Bauen

Die berühmte Seebrücke von Ahlbeck. (Fotos: Wiegand)

25.06.2010

Bäderarchitektur statt Bali

In Usedom locken Wellness-Hotels vom Feinsten

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“, fragt insgeheim wohl eine Villa die andere. Denn attraktiv sind sie alle. Diese Vielfalt und Fülle sind weltweit einzigartig und bilden gemeinsam Usedoms berühmte Bäderarchitektur. Wie Perlen an einer Kette reiht sich eine Bau-Beauty an die nächste. Jedes Haus zeigt sich anders, denn die Bäderarchitektur ist kein eigener Stil, sondern eine Mixtur. Gerade das macht ihren Reiz aus und konzentriert sich in den so genannten 3 Kaiserbädern Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin. Dort, vor allem in Heringsdorf, weilten einst wirklich die höchsten Häupter zur Sommerfrische, das heißt die deutschen Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. sowie Kaiser Franz Josef von Österreich. Der zog allerdings in den Ahlbecker Hof vis-à-vis vom Restaurant Seebrücke auf dem gleichnamigen Seesteg. Dieses Bauwerk mit seinen kecken Türmchen ist der Star der Insel und inzwischen ein beliebtes Filmmotiv. Errichtet wurde all das ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1914, dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Zunächst waren es reiche Banker, die am Ostseestrand investierten. Die Villen Oppenheim und Bleichröder, Domizile auf parkähnlichen Grundstücken an Heringsdorfs Promenade, sind echte Hingucker, doch in schlichter Eleganz. Protzen passte nicht nach Preußen. So gibt sich die Villa Oppenheim klassizistisch mit Portikus (Säulenhalle) und Dreiecksgiebel. Sie gefiel vor 100 Jahren schon dem Maler Lyonel Feininger, der sie öfter skizzierte. Denn nach dem Hochadel kamen alsbald Künstler und Schriftsteller, zumal sich die Anreise ab 1894 durch die Eisenbahnverbindung nach Berlin wesentlich verkürzte. In drei Stunden war man dort, schneller als heutzutage mit der Bundesbahn. Die Villa Bleichröder gleich nebenan besitzt eine neobarocke Fassade mit seitlichen Freitreppen. Kaiser Wilhelm II. bevorzugte hingegen die Villa Staudt, vermutlich noch mehr die Hausherrin, Frau Konsul Elisabeth Staudt. Von 1908 bis 1912 fand er sich dort ein. In allen Ehren, versteht sich. In Begleitung von Soldaten marschierte er über die Promenade, jedes Mal ein Ereignis für den ganzen Ort. Sonderbarerweise steht aber die Büste von Wilhelm I. vor diesem Haus. Bald baute jeder, der es sich leisten konnte, eine Villa im Umfeld der Blaublütigen. Eine immer schöner als die andere, mal nach dem Vorbild französischer Renaissancepaläste, mal italienisch inspiriert. Als Zierrat dienten Türme und Dachreiter, Säulen und Fassadenschmuck, steinerne Erker und filigrane Holzloggien, Gründerzeitelemente und große Jugendstilfenster. Inzwischen sind sie innen aufwändig modernisiert und bieten den Gästen perfekte Zimmer und Appartements. Ein Juwel war und ist die Villa Oechsler, neuerdings eine feine Boutique unter hohen schattigen Bäumen. Ihre kostbaren Porphyr-Säulen und das Mosaik im Dreiecksgiebel sind Heringsdorfs Nonplusultra. In Bansin, dem jüngsten der 3 Kaiserbäder, verdienen die Hotels Germania und Kaiser Wilhelm (Favorit von Thomas Mann) einen Schönheitspreis, zumal sie einen unverbauten Seeblick bieten. Doch auch die Bergstraße in der zweiten Reihe ist wieder eine gute Adresse. Insgesamt war es ein Bauherren-Wettstreit ohne geschmackliche Entgleisungen, der noch heute Bewunderung erregt. Und da die meisten das Schöne lieben, zieht es immer mehr Menschen in dieses angenehme Umfeld. Rechnet man die Gästeankünfte mit den Übernachtungen hoch, so haben sich in 2009 über vier Millionen Augenpaare an der Bäderarchitektur und ihren fantasievollen Details erfreut. All dieser Glanz kommt nicht von ungefähr. Viel wurde nach der Wende investiert und nicht selten haben Eigentümer ihren von der DDR-Regierung enteigneten Besitz zurückgekauft und selbst beruflich nochmals von vorne angefangen. So Gerhard Gühler, Eigentümer des mehr als hundertjährigen Hotels zur Post in Bansin. Mit der Sanierung allein war es nicht getan. Genau wie in anderen Häusern mussten die Wünsche der heutigen Gäste erfüllt werden. Seine 1200 Quadratmeter große Wellness-Landschaft gehört zu den größten auf Usedom. Wer hier erweitert oder neu baut, muss sich der Bäderarchitektur anpassen. Auch das Hotel Steigenberger, das jetzt – nach wechselnden Glücksrittern – die letzte Baulücke an Heringsdorfs Promenade schließt. Es wird das dritte 5-Sterne-Haus auf der Insel. Doch genau wie früher kann hier jeder Gast nach seiner Fasson und seiner Brieftasche selig werden, von gemütlichen Pensionen und Bauernhäusern im Inselinneren ganz zu schweigen. Also Bäderarchitektur statt Bali. Durch die Flugverbindung von München oder Nürnberg rückt Usedom nun noch näher heran.

(Ursula Wiegand)

Buchungshotline: 01805-583 783 und www.usedom.de.

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