Bauen

Die Südfassade von Gebäude A. (Foto: Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg)

03.08.2012

Bis auf den Rohbau erneuert

Sanierung von Gebäude A der Ohm-Hochschule Nürnberg fast abgeschlossen

Die terminliche Steuerung der Generalsanierung des Gebäudes A der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg ermöglichte rechtzeitig zum Doppeljahrgang im Wintersemenster 2011/12 den Betrieb. Die nachlaufenden Restarbeiten stehen kurz vor der Fertigstellung. Mit 10 136 Qudratmetern Hauptnutzfläche handelt es sich um eines der größten Gebäude auf dem Campus. Das Raumprogramm umfasst insbesondere Seminarräume, Labore, Büros sowie einzelne größere Hörsäle für die Fakultäten Maschinenbau und Versorgungstechnik sowie Elektro-, Feinwerk-, und Informationstechnik.
Der ursprüngliche Bau stammt von 1890. Er wurde in den Kriegsjahren stark beschädigt und in den 1960er Jahren auf seine jetzige Form erweitert. Unter der Regie des Staatlichen Bauamts Erlangen-Nürnberg wurde die in die Jahre gekommene, verbrauchte und nicht mehr dem aktuellen Standard entsprechende Bausubstanz – teilweise bei laufendem Betrieb – abschnittsweise modernisiert.
Die durchgeführten Modernisierungsmaßnahmen beinhalteten insbesondere die Erneuerung der Fassaden inklusive zeitgemäßem Wärme- und Sonnenschutz, die komplette Erneuerung der Elektro-, Förder- und Versorgungs- und Regeltechnik inklusive Einbau einer raumlufttechnischen Anlage, die Erneuerung des Innenausbaus mit neuen Bodenbelägen, Türen, abgehängten Decken und Wandbekleidungen. Zusätzlich erfolgten einige bauliche Verbesserungen und eine neue, übersichtliche Gestaltung der Nutzungsaufteilung.
Im Rahmen der Sanierung wurden auch umfangreiche Brandschutzmaßnahmen durchgeführt. Entgegen dem ersten Anschein, den das einheitliche äußere Erscheinungsbild vermittelt, ergaben die Bestandsuntersuchungen eine sehr heterogene Bausubstanz. So sind in dem Gebäude über zehn verschiedenartige Konstruktionssysteme der Geschossdecken (zum Beispiel Steineisendecken, Gewölbedecken, Rippendecken; Kassettendecken) in kurzmaschigem Wechsel vorhanden, mit unterschiedlicher Tragfähigkeit und Feuerwiderstandsdauer.
Insbesondere für die im Zuge des Wiederaufbaus und in den 1960er Jahren entstandenen Geschossdecken konnte die erforderliche Feuerwiderstandsdauer nicht nachgewiesen werden. Deshalb ist im ganzen Gebäude zur Kompensation unter anderem eine Sprinkleranlage eingebaut. Zusammenfassend gesagt ist das Gebäude nun bis auf den Rohbau erneuert.
Von Anfang an stand diese Maßnahme unter einem sehr hohen Kosten- und Termindruck. Trotz umfangreicher Voruntersuchungen traten noch während der Bauzeit immer wieder neue Gegebenheiten zu Tage, die vorab nicht erkannt werden konnten. So wurde beispielsweise erst nach vollständiger Demontage der abgehängten Decken ersichtlich, dass weit mehr Deckenfelder ausgetauscht werden mussten, als geplant. Die Mauerwerkswände mussten großflächig neu verputzt, der Estrich in größerem Umfang saniert werden, als zunächst angenommen.

Preiswerte Materialien – hochwertige Gestaltung


Um die dadurch entstehenden Mehrkosten in einem überschaubaren Rahmen zu halten, musste umso mehr auf eine sehr wirtschaftliche Ausführung geachtet werden. So kam beispielsweise auf der kompletten Südfassade ein Wärmedämmverbundsystem zum Einsatz. Auf abgehängte Decken wurde nicht nur in den Laboren verzichtet, sondern auch in Fluren, Seminarräumen und Hörsälen. Die unansehnlichen Deckenuntersichten wurden teilweise schwarz „weggestrichen“ oder es erfolgte eine partielle Abhängung von sehr einfach konstruierten und daher kostengünstigen abgehängten „Streckmetallsegeln“. Diese nachhaltige Modernisierung ist ein gelungenes Beispiel, wie mit preiswerten Materialien eine hochwertige Gestaltung erreicht werden kann.
Die Gesamtbaukosten betragen (ohne Großgeräte und Bereitstellung von Ausweichflächen) 27,1 Millionen Euro, das entspricht 2673 Euro/m² Hauptnutzfläche. Dazu kommen 500 000 Euro für die bauliche Ertüchtigung eines Ausweichquartiers auf dem Campus. Der geplante Abbruch eines Gebäudes wurde um die entsprechende Zeitspanne verschoben. So konnte auch zu den zunächst geplanten externen Anmietungen eine wirtschaftlichere Alternative realisiert werden. Die Modernisierungskosten betragen lediglich rund 55 Prozent der fiktiven Neubaukosten.
Modernisierungen werden allgemein bis zu etwa 70 bis 80 Prozent der fiktiven Neubaukosten als wirtschaftlich angesehen. Auch dieser Indikator verdeutlicht die Wirtschaftlichkeit der Gesamtmaßnahme.
Nur mit hohem Projektsteuerungsaufwand und mit Entgegenkommen der Nutzer ließ sich der Zeitplan einhalten. Die letzte Teilmaßnahme mit einem „Löwenanteil“ der Kosten von rund 21 Millionen Euro wurde in zwei Bauabschnitten in je 17 Monaten Bauzeit soweit fertiggestellt, dass der Betrieb planmäßig zum Wintersemester 2011/12 erfolgen konnte.
Der Termin musste aufgrund der erhöhten Studierendenzahl durch den doppelten Abiturjahrgang unbedingt eingehalten werden. Erschwerend kam hinzu, dass umfangreiche Änderungen und zusätzliche Nutzermaßnahmen, die erst während der Bauzeit bekannt wurden, ohne Bauzeitverlängerung umgesetzt werden mussten. Hier war am Ende der Ausführungsphase eine detaillierte Feinsteuerung notwendig.
Der rechtzeitige Bezug konnte nur mit großem Engagement und gemeinsam mit der Hochschule, mit den beteiligten Planungsbüros und auch den Firmen gelingen. So wurden während der Endphase Innenausbau, Einzug und die Inbetriebnahme parallelisiert mit etlichen sich daraus ergebenden Schwierigkeiten. Nicht für die Nutzungsaufnahme relevante Arbeiten, wie zum Beispiel ein spezielles Maschinenlabor, wurden zurückgestellt und bei laufendem Berieb nachgezogen. In den Sommersemesterferien soll das Projekt nun endgültig abgeschlossen werden. (Jan Knippel)

(Abgehängte Steckmetallsegel - Foto: Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg)

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