Bauen

Das Floß im Marktbach. (Foto: Schwenger)

13.07.2012

Das Floß als i-Tüpfelchen

Ortskernsanierung in Mittenwald abgeschlossen

Mitte Juni wurde im historischen Ortskern von Mittenwald mit der Einweihung „Ortsteilgestaltung Bahnhofstraße/Fritz Prölß-Platz“ ein weiteres Projekt der Ortskernsanierung seiner Bestimmung übergeben. Das Ensemble ist mit viel Grün und Liebe zum Detail umgestaltet worden. Es verbindet die in früheren Bauabschnitten bereits umgestalteten Bereiche Obermarkt, Kirchenplatz, Ortsteil Gries und Hochstraße sowie das Bahnhofsumfeld mit Bahnhofsstraße miteinander und führt sie zu einem homogenen Ganzen zusammen.
Der Markt hatte bereits 1992 einen Verkehrlichen Rahmenplan durch das Büro Lang+Burkhardt erstellen lassen. Planung und Gesamtleitung lag in den Händen von Bäumler und Zagar Architekten und Stadtplaner im Büro Plankreis zusammen mit dem Olchinger Landschaftsarchitekten Michael Heintz. Im gesamten Ort wurden viele Stellen geschaffen, an denen Fußgänger flanieren und verweilen können.
Wieder an die Oberfläche geholt wurde der Marktbach. Dies war ein wesentliches Gestaltungsmerkmal der Ortskernsanierung und trägt erheblich zur Lebendigkeit des Ortsbilds bei. Der Marktbach war bis in die 1930er Jahre ein prägendes Merkmal des Mittenwalder Ortskerns. Er wurde dann jedoch vor allem deshalb verrohrt, weil die in den Bach fließenden Abwässer bei den Anwohnern für ein Naserümpfen sorgten.
Im Bereich Bahnhofstraße/Fritz-Prölß-Platz waren städtebauliche Mängel festgestellt worden, die es zu beseitigen galt. Der Ortsteil war mit parkendem und parkplatzsuchendem Verkehr völlig überlastet und es gab keine erlebbaren Platzräume. Die Oberflächengestaltung war nur den verkehrlichen Anforderungen angepasst. Die ehemals dörfliche Struktur und die typischen ländlichen Elemente wie Spalierbäume, Hausbänke, Vorgärten, Obstwiesen drohten immer mehr zu verschwinden. Die Fortschreibung des Verkehrlichen Rahmenplans führte 2010 auch Lang+Burkhardt durch.

Der Bachlauf sorgt
für eine hohe Identifikation


Zwischen Mai und November 2011 wurden die Ver- und Entsorgungsleitungen gelegt und die Erd- und Belagsarbeiten durchgeführt. Es wurden Bodenbeläge mit guter Begehbarkeit und hoher gestalterischer Qualität gewählt – für die Gehwege gebrauchtes Kleinsteinpflaster, gemischt mit halbiertem Großstein in „wildem Verband“, für die Gehbahn gesägtes und sandgestrahltes Kleinsteinpflaster, gemischt mit halbiertem Großstein in „wildem Verband“ mit glatter Oberfläche, für die Hauseingänge großformatige Natursteinplatten, für die Fahrbahnen Splittmastix-Asphalt, für die Einmündungen und Mehrzweckstreifen gesägter und sandgestrahlter Großstein (gebundene Bauweise) sowie für die Stellplätze Granitpflaster mit Rasenfuge.
Im Frühjahr 2012 erfolgten die Pflanzungen und Arbeiten im Umfeld des Bachlaufs am Fritz-Prölß-Platz, eine mögliche Fortführung durch den Untermarkt nach historischem Vorbild wurde vorgerüstet. „Wir haben der Fortsetzung des Bachlaufs am Fritz-Prölß-Platz eine natürlichere, eher ländlich wirkende Ausformung gegeben“, so Landschaftsarchitekt Michael Heintz, „denn diese Stelle im Ort wirkt noch ursprünglicher, da die Gebäude am Fritz-Prölß-Platz und dem Anschluss in den Untermarkt deutlich niedriger sind, als in Obermarkt und Hochstraße.“
Gerade der Bachlauf sorgt für eine hohe Identifikation bei den Mittenwalder Bürgern. Das zeigt, dass sich Anlieger zu einem gemeinsamen Projekt „Floß“ zusammenfanden. Nach dem Vorbild der traditionellen Isarflöße haben Carolin Gallmetzer, Peter Angele und Christl Veit in Eigenleistung ein verkleinertes Floß fertigen lassen, das symbolisch am Ufer des neuen Marktbachs anlegt. „Es ist das i-Tüpfelchen“, meinte Bürgermeister Adolf Hornsteiner bei der Einweihung der rund 2,2 Millionen Euro teuren Teilbaumaßnahme.
Dank der Umwandlung des Quartiers in einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich kann der Fußgänger nun an jeder Stelle die Straßenseiten wechseln. Der vorher unübersichtliche Kreuzungsbereich Bahnhofstraße/Karwendelstraße wurde entflochten, indem die 5-strahlige Kreuzung in eine 4-strahlige rückgebaut wurde. Die lineare Gestaltung der Pflanzflächen mit ihren monochromen Staudenflächen soll an die historischen Flurgrenzen erinnern. Und weil der dörfliche Charakter des Ortsteils mit unterschiedlichen Platzräumen wieder erlebbar gemacht wurde, konnte auch die Wohnqualität der rund 100 Haushalte gesteigert werden. „Die Verschönerungsideen stehen nicht immer in einem Lehrbuch“, so Heintz, „daher ist es umso wichtiger, dass die Bauherren die Visionen mittragen.“ Was der Markt Mittenwald in vorbildlicher Weise auch tat. (Sabrina Schwenger)

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