Bauen

Die handgemachte Lehmschule in Meti. (Foto: Heringer)

01.10.2010

Architektur als Werkzeug

Anna Heringer in der Vortragsreihe "Qualität zählt" der OBB

Im Rahmen der Vortragsreihe „Qualität zählt“ der Obersten Baubehörde (OBB) referierte die Architektin Anna Heringer „Über die Schönheit der Nachhaltigkeit – lokale Lösungen für globale Herausforderungen“. Heringer baut in Entwicklungsländern, vor allem in Bangladesch. Ihre Projekte „Handmade-School“, DESI und HOMEmade wurden mehrfach mit internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet. In ihrer Arbeit widmet sie sich dem Beitrag der Architektur zu lokalen ökonomischen und ökologischen Systemen, dem Aspekt von Schönheit und Identität und ganz generell der Frage: „Was ist Nachhaltigkeit?“
„Architecture for the poor“ – diese Forderung von Hassan Fathy war Ausgangspunkt von Heringers Überlegungen. Dabei ging es ihr aber nicht nur um eine Form von „Billig-Architektur“, die auch für Bevölkerungsgruppen aus extrem niedrigen Einkommensverhältnissen, wie zum Beispiel in den Entwicklungsländern, realisierbar sein sollte. Ihr Ansatz ging wesentlich weiter. „Ziel war es“, so erklärten sie in einem Interview im März 2008, „die traditionelle Bauweise in die Zukunft zu tragen“. So kam es, dass sie gemeinsam mit ihrem Partner Eike Roswag und den Einwohnern von Rudrapur in Bangladesch 2005/06 eine Schule entwickelte und baute haben, die seither als Vorzeigeprojekt für das Bauen mit lokalen Baustoffen dient.
Ökonomische, ökologische und soziale Angemessenheit – diese Kriterien für die Planung und den Bau eines Gebäudes stehen für Heringer im Vordergrund. Ihr Schwerpunkt liegt also nicht auf der reinen Wirtschaftlichkeit, sondern auf der Nachhaltigkeit. Wenn es gelingt, mit vorhandenen Mitteln etwas zu schaffen, das – wie beispielsweise eine Schule in einem der ärmsten Länder der Welt – einen Beitrag für die Gesellschaft insgesamt leistet, dann ist für sie ein solches Projekt nachhaltig im besten Sinne des Wortes. Gerade angesichts des Missbrauchs, dem ihrer Ansicht nach dieser Mode-Begriff leider immer stärker unterfällt, sei es geradezu wohltuend festzustellen, dass es Projekte gibt, die Nachhaltigkeit in ihrem ursprünglichen Sinn verkörpern.
Auf Ihrer Homepage steht das Zitat: „For me, sustainability is a synonym for beauty“.
Für Heringer ist Architektur ein Werkzeug, „Lebenssituationen zum Positiven zu verändern und Schönheit nicht reine Formsache, sondern Einklang von Form und Raum mit Ort, Material und Mensch. Das Potenzial von Architektur als Medium zur Stärkung des kulturellen und individuellen Selbstvertrauens und zur Unterstützung lokaler Wirtschaft und ökologischen Gleichgewichts zu nutzen, ist für mich die Motivation zu meiner Arbeit.“


Positiver Nebeneffekt


Bei ihrer „Handmade-School“ wurde das handgemacht wörtlich genommen. Nur das Fundament wurde durch ein Unternehmen ausgeführt, ansonsten wurde der Bau mit Tagelöhnern realisiert. Dass sozusagen „nebenbei“ noch 25 lokale Handwerker aus der unmittelbaren Umgebung in der verbesserten Lehm- und Bambusbautechnik ausgebildet wurden, ist ein weiterer positiver Nebeneffekt dieses außergewöhnlichen Projekts, erklärte Lutz Heese, Präsident der Bayerischen Architektenkammer in seinem Grußwort. (Friedrich H. Hettler)

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