Bauen

Das bayerische Bau- und Ausbaugewerbe rechnet mit stabilen Geschäften. (Foto: Unipor, München

26.04.2013

Die Branche ist optimistisch

Frühjahrs-Lagebericht der bayerischen Bau- und Ausbauwirtschaft

Die Geschäftslage im bayerischen Bau- und Ausbaugewerbe bliebt auf hohem Niveau stabil, erklärte der Sprecher der Landesvereinigung Bauwirtschaft Bayern – Das bayerische Bau- und Ausbauhandwerk (LVB), Hans Auracher. Der Frühjahrsbericht der LVB zeigt aber auch deutliche Unterschiede zwischen den Gewerken. 54 Prozent der Baubetriebe bezeichnen laut Auracher ihre aktuelle Geschäftslage als gut bis sehr gut. Das sind zwei Prozent mehr als im Frühjahr 2012. 43 Prozent bewerten ihre Geschäftslage als lediglich ausreichend bis zufriedenstellend (Frühjahr 2012: 45 Prozent). Wie vor einem Jahr klagen nur rund drei Prozent der Baubetriebe über eine schlechte Geschäftslage.
Im Ausbaugewerbe hat sich die Geschäftslage im Vorjahresvergleich dagegen deutlich eingetrübt, so der LVB-Sprecher. Bezeichneten im Frühjahr 2012 noch rund 64 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage mit gut oder sehr gut, so waren es in diesem Frühjahr nur noch 55 Prozent. Mit 40 Prozent (Vorjahr: 33 Prozent) der Befragten hat die Zahl der Ausbauhandwerker deutlich zugenommen, die ihre Geschäftslage mit lediglich ausreichend bis befriedigend bewerten. Die Zahl der Unternehmen, die über eine schlechte Geschäftslage klagen, erhöhte sich von drei auf fünf Prozent.

Winter hinterließ Spuren


Der lange Winter habe deutliche Spuren hinterlassen, sagte Auracher. Die Umsätze entwickelten sich in den vergangenen Monaten vor allem im Ausbaugewerbe deutlich schlechter als vor einem Jahr. Die Zahl der Betriebe, die ihre aktuelle Umsatzsituation als gut bis sehr gut bezeichnen, verringerte sich im Vorjahresvergleich um neun auf 46 Prozent. Im Bauhauptgewerbe fiel der Rückgang der Betriebe mit guten Umsätzen auf ebenfalls 46 Prozent (Vorjahr: 49 Prozent).
50 Prozent der Bau- und 47 Prozent der Ausbaubetriebe realisieren ausreichende oder befriedigende Umsätze, berichtete Auracher. Die Zahl der Unternehmen im Ausbaugewerbe mit einem schlechten Umsatz stieg von vier Prozent im Frühjahr 2012 auf nun sieben Prozent, während sie im Bauhauptgewerbe mit rund fünf Prozent gleich blieb.
Die uneinheitliche Konjunkturentwicklung setze sich auch in der Beurteilung der Ertragslage fort, sagte der LVB-Sprecher. Während 29 Prozent (Vorjahr: 27 Prozent) der Bauunternehmen in diesem Frühjahr ihre Ertragslage mit „gut“ bewerten, hat sich die Zahl der Ausbauunternehmen mit einer guten Ertragslage von 42 im Frühjahr 2012 auf nur noch 32 Prozent in diesem Frühjahr verringert. Rund zwei Drittel der Bau- und Ausbaubetriebe realisieren ausreichende bis zufriedenstellende Erträge. Jeweils acht Prozent der Unternehmen gaben an, gegenwärtig schlechte oder sehr schlechte Erträge zu erzielen.
Die Nachfrage nach Bau- und Ausbauleistungen war auch in den zurückliegenden Wintermonaten überwiegend gut, freute sich Auracher. Der Auftragsbestand wird von den Baubetrieben etwas besser als vor einem Jahr eingeschätzt, während er für das Ausbaugewerbe im Durchschnitt gleich blieb.
54 Prozent der Baubetriebe haben derzeit gut bis sehr gut gefüllte Auftragsbücher. Damit haben sich die Auftragsbestände im Vorjahresvergleich um sechs Prozentpunkte verbessert. 42 Prozent der Betriebe sind mit ihrem Auftragsbestand zufrieden beziehungsweise bezeichnen ihn als ausreichend.
Im Ausbaugewerbe bezeichnen genau die Hälfte der Betriebe (2012: 51 Prozent) ihren Auftragsbestand als gut beziehungsweise sehr gut. 43 Prozent der Ausbaubetriebe bewerten die Nachfrage nach ihren Leistungen als befriedigend oder zumindest ausreichend. Wie vor einem Jahr klagen sechs Prozent der Unternehmen über eine schlechte oder sehr schlechte Auftragslage.
Der durchschnittliche Auftragsbestand im Bauhauptgewerbe ist vergleichsweise hoch. Er ist auf 9,7 Wochen (Vorjahr: 9,0 Wochen) gestiegen. Der Auftragsbestand im Ausbaugewerbe beträgt durchschnittlich 8,5 Wochen (Vorjahr: 8,2 Wochen).

