Bauen

Attraktive Lage: Das Haus in der Liebigstraße 43, mitten im Stadtteil Lehel. (Foto: Heigermoser)

25.03.2011

Bezahlbarer Wohnraum im teuren München

Der Beamtenwohnungsverein München feiert sein 90-jähriges Bestehen

Im Schnitt  5,35 Euro pro Quadratmeter Miete bezahlen – und das mitten in der Landeshauptstadt: Der Beamten- wohnungsverein München e.G. leistet seit seiner Gründung im Jahre 1921 einen bedeutenden Beitrag zu einer sozialgerechten Wohnungsversorgung auch in Zeiten höchster Mieten.
In den zurzeit rund 1660 Wohnungen des Beamtenwohnungsvereins München, kurz BWV, fühlen sich alle wohl: egal ob man eine junge fünfköpfige Familie, ein Ehepaar oder alleinstehender Rentner ist. Und das schon seit 90 Jahren.
Für die Bewohner zählen vor allem die erschwingliche Miete, die in München normalerweise rund doppelt so hoch wäre, das lebenslange Wohnrecht und das intakte Umfeld. Einige Mitglieder der Genossenschaft sind sogar schon seit mehreren Generationen eng mit dem BWV verbunden und leben entweder immer noch im Haus ihrer Kindheit oder sind innerhalb der Genossenschaft umgezogen.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs herrschte in München große Wohnungsnot. In Anlehnung an andere Genossenschaften hatten im Frühjahr 1921 auch Beamtenorganisationen die Idee, ihre Tätigkeiten auf die Errichtung, Erhaltung und Vermietung von günstigen Wohnungen für ihre Mitglieder auszuweiten.
Bereits 1922 konnten die ersten 81 Wohnungen fertiggestellt werden. In den darauffolgenden Jahren baute die Genossenschaft ihren Bestand kontinuierlich aus, nur unterbrochen vom Zweiten Weltkrieg, dessen Bombenangriffe an vielen Häusern nicht spurlos vorübergingen.
Um in die Genossenschaft aufgenommen werden zu können, muss man die Anforderungen für eine Mitgliedschaft erfüllen und entweder selbst Beamter – noch im Berufsleben oder schon im Ruhestand –, Witwe/r eines Beamten oder einer Beamtin beziehungsweise Kind eines Mitglieds sein. Im Jubiläumsjahr 2011 zählt die Genossenschaft nicht ganz 2000 Mitglieder, fast alle davon verteilt auf die 184 Liegenschaften. Außerdem besitzt der BWV 24 gewerblich genutzte Räumlichkeiten sowie 606 Garagen und Autostellplätze.
Die Anwesen verteilen sich über ganz München, sind in Schwabing ebenso zu finden wie in Haidhausen, Sendling, Pasing oder Nymphenburg. Wer es lieber etwas beschaulicher mag und trotzdem Großstadtnähe zu schätzen weiß, kann sich in Haar niederlassen.
Der Schwerpunkt der Tätigkeiten des BWV liegt im Erhalt des Wohnungsangebots. Pro Jahr investiert der Münchener Beamtenwohnungsverein mehrere Millionen Euro und hat dadurch die Dimension eines mittelständischen Unternehmens erreicht.

Anpassung an den technischen Fortschritt


Neben altersgerechten Umbauten stehen dabei auch die energetische Sanierung, beispielsweise Fassadendämmung und Erneuerung von Heizungsanlagen, der Brandschutz sowie die Schaffung von Parkplätzen im Vordergrund. Im Jahr 2010 wurden rund 100 Wohnungen neu vermietet, die Hälfte davon musste vorher saniert werden.
Im Rahmen dieser Renovierungen werden sie auch an den technischen Fortschritt angepasst und beispielsweise mit Internetanschlüssen versehen. Dass eine zeitgemäße Ausstattung vor ein paar Jahrzehnten noch nicht selbstverständlich war, berichtet Armin Tille, mittlerweile ebenfalls 90 Jahre alt und schon seit über 70 Jahren mit dem Beamtenwohnungsverein verbunden: auf der einen Seite als Mitglied der Genossenschaft und Mieter, auf der anderen Seite als Architekt.
Tille baute einige Wohnhäuser für den BWV, über die Baudirektor und Vorstand Max Saxinger sagt: „Verglichen mit so einigen später entstandenen Wohnblöcken im BWV sind die Tille-Häuser gerade, ehrliche Bauten, die auch energetisch gesehen noch gut 30 Jahre standhalten.“
Für ihn galt – von den Behörden vorgegeben – die Devise „sparsam bauen“. Was nicht absolut nötig war, wurde auch nicht gebaut. In den 1950er und 1960er Jahren führte dieses Motto sogar dazu, dass nicht einmal Klodeckel als notwendig eingestuft wurden. „Einmal hab ich ohne vorherige Genehmigung eine Leerrohrleitung für späteres Fernsehen eingebaut, die musste ich dann aus eigener Tasche bezahlen“, erzählt Tille.
Im Jubiläumsjahr nimmt der Beamtenwohnungsverein ein besonderes Projekt in Angriff: In Haar wird ein Wohnblock aus der Nachkriegszeit abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Erhebliche Mängel am alten Gebäude würden eine Sanierung zu kostspielig machen. An seiner Stelle entstehen nun 24 neue Wohnungen, die in Ausstattung, Grundriss und Technik modernsten Standards entsprechen werden.
Obwohl von Zeit zu Zeit die Mieten angepasst werden müssen, um die teuren, aber nötigen Investitionen decken zu können, sind sie immer noch weit unterhalb des Marktpreises angesiedelt. Interessenten für Wohnungen des Beamtenvereins gibt es infolgedessen genug: 2007 wurde ein genereller Aufnahmestopp für neue Bewerber erlassen, weil es zu viele Vormerkungen für neue Wohnungen gibt. (Judith Heigermoser)

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