Bauen

Westansicht von Haus Untersberg bei Nacht. (Foto: DJH Landesverband Bayern/Robert Pupeter)

09.12.2011

Design trifft Abenteuer

Modernisierung der Jugendherberge Berchtesgaden

Am 8. Oktober 2011 wurde nach einer umfassenden Modernisierung das „Haus Untersberg“ auf dem Areal der Jugendherberge Berchtesgaden fertiggestellt. Nach einem Entwurf des Architekturbüros LAVA – Laboratory for Visionary Architecture realisiert der Landesverband Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) eine Jugendherberge in einem völlig neuen Design. Im August 2010 war mit den Baumaßnahmen für „Haus Untersberg“ begonnen worden, während der Gastbetrieb der Jugendherberge weiterlief.
Das Konzept von LAVA berücksichtigt in einem hohen Maße sowohl die geänderten Nutzungsbedürfnisse der jungen Gäste und Familien als auch die Möglichkeiten, die in der vorhandenen Bausubstanz liegen. In den kommenden Jahren sollen weitere Baumaßnahmen das gesamte Ensemble der Jugendherberge Berchtesgaden neu gestalten.
 Der Landesverband Bayern des Deutschen Jugendherbergswerks hat erkannt, welche Anforderungen seine Gäste in Zukunft an seine Häuser – die Jugendherbergen - stellen werden. Dabei entschied sich das DJH am Standort der Jugendherberge Berchtesgaden für eine Neuinterpretation des bestehenden Areals und eine grundlegende Ausarbeitung neuer Gestaltungslinien. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit des Ensembles, insbesondere energetischer Einsparpotenziale, war dies ein Anlass, um der Jugendherberge Berchtesgaden ein neues Erscheinungsbild zu geben und mit Investitionen die Attraktivität der Jugendherberge zu steigern.
Im Oktober 2009 lud der Landesverband Bayern drei renommierte Architekturbüros zu einem Wettbewerb ein, aus dem LAVA mit Sitz in Stuttgart und Sydney als Gewinner hervorgegangen ist.
Das Team um Professor Tobias Wallisser, Alexander Rieck und Chris Bosse ordnet den einzelnen bestehenden Gebäuden und Flächen bestimmte Aktivitätsfelder zu, beispielsweise die Nutzung speziell für/durch Familien oder Gruppen. Aus einer systematischen Bestandsanalyse der Gebäudestruktur erarbeiteten die Architekten unter den Nutzungsvorgaben des Bauherren und der Berücksichtigung zukunftsrelevanter Faktoren ein überzeugendes Konzept. Dabei steht die Erfahrung von Authentizität in Einfachheit und Umgebung sowie der damit verbundenen Erlebnisse, im Mittelpunkt.
Die augenscheinlichen Qualitäten der Jugendherberge in Berchtesgaden sind die in eine traumhafte Landschaft eingebetteten Häuser mit Bergsicht, die naturnahe Parklandschaft des Grundstücks und die gewachsene Struktur unterschiedlicher Gebäude.
Vier Gebäude errichtet in großen zeitlichen Abständen mit unterschiedlicher Gestaltung bilden ein gewachsenes Ensemble. Jedes Gebäude für sich weist eine Qualität auf. Einzig der Park kann als verbindendes Element gesehen werden. Dieser erlaubt vielfältige Nutzungsmöglichkeiten als attraktiver Erlebnisbereich.
Überalterte Nutzungseinheiten wurden aufgebrochen, damit sie zukünftigen Ansprüchen gerecht werden können. So fügen sich vorhandene Strukturen, flexible Raumeinheiten und Lounge-Bereiche zu einem völlig neuen, offenen Erscheinungsbild. Das Haus für Familien – „Haus Untersberg“ – ist das erste Gebäude auf dem Areal der Jugendherberge, das während des laufenden Herbergsbetriebs in den anderen Gebäuden zukunftsweisend umgebaut wurde.

