraben und die Bodenplatte betoniert werden. In diesen Hohlraum kam ein Stahlgestell als Regalsystem, in das die Fahrzeuge vollautomatisch eingeparkt werden. Der Nutzer stellt sein Fahrzeug lediglich in eine Übergabekabine im Straßenraum. Dort holt er sein Fahrzeug auch wieder ab, das nach kurzer Wartezeit bereitgestellt werden kann.
Die bekanntesten unterirdischen Bauwerke sind wohl die Tunnelbauten. Tunnelbauten dienen dem Straßenverkehr, dem Eisenbahnverkehr, dem U-Bahnverkehr oder auch für Versorgungsleitungen. Für die Herstellung von Tunneln gibt es verschiedene Verfahren. Bei der offenen Bauweise wird eine große Baugrube erstellt. Das Bauwerk wird dort in der Art eines Hochbaus errichtet und dann wieder zugeschüttet, sodass es unter der Erde verschwindet. Bei der Deckelbauweise werden, wie bei der Tiefgarage Donnersberger Straße, zuerst die Wände und Stützen von der Oberfläche aus hergestellt, dann die Decke und darunter erfolgt der Aushub. Diese beiden Verfahren sind nur möglich, wenn die Tunnel oberflächennah sind.
In München sind viele Tunnel in Deckelbauweise gebaut worden. Derzeit kann dazu die Baustelle am Mittleren Ring im Abschnitt Luise-Kiesselbach-Platz besichtigt werden. Vom Baureferat eigens hierzu eingerichtete Infocontainer sind regelmäßig für Bürger geöffnet.
Oft sind Tunnel aber auch viele Meter unter der Erde. Dann muss von einem Startpunkt aus mit einem Startschacht bis zu einem Zielschacht der Tunnel unterirdisch vorgetrieben werden. Je nach Länge des Tunnels und dem angetroffenen Baugrund geschieht dies entweder in kurzen Abschlagslängen mit kleineren Geräten und viel Personaleinsatz oder aber mit großen Tunnelbohrmaschinen, die mehrere 100 Meter lang sind und sich mit wenig Personaleinsatz über sehr lange Strecken durch das Gebirge „fressen“.

Münchner Spritzbetonbauweise


Auch zu tiefen Tunneln finden sich Beispiele in München, speziell aus dem U-Bahn-Bau. Oft wurde mit der „Münchner Spritzbetonbauweise“ der Tunnel im Kies vorgetrieben. Abschläge von etwa einem Meter benötigen nur eine Sicherung im First, dann folgt der übrige Querschnitt. Die großen Tunnelbohrmaschinen bleiben längeren Tunneln wie zum Beispiel dem Gotthardtunnel vorbehalten. Mit diesen Maschinen ist alles in einem: Bohrer, temporäre Sicherung, Aushubabtransport, Vorrichtung für den Einbau der Stützbögen und vieles mehr.
Die Nutzung der Erdwärme ist eine besonders nachhaltige Form der alternativen Energien. Naturgemäß steht diese Wärme erst in größeren Tiefen zur Verfügung. Die Tiefenbohrungen sind nicht nur wegen der großen Strecke eine Herausforderung, sondern auch wegen der Temperaturen, die dort angetroffen werden.
Wenn diese unterirdischen Arbeiten wenig auffallen, haben die Ingenieure ihre Sache gut gemacht. (Ulrich Scholz - Der Autor ist Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau)

(In München sind beziehungsweise werden viele Tunnel in Deckelbauweise gebaut. So auch der Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz - Foto: ISP Scholz)

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