Bauen

Umbau und Sanierung Gotischer Kasten in der Hofmark Gern, Eggenfelden. (Foto: arc architekten)

21.04.2011

Architekturpreis für Engagement in der Baukultur

Festakt zum 40-jährigen Jubiläum der Bayerischen Architektenkammer in München

Viel zu feiern hat die Bayerische Architektenkammer im Jahr 2011. Seit 40 Jahren engagiert sie sich für die Baukunst und -kultur in Bayern. Bei der Jubiläumsfeier wurden auch die Gewinner des Architekturpreises geehrt: Die Arc Architekten Nicola Borgmann und Winfried Nerdinger.

Gegründet zur Förderung der Baukultur kommt die Bayerische Architektenkammer bereits seit 40 Jahren ihren Aufgaben nach. Trotz anfänglicher Konflikte wurde die Kammer auf ehrenamtlicher Basis am 1. Januar 1971 ins Leben gerufen. Unter ihrem Dach vereinigen sich alle bayerischen Architekten, Innen- und Landschaftsarchitekten als Pflichtmitglieder.
Die Kammer soll damals wie heute Architekten in ihrem Schaffen unterstützen – als Plattform der Kommunikation und Zusammenarbeit. Der Einsatz für die beruflichen Belange ihrer Mitglieder, ihre Aus- und Fortbildung sowie die Vertretung ihrer Interessen stehen im Zentrum. Ebenso fördert die Bayerische Architektenkammer die Interaktion mit kommunalen und staatlichen Bauherren.
Anlässlich dieses Jubiläums fand im Haus der Architektur in München eine Feier statt. „Die Geschichte unserer Kammer ist eine Erfolgsgeschichte“, lobte Lutz Heese, Präsident der Bayerischen Architektenkammer, die Arbeit der letzten 40 Jahre.
Im Weiteren betonte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in seiner Festrede den hohen Stellenwert der Baukultur: „Sie betrifft uns alle. Denn jeder von uns begegnet ihr täglich: beim Wohnen und Arbeiten, in Kultur-, Bildungs- und sozialen Einrichtungen.“ Aufgrund dieser Allgegenwärtigkeit präge die Baukultur das Zusammenleben der Menschen immens. Und die gesetzliche Berufsvertretung der Architekten trage immens durch ihre Aktivitäten zur Erhaltung und Entwicklung des Kulturstaates Bayern bei.
Im Rahmen der 40-Jahr-Feier der Bayerischen Architektenkammer wurden drei Bayerische Architekturpreise und der Bayerische Staatspreis für Architektur verliehen. Mit erstgenannter Auszeichnung würdigt die Kammer herausragende Leistungen im Bereich Baukultur.
In diesem Kontext ist die Entscheidung der Juroren für die Arc Architekten als Gewinner des diesjährigen Bayerischen Architekturpreises nachvollziehbar. Denn das Architekten-Trio Horst Biesterfeld, Manfred Brennecke und Thomas Richter aus Bad Feilnbach leistete einen großen Beitrag zur Baukultur im ländlichen Raum.
Ihr erstes, großes Projekt war im Jahr 1974 die Gestaltung der Therme im oberbayerischen Kurort Bad Feilnbach. Schon zu dieser Zeit war ihnen die harmonische Einbindung neuer Bauten in das traditionelle Umfeld wichtig. Der Name Arc passt zum Anliegen des Architektenbüros: den Bogen von Architektur zu Städtebau zu schlagen. So ist nicht nur das individuelle Bauvorhaben, sondern auch das soziale Miteinander laut Manfred Brennecke ein wichtiger Aspekt.
Bauliche Qualität
gefördert
Ein weiteres, bekanntes Beispiel des Schaffens der Arc Architekten ist der Gotische Kasten in Eggenfelden. Der ehemalige Getreidespeicher aus dem 16. Jahrhundert wurde im Jahr 2002 aufwändig und mit einigen Hürden saniert. Nun kann der Gotische Kasten als Ausstellungs- und Veranstaltungsort neu genutzt werden.
„Sie haben die bauliche und räumliche Qualität der ländlichen Regionen Bayerns bautechnisch wesentlich gefördert.“ So honorierten die Juroren die gemeinsame Tätigkeit der drei Architekten in den letzten 35 Jahren.
