Bauen

Werner Weigl, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. (Foto: Birgit Gleixner)

20.04.2012

"Der Ingenieur, das unbekannte Wesen"

Kolumne der Ingenieurekammer-Bau: Vorstandsmitglied Werner Weigl über die Bedeutung des Bauingenieurs für das öffentliche Leben

Was machen Ingenieure eigentlich? Während meine Berufskollegen und ich keine Sekunde überlegen müssten, um zahlreiche Tätigkeiten von Ingenieuren aufzuzählen, scheint die Mehrzahl der Bevölkerung nicht wirklich zu wissen, was konkret die Arbeit von Ingenieuren ist, wo sie uns überall begegnet und wie wichtig sie für unser Leben ist. Frei nach dem Motto: Der Ingenieur – das unbekannte Wesen.
Vielleicht liegt es daran, dass es so viele verschiedene Ingenieure gibt. Elektroingenieure und Maschinenbauer beispielsweise oder die am Bau tätigen Ingenieure, deren Interessen die Bayerische Ingenieurekammer-Bau vertritt. Vielleicht hat die üblicherweise eher geringe Wahrnehmung von Ingenieurleistungen aber auch einen anderen Grund. Sie sind immer da. Und im Regelfall funktioniert alles wie vorgesehen.
Wer sich schon mal das Bein gebrochen hat, dem wird damals vermutlich bewusst geworden sein, wie wichtig dieses Bein ist und wie schwierig der Alltag ist, wenn es nicht mehr richtig funktionstüchtig ist. Ähnlich mag es mit der Infrastruktur sein. Solange alles funktioniert, bemerken wir sie nicht weiter. Erst wenn es Probleme gibt, wird ihre Bedeutung unübersehbar. Wenn man es so sehen will, könnte man das als indirektes Kompliment an die Ingenieure verstehen.
Doch dieser Ansatz greift ein wenig zu kurz, finden wir. Uns ist es wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wo Ingenieure überall agieren. Am Bau tätige Ingenieure leisten einen wichtigen Beitrag für eine funktionierende Gesellschaft. Sie tragen Verantwortung für das Allgemeinwohl in einem Maße wie es nicht viele andere Berufsgruppen tun. Unsere Mitglieder sorgen dafür, dass wir die Infrastruktur haben, die wir für ein modernes Leben brauchen. Sie bauen Straßen und Brücken, Schulen und Wohnhäuser aber auch Kläranlagen und Abwasserkanäle. Und sie stellen deren Instandhaltung sicher.

Fehlende Wertschätzung


Ingenieurleistungen umgeben jeden von uns jeden Tag quasi überall: Beim Aufstehen morgens tritt man auf eine Stahlbetondecke, die meist ein Bauingenieur berechnet hat. Man geht ins Badezimmer, benutzt die Toilette: Die dabei entstehenden Abwässer werden mit von Ingenieuren geplanten Kanälen gesammelt und in von Ingenieuren geplanten Kläranlagen gereinigt. Beim Händewaschen und Zähneputzen erwarten wir sauberes Trinkwasser aus dem Wasserhahn. Gewinnung, Aufbereitung und Netze planen am Bau tätige Ingenieure.
Auf dem Weg zur Arbeit benutzen wir von Bauingenieuren geplante Straßen und Schienen. Die Standsicherheit der Gebäude für unsere Arbeitsplätze und die Schulen unserer Kinder haben Bauingenieure als Tragwerksplaner berechnet. Ingenieure, die als Prüfsachverständige für den Brandschutz tätig sind, haben bei deren Bau sichergestellt, dass das Risiko eines Brandes auf ein Minimum reduziert wurde.
Wenn man diesem Beispiel durch den Tag folgt, ist es jetzt etwa neun Uhr morgens und man ist mindestens schon sieben verschiedenen Arbeitsbereichen von am Bau tätigen Ingenieuren begegnet. Wenn man den Tag im Kopf bis zum Ende durchgeht, wie viele Ingenieure haben wohl indirekt unseren Weg gekreuzt, bevor man abends ins Bett geht?
Dieses Beispiel macht deutlich, dass die Verantwortung der am Bau tätigen Ingenieure allgegenwärtig ist. Doch warum genießen diese Ingenieure nicht die entsprechende Wertschätzung in unserer Gesellschaft? Vergleicht man nur die Stundensätze: Anwälte beispielsweise bekommen meist mehr als 200 Euro je Stunde für ihre Dienste, nach obenhin ist die Grenze offen. Ingenieure hingegen erhalten im Schnitt zwischen 55 und 75 Euro, nur gut ein Viertel davon. Ich möchte die Leistungen und die Verantwortung von Anwälten nicht in Abrede stellen. Doch die Frage muss erlaubt sein, warum die Leistungen derer, die die gesamte Infrastruktur unseres Landes aufbauen und intakt halten, nicht auch entsprechend wertgeschätzt wird. Ideell wie finanziell.

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