Bauen

Auf den Dächern der Neuen Messe sind Photovoltaikmodule in Reih und Glied montiert. (Foto: Neue Messe München)

09.07.2010

Der Messe aufs Dach gestiegen

Architekturfahrt: Münchner Vorzeigeprojekte haben die Zukunft im Visier

Ökologisches und energieeffizientes Bauen waren die Hauptthemen der diesjährigen Architekturfahrt, zu der Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) einlud. In der Messestadt Riem, wo die ehemaligen Start- und Landepisten einem neuen Stadtteil wichen, steht heute die Nullenergie-Wohnanlage „NEST SolaR2“. Alle 34 Wohneinheiten verfügen über ein Nullenergiekonzept und können ihren Primärenergiebedarf so weit reduzieren, dass der Verbrauch mit eigenen Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien gedeckt werden kann. Gleich gegenüber reihen sich eigenwillige, kubische Flachdachhäuser anein-ander. Viel Glas und eine graue Natursteinfassade lassen Kontraste entstehen und vereinen ebenfalls modernes Wohnen mit energetischer Effizienz.
Neben den klimabewussten thermischen Solarkollektoren, Wärmepumpen und der Brauchwassererwärmung bringt die Messestadt-Wohnanlage wagnis3 noch eine ganz spezielle soziale Komponente mit. „Unser zentrales Konzept ist die Förderung von Begegnung und generationenübergreifendem Wohnen“, erklärt Geschäftsführerin Elisabeth Hollerbach engagiert das genossenschaftliche Konzept. Die sonnengelben Farbakzente an Fassade, Türen und Geländer vermitteln zudem einen fröhlichen, leichten Eindruck.
Was Solarenergie im großen Stil betrifft, ist wohl derzeit Photovoltaik das Zauberwort schlechthin. Um darüber mehr zu erfahren, muss man der Neuen Messe schon aufs Dach steigen. Denn oben auf den weitflächigen Hallendächern sind die Module in Reih und Glied montiert. Bruno Schiebelsberger (Solarenergieverein SEV-Bayern) präsentierte dort die zwei Dachflächen, die derzeit über die weltgrößte Solaranlage verfügen.
„Die 7812 rahmenlosen Solarmodule mit je 130 Watt Leistung bringen eine Nennleistung von 1016 Kilowatt.“ Die rechteckigen Module, auf 38 100 Quadratmeter verteilt, liefern bei einer mittleren Sonnenscheindauer von 1650 Stunden im Jahr bis zur Hälfte des Messe-Strombedarfs in messefreien Zeiten.
Ebenfalls für ökologische Energieversorgung steht die Geothermie. Hier kommt die Wärme nicht von oben, sondern tief aus dem Erdinneren. In der Messestadt befindet sich neben Sauerlach eine solche Anlage, die bis auf 3020 Meter nach unten bohrt, wo die Temperatur des Thermalwassers 93 Grad Celsius beträgt. „Obwohl die Investitionen zu Beginn hoch waren, können dann die Betriebskosten relativ gering gehalten werden. Und sie sind nicht abhängig von den schwankenden Preisen fossiler Brennstoffe“, beschreibt Stefan Schwarz (Geschäftsführer SWM Versorgung und Technik) das optimierte Wärmeversorgungssystem.
Hochenergetische Bauweise
In Trudering stellte Gordona Sommer (Geschäftsführerin der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG) in der Felicitas-Füss-Straße fünf Wohnhäuser in Niedrigenergiebauweise vor. Die Gebäude wurden im Rahmen des experimentellen Wohnungsbaus errichtet. Sinn und Zweck sollte sein, kostengünstig den Niedrigenergiestandard zu verwirklichen. „Dabei stellte sich heraus, dass es nicht die technischen Anlagen sind, die die ökologischen Effekte erbringen, sondern die Baukonstruktion und konventionelle Baustoffe“, erklärte Sommer das Ergebnis. Hierbei spielen besonders hochwertige Außenkonstruktionen und die Größe sowie Anordnung der Fenster eine Rolle.
Wie sinnvoll man mit Sonnenenergie umgehen und Kindern zugleich ein freiheitliches Raumgefühl vermitteln kann, beweist die Grundschule an der Truderinger Markgrafenstraße. Das so genannte Himmelsauge, konstruiert als übergroßes, zentrales Oberlicht mit Photovoltaikanlage, sorgt für Helligkeit im zweigeschossigen, nach oben offenen Foyer. Rundherum schließen sich die Klassenzimmer an. Glasbänder lassen zusätzliches Licht vom hellen Gebäudeinneren in die Räume.
In einem der Schulzimmer kann man auch einen Blick auf die Pläne des Superprojekts Truderinger Gymnasium werfen. Im September 2010 rechnet man mit der Baugenehmigung und ein Jahr später mit Baubeginn. Aber schon heute heißt es, werde das Schulgebäude bundesweit zu den größten Passivhausprojekten zählen. Hier ist hochenergetische Bauweise angesagt. Unter anderem werden eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung bei der Lüftungsanlage, Photovoltaikanlage auf der gesamten Dachfläche und Heizenergieversorgung mit erneuerbaren Energien zum Einsatz kommen.
„Im Bereich Gebäude steckt ein großes Potenzial, Energie einzusparen“, so Elisabeth Merk, Stadtbaurätin. „Die einzelnen Beispiele zeigen, dass München mit gutem Beispiel vorangeht.“
> Eva-Maria Mayring

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