Ebenso erhielt Nicola Borgmann, die seit 1992 die Münchner Architekturgalerie leitet, den Bayerischen Architekturpreis für ihr ehrenamtliches Engagement. Denn die Galerie zur Gegenwartsarchitektur und Städtbau hat sich zu einer der wichtigsten Ausstellungsorte Deutschlands entwickelt. Mit über 200 Veranstaltungen seit seiner Gründung 1985 zeigt der inzwischen gemeinnützige Verein baukünstlerische Sehenswürdigkeiten. Oftmals verlassen die Ausstellungsbesucher die Galerie begeistert von Architektur oder aber Architekten finden neue Impulse aus den Innovationen ihrer Kollegen. Die Architekturgalerie kommt also ihrem Leitbild, der Öffentlichkeit den Sinn für Architektur näher zu bringen, in vollen Zügen nach. In der aktuellen Ausstellung „Miteinander Bauen“ bis 7. Mai wird die Architektur für gute Nachbarschaft gezeigt – zwischen nötiger Distanz und platzsparender Nähe der Bewohner von Mehrfamilienhäusern.
Obwohl ehrenamtlichen organisiert, verhelfen die Mitglieder der Galerie zu ihrer immensen Aktivität und Attraktivität. Als Präsidentin gibt Borgmann mit ihrem Engagement den Ausschlag für den Erfolg der Architekturgalerie.
Die Bayerische Architektenkammer und der Freistaat Bayern ehrten Winfried Nerdinger für sein Engagement im zweifacher Weise: Die Kammer verlieh dem Architekten und Kunsthistoriker ebenso den Bayerischen Architekturpreis 2011. Von Innenminister Herrmann erhielt er zudem den Bayerischen Staatspreis für Architektur vom Freistaat Bayern.
Als Direktor des Architekturmuseums der Technischen Universität leitet Nerdinger die Ausstellungsräume in der Pinakothek der Moderne. Auch wirkt er mit seinen Aufgaben als Direktor des Architekturmuseums Schwaben und an der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Vor allem in den Sonderausstellungen im Architekturmuseum lassen sich die Ziele des Professors an der TU München ablesen: Nicht nur die ästhetischen und kulturellen Aspekte der Architektur sind ihm wichtig, sondern insbesondere die historische Sichtweise. Schaurig-berühmt ist zum Beispiel die Sammlung zum Thema „Ort und Erinnerung“, in der 100 Bauten aus der Zeit des Nationalsozialismus gezeigt wurden. Dieses Projekt Nerdingers richtete sich explizit gegen das Vergessen und fokussiert sich auf die bautechnische Propaganda dieser Zeit.
So war München ein Versammlungsort der zentralen Ausführungsorgane und sollte nach einem politischen Plan frei von Juden gemacht werden. Vor allem dieser neue Blickwinkel auf von SS, SA oder NSDAP genutzte Bauten, die man zuvor nicht als diese erkannt hätte, gibt Anlass zur Aufmerksamkeit für das bautechnische Umfeld.
Die Auszeichnung mit dem Bayerischen Architekturpreis begründete das Kuratorium wie folgt: „Er begeistert nicht nur Menschen für Architektur, sondern öffnet sie auf seine Weise - über das Medium Architektur - für Historie und Politik.“
Zudem honorierte Innenminister Herrmann auch das Schaffen Nerdingers mit der Passion, als Kunsthistoriker die Verbindung zur Geschichte herstellen zu können. Der Professor der Technischen Universität habe mit dem Architekturmuseum das ideale Schaufenster gesucht und gefunden, um sein Anliegen zu realisieren: „Ich sehe meine Aufgabe als Architekturhistoriker darin, Steine zum Sprechen zu bringen.“
Gleichzeitig mit der Feier des 40-jährigen Jubiläums verlieh die Bayerische Architektenkammer also drei Preise für herausragende Leistungen in der Baukunst. Diese divergieren zwischen Planen und Bauen, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Mit der Würdigung der jeweiligen Arbeiten präsentiert die Kammer die Facetten der bayerischen Baukultur, deren Förderung Leitbild der Vereinigung ist.
„Ich wünsche der Architektenkammer viel Erfolg und Glück für die nächsten 40 Jahre und darüber hinaus“, schloss Innenminister Hermann seine Laudatio zum Jubiläum. (Barbara Schweigert)

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