Bauen

11.11.2011

"Bauen mit Holz bedeutet auch: Denken in Systemen"

OBB-Kolumne von Josef Poxleitner

Der Anspruch der Bayerischen Staatsbauverwaltung ist es seit jeher, vorbildliche und qualitätvolle Gebäude, Brücken und Straßen zu errichten. Wir verstehen unsere Projekte daher auch als Entwicklungsträger für neue Ideen und Verfahren, um etwa die Forderungen nach Effizienz, Nachhaltigkeit, Funktionalität und Architekturqualität zu erfüllen. Dies kann nur gelingen, wenn stets neue Wege für die zum Teil komplexen Planungs-, Beschaffungs- und Bauprozesse gesucht werden, wenn also erprobt wird, wie auf neue Trends reagiert werden kann und Bewährtes erhalten bleibt.
Bauen mit Holz hat eine unendlich lange Tradition und lässt zunächst an handwerkliche Vorgänge denken, bedeutet für uns aber auch Denken in Systemen. Wir wollen die Verwendung des Baustoffs als „gewöhnliche“ Sache im besten Sinne begreifen, ohne einseitige Betrachtung oder Vereinnahmung: Bauen mit Holz ermöglicht, bedingt oder verlangt zuweilen andere Planungs-, Ausschreibungs- und auch Herstellungsverfahren. Dies interessiert uns; ebenso, was mit dem Baustoff technologisch möglich ist.
Damit ökologisch oder umweltgerecht zu bauen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Der Baustoff Holz in seinen verschiedenen Ausprägungen wird von der Bayerischen Staatsbauverwaltung, auch gemäß den Beschlüssen des Bayerischen Landtags, bei einer großen Anzahl von Maßnahmen in unterschiedlichster Weise eingesetzt.
Die Bandbreite erstreckt sich hier vom Innenausbau über die Fassade bis hin zum konstruktiven System eines Gebäudes. Alleine mit dieser Spezifikation wurden durch die Staatsbauverwaltung in den letzten Jahren rund 50 Gebäude in Holzbauweise errichtet, derzeit planen und bauen wir Holzbauten mit einer Investitionssumme von über 42 Millionen Euro.

Zweigeschossiger Holzskelettbau


So wurde jüngst für das Finanzamt in Garmisch-Partenkirchen ein modernes Verwaltungsgebäude für 170 Mitarbeiter als Ergebnis eines Architektenwettbewerbs fertiggestellt, das als zweigeschossiger Holzskelettbau mit zwei Innenhöfen konzipiert ist. Nach der Vorfertigung im Winter wurde in sehr kurzer Bauzeit von nur drei Monaten der Rohbau auf der Baustelle nach dem Baukastenprinzip montiert. Die witterungsabhängige Bauzeit konnte durch die Holzbauweise erheblich verkürzt werden.
Ortstypisch erhielt das Gebäude eine Holzverschalung aus naturbelassenem Lärchenholz, des Weiteren werden traditionelle Elemente wie Dachüberstand und Balkon modern interpretiert. Der Einsatz von Photovoltaik und Grundwasserwärmepumpe leistet einen Beitrag zu einer Ressourcen schonenden und zukunftsweisenden Bauweise. Derzeit wird das Gebäude nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) für den Neubau von Büro- und Verwaltungsgebäuden zertifiziert.
Noch im Bau befindet sich das Haus der Berge, das wir als Informations- und Umweltbildungszentrum für den Nationalpark Berchtesgaden errichten. Das Gebäude ist überwiegend in Holzbauweise geplant und erreicht einen passivhausähnlichen Energiestandard. Die Verzahnung von Haus, Ausstellung und Freibereichen als wichtige Anforderung wurde in einem anspruchsvollen planerischen Gesamtkonzept umgesetzt, das zu hoher architektonischer Qualität geführt hat. Diese setzt sich bis in die Detailplanung fort, welche, etwa aufgrund der erforderlichen großen Spannweiten für die Ausstellungsbereiche, Holz-Beton-Verbundkonstruktionen vorsieht und das Ziel verfolgt, einen Rohbaustandard zu erzeugen, der im Grunde als Ausbaustandard fungieren kann.
Der kreative und innovative Umgang mit dem Bauprodukt Holz hat beim Projekt Haus der Berge zu zahlreichen interessanten Sonderkonstruktionen geführt, die teilweise auch Zustimmungen im Einzelfall erforderten.
In Tirschenreuth haben wir soeben mit den Bauarbeiten für den Neubau des Amts für Ländliche Entwicklung Oberpfalz für 150 Mitarbeiter begonnen. Bei diesem Projekt war insbesondere auch das Beschaffungsverfahren Ziel unseres Interesses: Wie kann ein Gebäude bei begrenztem Budget so ausgeschrieben werden, dass strenge wirtschaftliche, terminliche und qualitative Ansprüche erfüllt werden, wie kann man sich dabei technische Verfahren, etwa die Holzsystembauweise, zunutze machen und wie gelangt man bei alledem vom Preiswettbewerb hin zum Qualitätswettbewerb?
Wir haben das Projekt in Holzbauweise mit vollständiger Planung mittels Leistungsprogramm ausgeschrieben, wobei im Rahmen der Wertung der Angebote besonderes Gewicht auf qualitative Aspekte gelegt wurde. Das rege Interesse des Mittelstands am Vergabeverfahren und die eingereichten Angebote haben unseren Ansatz bestätigt.
Dies sind nur drei Beispiele für unsere Aktivitäten im Holzbau; eine viel größere Auswahl an Projekten im Hoch- und Straßenbau sowie im geförderten Wohnungs- und Städtebau haben wir auf unserer Internetseite unter www.innenministerium.bayern.de/bauen/themen/baukultur bereitgestellt. Die vorbildhafte Verwendung des Baustoffs Holz ist uns weiterhin ein wichtiges Anliegen und ein unerlässlicher Beitrag zur Baukultur in Bayern.

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