Bauen

Der Bahnhof der Gaislachkoglbahn. (Foto: Wiegand)

26.11.2010

Auf Permafrost gegründet

Sölden baut Bergbahn der Rekorde

Schneller, sicherer, komfortabler und schöner – nach diesen Prinzipien hat Sölden seine neue Gaislachkoglbahn bauen lassen. Mit einer Investitionssumme von rund 38 Millionen Euro kommt die Ötztalgemeinde den anspruchsvoller werdenden Gästen entgegen und setzt gleichzeitig neue Maßstäbe. Am 27. November 2010 geht die erste Sektion in Betrieb und transportiert die Wintersportler von 1363 Meter bis zur Mittelstation auf 2174 Meter. Am 4. Dezember 2010 folgt die zweite Sektion, die auf 3040 Meter hoch geht.
Schon der lichte Bahnhof an der Talstation kommt gut an, ein Stahlskelettbau überzogen mit einer durchsichtigen Kunststofffolie, konzipiert vom Architekturbüro Johann Obermoser aus Innsbruck. Rolltreppen sorgen für Bequemlichkeit. Ähnlich gebaut sind die Bahnhöfe auf der Mittel- und Bergstation und das hat seinen Grund: „Diese Industriefolie ist nur 0,2 Millimeter dick, abwaschbar und wesentlich leichter als Glas“, erklärt Jakob Falkner von der Ötztaler Gletscherbahn GmbH & Co KG.
Insgesamt wurden 5700 Quadratmeter Folie verwendet, eine deutliche Gewichtsersparnis zugunsten der Fundamente. Für die Bahn selbst – also für die Stützen, Gondeln, Antriebe und die gesamte Elektrotechnik – zeichnet die Firma Doppelmayr verantwortlich. Die 1. Sektion bis zur Mittelstation bedient nun eine Einseilumlaufbahn (EUB) mit einer stündlichen Förderleistung von bis zu 3600 Personen nach zuvor 2600. In der Praxis waren es zumeist nur 1800 Sportler pro Stunde. Damit ist die neue Einseilumlaufbahn nicht nur doppelt so schnell wie die bisherige, sondern die weltweit leistungsstärkste ihres Typs überhaupt.

Die Fundamente
lassen sich verschieben


Das jedoch nicht wegen einer höheren Fahrgeschwindigkeit. Die Kapazitätssteigerung ist vielmehr der Tatsache zu verdanken, dass die Benutzer nun in vier Gondeln gleichzeitig einsteigen können und daher vier Gondeln (und nicht nur zwei) die Talstation verlassen. Jede der insgesamt 107 Gondeln bietet Sitzplätze für acht Personen.
Mit noch bemerkenswerteren Details wartet auf der 2. Sektion die neue 3-S-Bahn auf. Die Bezeichnung 3-S steht für 3 Seile, das heißt für zwei fixe Tragseile und ein vier Kilometer langes Zugseil. Diese Konstruktion macht die neun 30-Personen-Gondeln, ausgestattet mit 20 Sitz- und 10 Stehplätzen, weniger windabhängig und bietet somit mehr Sicherheit. Die Bahn schwebt bis auf 3040 Meter, ein Höhenweltrekord für diesen Typ.
Auch die Stützen haben dem Rechnung zu tragen. Besonderen Anforderungen muss die Stütze 3 genügen, die letzte vor der Bergstation. Denn der 50 Meter hohe und 50 Meter lange „Spargel“ ist auf Permafrost gegründet.
Wegen der zu erwartenden Setzungen und Verschiebungen des vereisten Bodens lassen sich die Fundamente dieser 344 Tonnen schweren Stütze 3 längs und quer zur Bahnachse um je 60 Zentimeter verschieben. Außerdem sind die sechs Fundament-Teile einzeln um bis zu 60 Zentimeter anhebbar. Auf diese Weise können die von Geologen prognostizierten Bewegungen des Berges langfristig ausgeglichen werden. Insgesamt ist dieses stark beanspruchte Betonfundament 28 Mal größer als eines für reguläre Einseilumlaufbahn-Stützen. Bergbahnbau als extreme technische Herausforderung.

Bei Störungen
hilft ein Hilfsantrieb


Darüber hinaus bietet die neue 3-S-Bahn noch einen dritten Weltrekord: die Bergetechnik. Sollte es zu einer technischen Störung kommen, sorgt ein Hilfsantrieb dafür, dass sich diese Bahn dennoch bewegt. „Sie kann leergefahren werden, die Insassen müssen nicht risikoreich per Hubschrauber geborgen werden“, betont Falkner.
In gut zwölf Minuten erreichen die Sportler nun den Gaislachkogl und können den Rundblick auf der spektakulären Aussichtsplattform noch entspannter als bisher genießen. (Ursula Wiegand)

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