Bauen

Innovativer Holzmassivbau der Wohnungsgenossenschaft Ebersberg eG in Grafing vom Architekturbüro Hirner & Riehl, München. (Foto: Michael Czerlinsky)

29.08.2014

Bezahlbare Bleiben schaffen

Fachtagung "Gewohnte Qualität – Geförderter Wohnungsbau in Oberbayern"

Das Thema „Wohnen in München“ gilt schon seit Jahren als zentrale Herausforderung für die Politik und den Wohnungsmarkt. Denn von 1970 bis 2010 stieg die Einwohnerzahl der Landeshauptstadt um rund 100 000 Personen. Die Planungsprognose bis ins Jahr 2030 liegt bei rund 150 000 weiteren Einwohnern. Das bedeutet für München, dass die Einwohnerzahl bis auf 1,5 Millionen nach oben gehen wird. „Die vergangenen Jahre haben jedoch auch gezeigt, dass mit den ansteigenden Einwohnerzahlen die Ansprüche an den Wohnraum ebenfalls steigen“, führt Joachim Paas von der Obersten Baubehörde (OBB) an.
Von 25 Quadratmetern im Jahr 1970, liegt aktuell die Wohnraumfläche bei 40 Quadratmetern für einen Münchner, eine Münchnerin. Bei dieser rasanten Veränderung der Situation sind einkommensschwache Haushalte benachteiligt, denn aufgrund steigender Preise wird günstiger Wohnraum eher weniger angeboten. Die Ursachen für den fehlenden Wohnraum liegen zum einen an den begrenzten Grundstücksangeboten in München und dem Trend vieler Investoren in Immobiliensachwerte, was den Immobilienmarkt verstärkt anheizt.
Auch die veränderte Altersstruktur der Münchner Bevölkerung verlangt nach mehr zielgruppenspezifischen Wohnmodellen. Dabei ist eine Mischung von geförderten Wohnungen für verschiedene Einkommensstufen und das Einstreuen freifinanzierter Wohnungen Voraussetzung für vielfältige und auch langfristig stabile Bewohnerstrukturen.

Stolperfallen eliminieren

In einer eigens angesetzten Wohnungsbautagung „Gewohnte Qualität – Geförderter Wohnungsbau in Oberbayern“ stand diese übergreifende Thematik im Mittelpunkt. Zusammen mit Referenten aus der OBB, der Regierung von Oberbayern, Stadtentwicklern und Bürgermeistern, wurden aktuelle Herausforderungen im geförderten Wohnungsbau diskutiert und beispielhafte Projekte vorgestellt.
„Qualität im geförderten Wohnungsbau zahlt sich aus“, mit diesem Statement eröffnete der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, die Fachtagung. „Vielfältige, zeitgemäße familienfreundliche und barrierefreie Wohnungen bilden die Basis für Wettbewerbsfähigkeit am Wohnungsmarkt. Das Angebot von morgen wird von den heutigen Projekten bestimmt. Deshalb müssen zukünftige Anforderungen erkannt und bereits heute berücksichtigt werden.“
Seien es derzeit 47 000 neugebaute Wohnungen im Jahr, so sollten alsbald 70 000 Wohnungen angestrebt, und zudem Wohnraumförderung sowohl in den Ballungsräumen als auch in den ländlichen Gebieten durchgeführt werden. Was die Qualität betrifft, so müssten die Wohnungen energieeffizient, barrierefrei und zudem gut gestaltet sein, forderte Hillenbrand. Karin Sandeck von der Obersten Baubehörde, nannte hierfür einige Beispiele, um mithilfe einer neuen Architektur dem demografischen Wandel gerecht zu werden. „Denn ein Haus ist mehr als nur vier Wände“, so Sandeck. „Voraussetzung hierfür ist eine bestimmte Wohnstruktur. Lebendiges Wohnen für Jung und Alt ist möglich, wenn verschiedene Generationen privat und gemeinschaftlich in gemischten Quartieren wohnten“, so die Referentin.
Neben der Barrierefreiheit, sollten Stolperfallen und dunkle Ecken eliminiert werden, ein umlaufender Laubengang mit Aufzug eingebaut und Sicherheitsgeländer angebracht werden. Für alle überalterten Wohnprogramme müsste ein so genanntes Fitnessprogramm erstellt werden, das ermöglicht, dass die Bewohner bis ins hohe Alter in ihren eigenen vier Wänden leben könnten. Hierfür müssen auch die Versorgungseinrichtungen erreichbar sein und Betreuungsdienste durch integrierte Sozialisationen angeboten werden.
Auch Roman Dienersberger, zuständig für die Wohnraumförderung bei der Regierung von Oberbayern, sieht den demografischen Wandel und die Energiewende als grundlegende Herausforderungen. Im Rahmen der einkommensorientierten Förderung im Bayerischen Wohnungsbauprogramm sollen Mietwohnungen und Mehrfamilienhäuser unterstützt werden. Das objektabhängige Darlehen werde in Form eines Festbetrags je Quadratmeter Wohnfläche in Höhe von aktuell 900 Euro vergeben. Die Laufzeit entspreche der Bindungszeit der Wohnungen von 25 Jahren. „Außerdem werden Wohnungsanpassungen wie Badumbau oder Rampen bis zu 10 000 Euro erlassen, je nach der Nutzung“, so Dienersberger zu den Finanzierungsinstrumenten der Bayerischen Wohnungsbauförderung (bei www.wohnen.bayern.de gibt es weitere Infos zur Förderung).

