Bauen

Verbands-Geschäftsführer Martin Roth. (Foto: Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie)

25.10.2013

Die Baukosten werden erheblich steigen

Ziegelindustrie sieht die neue EnEV kritisch

Auf Vorschlag seines Umweltausschusses hat der Bundesrat am 11. Oktober 2013, die neue Energieeinsparverordnung mit einer Verschärfung der Anforderungen an den Jahresprimär-Energiebedarf für den Neubau um 25 Prozent ab 2016 beschlossen. Die Bundesregierung hat sich diesem Votum angeschlossen und damit auch formal den Weg für die EnEV freigemacht. Der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e.V., Bonn, hält die nun beschlossene Anhebung der Effizienzanforderungen für Neubauten für überzogen.
„Sie führt zu weiteren erheblichen Steigerungen der Baukosten und rechnet sich wirtschaftlich nicht“; erklärt dazu Verbands-Geschäftsführer Martin Roth. „Auch die Umwelt profitiert kaum von dieser Verschärfung, da der Neubau nur einen sehr kleinen Einfluss auf den Energieverbrauch der deutschen Immobilien hat. Dagegen hätte man sinnvoller den Wohnungsbestand in den Fokus nehmen sollen, wo mit vergleichsweise wenig Aufwand viel bewirkt werden könnte. Deshalb sollen auch alle staatlichen Fördermittel zukünftig in den effizienten Umbau des Bestandes gehen.“
Sachgerechter wäre nach Ansicht der deutschen Ziegelhersteller auch der vom Wirtschaftsausschuss des Bundesrats vorgeschlagene Weg einer einmaligen Verschärfung der Hauptanforderungen bei Neubauten um lediglich 15 Prozent gewesen. Damit hätten bewährte und preiswerte Heizsysteme wie die Brennwerttechnik weiter verwendet werden können.

Aufwändige Umsetzung


Mit der nun beschlossenen Verschärfung um 25 Prozent werden für den Neubau hochkomplexe und teilweise noch nicht ausgereifte strombasierte Heiz- und Lüftungssysteme unausweichlich. „Wir entfernen uns daher immer weiter von praxisgerechten, am Bedarf des Nutzers orientierten Gebäuden und begeben uns in Bauweisen, deren Zukunftssicherheit und Werthaltigkeit bei weitem noch nicht feststeht“, so Roth. „Bauherren und Mieter müssen nun auf ihre Kosten und Risiken vom Verordnungsgeber vorgeschriebene Techniken erproben.“
Positiv ist festzustellen, dass die Verschärfungen nicht – wie ursprünglich angedacht – in zwei Schritten erfolgen, sondern nur in einem Schritt zum 1. Januar 2016. Damit ist den Planern ein größerer Zeitraum zur Verfügung gestellt worden, in dem sie sich auf die komplexe und aufwändige Umsetzung der neuen Bestimmungen der Energieeinsparverordnung vorbereiten können.
Nach Auffassung der Ziegelindustrie hat der Gesetzgeber die Chance verspielt, mit einer nur moderaten Verschärfung der Anforderungen den Bau von Mehrfamilienhäusern nicht weiter zu verteuern. Gerade in Zeiten akuter Wohnungsnot, insbesondere in  Ballungsräumen, wird es dadurch immer schwieriger, für breite Schichten der Bevölkerung bezahlbaren Wohnraum zu errichten. Dies wird die deutsche Ziegelindustrie aber nicht davon abhalten, gemeinsam mit Planern und Bauausführenden Lösungen zu erarbeiten, die auch unter den neuen erschwerten Voraussetzungen zu guten und zukunftsfähigen Wohngebäuden führen.
Im Gegensatz zur Ziegelindustrie befürwortet der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) den Beschluss des Bundesrats zur neuen Energieeinsparverordnung (EnEV). „Die Bundesregierung ist nun aufgefordert, die im Bundesrat beschlossenen Änderungen anzunehmen und die Verordnung zügig umzusetzen“, sagt der BDF-Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas.
Für den Neubau bedeutet nach Ansicht der Fertigbauindustrie der Bundesratsbeschluss vor allem eine Verbesserung des energetischen Mindeststandards in einem Schritt um 25 Prozent ab dem 1. Januar 2016. „Damit gewinnen Bauunternehmen und Bauherren mehr Planungssicherheit gegenüber einer schrittweisen Verschärfung in zwei geringeren Stufen“, erklärt Klaas.
Mit der neuen Verordnung soll letztlich die EU Gebäuderichtlinie umgesetzt werden, die ab 2021 für alle neu zu errichtenden Gebäude einen Energiebedarf nahe Null fordert. „Das Zwischenziel einer um 25 Prozent verbesserten Energieeffizienz ist für die deutschen Hersteller von Fertighäusern schnell zu erreichen und stellt auch vor 2016 schon einen Wettbewerbsvorteil für die Holzfertigbauweise dar“, so Klaas.
Zugleich begrüßt der BDF auch die vom Deutschen Bundesrat geforderte Vereinfachung der Energiegesetzgebung im Gebäudebereich, die mit Energieeinsparungsgesetz, Energieeinsparverordnung, Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz und allen dahinter liegenden Normen für die Bauwirtschaft nur noch schwer und für Bauherren kaum mehr zu durchschauen ist. (FHH)

(Der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie sieht die neue EnEV kritisch - Foto: Wienerberger/Thomas Büsching)

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