Bedeutung durch Kontraste

Dem Gesamtkonzept entsprechend weist LAVA unterschiedlichen Flächen einzelne Funktionen zu, die sich in den Bauteilen und Einbaumöbeln widerspiegeln. Das Zimmer als Hauptprodukt eines Beherbergungsbetriebs ist Ausgangspunkt der zeitgemäßen architektonischen Gestaltung. Die Idee der Schichtung und Durchdringung von Nutzungsbereichen wurde im „Haus Untersberg“ aufgenommen und im Rahmen einer Revitalisierung in die vorhandene Bausubstanz adaptiert. Altes und Neues ergänzen sich und verleihen einander durch Kontraste Bedeutung.
Das Raumangebot erhält bestimmte Funktionen, gleichzeitig entsteht durch die Kontinuität der Elemente eine gestalterische Großzügigkeit. Eine zeitgemäße Interpretation der Stockwerksbetten als Stapelbetten oder Schlaf-Cocoons, natürliche Materialien sowie die raffinierte Kombination einfacher Elemente, erzeugen mit wenigen Eingriffen eine neue Atmosphäre. Jedes Zimmer verfügt über Dusche und WC, deren Anordnung je nach Zimmertyp variiert. So ist die Nutzung als Einzelzimmer, Doppelzimmer, Mehrbettzimmer bis zur Suite möglich. Die Waschtische sind in den größeren Zimmern innerhalb der Möbelzone offen positioniert.
Das Gefühl von kasernenartigen Matratzenlagern wird durch die klare Gestaltung von Schrankeinbauten in Kombination mit anderen Möbeln vermieden. Auch hebt sich die Interpretation der Einbaumöbel in der Fassade, in Form von auskragenden Kuben als „Think and Relax Box“, deutlich von der bewahrten Holzverschalung ab. Dieses Aufbrechen der alten Struktur, ebenso wie die großflächigen Öffnungen im neuen Fluchttreppenhaus lassen schon von außen die Veränderungen im Innern des Gebäudes erahnen – eine Metapher für den Wandel der Jugendherbergen in Bayern zu einem neuen Image.
Die Verwendung von natürlichen und regionalen Materialien und die raffinierte Kombination einfacher Elemente erzeugt eine Atmosphäre, deren Wertigkeit in der Auswahl und Verarbeitung liegt. Für die Region authentisch sind die eingebauten Holzfußböden, deren Gebrauchsspuren die Geschichte mehrerer Gästegenerationen erzählen. Durch die Ausstattung mit individuellen Accessoires wird der regionale Bezug zu Berchtesgaden hergestellt. So erhält jedes Zimmer, jeder Raum, seine besondere Note.
Der Masterplan zum Ensemble der Jugendherberge Berchtesgaden sieht als weitere Baumaßnahme vor, das bestehende Gebäude „Haus Hubertus“ im Zentrum der Gesamtanlage, trotz seines Charmes, abzureißen. Hier soll der neue Kern entstehen, dessen Hauptthemen Kommunikation und Begegnung sind.

Ensemble erhalten


Die in den Häusern „Jenner“ und „Untersberg“ benötigten und zum Teil vorhandenen Gemeinschaftsbereiche werden in dem neu zu errichteten Haupthaus angeboten. Damit wird das bestehende Ensemble erhalten und durch eine neue Strukturierung und Gestaltung ins Gesamtkonzept der Jugendherberge Berchtesgaden integriert. Jedem Haus wird eine eigene Funktion zugeordnet.
Die heutige Gesellschaft ist bestimmt durch die Mischung, Überlagerung, Vernetzung von persönlichen Wirkungskreisen in realen und virtuellen Lebensmodellen. Diesem sich im stetigen Wandel befindlichen Prozess gesellschaftlichen Lebens verleiht das neue Konzept von LAVA in der Berchtesgadener Jugendherberge Form und Gestalt. Eine Qualität, die durch die Integration modernster Haus- und Energietechnik zukünftigen Ansprüchen gerecht wird. Die Architekten schaffen flexibel nutzbare Raumzonen, die in einer für die Jugendherberge bisher unbekannten Formgebung realisiert werden. (BSZ)
(Blick in ein Zimmer mit Bettnischen und die Flaggenwand in der Jugendherberge - Fotos: DJH Landesverband Bayern/Robert Pupeter)

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