„Wohnen in der Gemeinde“

Ein gelungenes Beispiel für „Wohnen in der Gemeinde“ und Wohnungsbauförderung des Landkreises Dachau präsentierte Peter Felbermeier, Erster Bürgermeister von Haimhausen. „Wir sind zwar nur 5000 Einwohner, aber unser Projekt – ’Amperresidenz’ – ’Betreutes Wohnen’ ist uns gelungen.“ Im Zentrum, neben dem Rathaus, dem Schlosspark, einer Bushaltestelle, Bäcker und Arztzentrum entstanden 29 bedarfsgerechte Wohnungen für ältere und alte Bürger. Selbstversorger und Bewohner mit einem Notrufknopf fühlen sich bestens aufgehoben im Herzen von Haimhausen. Eine lange Warteliste für die „Amperresidenz“ zeige, „dass die Einrichtung gut angenommen wird“, sagte Felbermeier.
Mit etwas schwierigeren Bedingungen muss sich die Stadtbaumeisterin Barbara Schelle in Freising befassen. „In Freising sind viele Rahmenbedingungen zu beachten. Da ist zum einen der Domberg als Kernraum, der Trend der Freisinger zum Einfamilienhaus, die dritte Startbahn behindert die Stadtentwicklung und die Gestaltung im Nutzungsmix der frei gewordenen Kasernenflächen. Hier muss zuerst eine Baulandstrategie entwickelt werden, um die entsprechenden Instrumente in der Hand zu haben und richtig zu handeln“, so Schelle. Qualität, bezahlbarer Wohnraum und Bewahrung der Identität seien dafür unverzichtbar.
Auch im Landkreis Ebersberg sieht sich der Landrat Robert Niedergesäß vor einer großen Aufgabe. Bis 2032 rechnet er mit 14,9 Prozent Bevölkerungszuwachs (150 000). „Derzeit fehlen rund 500 Sozialwohnungen. Bis Ende des Jahres sollen die Asylbewerberzahlen von 270 auf 400 ansteigen.“
Mithilfe der Wohnraumförderung unterstützt der Freistaat den Bau und die Modernisierung von Wohnungen. 2014 stehen dafür zusätzliche Haushaltsmittel in Höhe von 50 Millionen Euro zur Verfügung, sodass sich bayernweit die Mittel auf 260 Millionen Euro summieren.
Der durch Angebotsengpässe in eine schwierige Lage geratene Wohnungsmarkt verlangt vom Wohnungsbau in erster Linie Kreativität und Qualität, damit vielfältige, zeitgemäße und bezahlbare Wohnungen entstehen. „Die Regierung von Oberbayern betreut die Förderverfahren in den jeweiligen Programmen und ist Ansprechpartner bei Fragen zu Finanzierung, Planung und Bauausführung“, so Regierungspräsident Hillenbrand. (Eva-Maria Mayring)

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