Zuversichtliches Gewerbe


Die Einschätzung der Baupreisentwicklung hat sich im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe angeglichen, erklärte Auracher. „Während sich in diesem Frühjahr die erzielten Baupreise im Vorjahresvergleich im Bauhauptgewerbe im Durchschnitt unverändert zeigten, wurden diese vom Ausbaugewerbe deutlich negativer als vor einem Jahr eingeschätzt.“
Gut zwei Drittel der befragten Bauunternehmen erzielen ausreichende bis befriedigende Baupreise. 13 Prozent (Vorjahr: elf Prozent) der Betriebe erzielen gute Preise. 17 Prozent (Frühjahr 2012: 19 Prozent) klagen über sehr schlechte beziehungsweise unauskömmliche Preise. Im Ausbaugewerbe erzielen ebenfalls rund zwei Drittel der Betriebe befriedigende oder ausreichende Baupreise. Die Zahl der Betriebe, die gute Preise erzielen, beträgt aber nur noch 16 Prozent (Frühjahr 2012: 21 Prozent). Die Zahl der Ausbaubetriebe mit unauskömmlichen Preisen stieg von 13 auf jetzt 16 Prozent.
Das Baugewerbe ist nach Aurachers Worten für das kommende Halbjahr optimistisch. 59 Prozent (Frühjahr 2012: 53 Prozent) erwarten eine gute Geschäftslage und 55 Prozent (Vorjahr: 51 Prozent) eine gute Umsatzentwicklung. Weitere 40 Prozent (Frühjahr 2012: 46 Prozent) erwarten für ihren Betrieb eine befriedigende oder zumindest ausreichende Entwicklung ihrer Geschäftslage und 44 Prozent (Vorjahr: 47 Prozent) eine ebensolche Umsatzentwicklung.
Auch die Ausbaubetriebe sind überwiegend optimistisch, jedoch deutlich weniger als vor einem Jahr. Nur noch 56 Prozent (Vorjahr: 63 Prozent) erwarten für das kommende Halbjahr eine gute bis sehr gute Geschäftslage, der Rest der Betriebe eine befriedigende oder zumindest ausreichende Entwicklung. Nur einer von hundert Betrieben ist pessimistisch.
Mehr als die Hälfte der Ausbaubetriebe erwartet auch in diesem Frühjahr eine gute bis sehr gute Umsatzentwicklung. 47 Prozent rechnen mit zumindest ausreichenden bis zufrieden stellenden Umsätzen. Jeweils rund 36 Prozent der Bau- und Ausbaubetriebe erhoffen sich gute Erträge. Dies sind im Bauhauptgewerbe sechs Prozent mehr, aber im Ausbaugewerbe sieben Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der pessimistischen Erwartungen ist im Bauhauptgewerbe weiter auf nur noch vier Prozent gesunken und mit ebenfalls rund vier Prozent im Ausbaugewerbe gleich geblieben. Mit jeweils 60 Prozent der Bau- und Ausbaubetriebe geht die Mehrheit der befragten Unternehmen von einer ausreichenden bis zufrieden stellenden Ertragslage in den nächsten Monaten aus, erklärte der LVB-Sprecher.
Die Erwartungen an die Nachfrageentwicklung sind laut Auracher hoch. Rund 58 Prozent der Betriebe des Bauhauptgewerbes und 52 Prozent der Ausbauunternehmen erwarten in den kommenden Monaten eine gute bis sehr gute Nachfrage nach Bau- und Ausbauleistungen. Die positiven Einschätzungen sind damit im Baugewerbe noch etwas besser als vor einem Jahr. Pessimistisch sind nur zwei Prozent der Betriebe. Bei der Baupreisentwicklung wird im Bauhauptgewerbe eine weitere leichte Verbesserung erwartet. Wie vor einem Jahr erwarten rund 70 Prozent der Baubetriebe in den kommenden Monaten ausreichende bis zufriedenstellende Baupreise. Immerhin 23 Prozent der Baubetriebe erwarten, dass sie gute Baupreise für ihre Leistungen realisieren werden. Die Zahl der Betriebe, die schlechte beziehungsweise unauskömmliche Baupreise für ihre Leistungen erwarten, hat sich auf sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr halbiert.
Bei den Ausbaubetrieben rechnen nur noch 18 Prozent (Vorjahr: 24 Prozent) mit einer guten Baupreisentwicklung, 67 Prozent mit ausreichenden bis zufriedenstellenden Preisen.
Sowohl im Bauhauptgewerbe als auch im Ausbaugewerbe lassen die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage einen weiteren leichten Personalzuwachs erwarten, so Auracher. Nur rund fünf Prozent der Bau- und acht Prozent der Ausbaubetriebe rechnen für die kommenden Monate mit einem Personalabbau. Dagegen wollen 17 Prozent der Baubetriebe 18 Prozent der Ausbaubetriebe ihre Beschäftigtenzahl aufstocken. Die große Mehrheit will diese stabil halten.
Als eines der häufigst genannten Kernprobleme im bayerischen Bau- und Ausbaugewerbe nannte Auracher den Fachkräftemangel. „Die Suche nach Auszubildenden ist für viele Betriebe mit großen Anstrengungen verbunden und in einigen Gewerken äußerst schwierig. Die schlechte Qualifikation vieler Schulabgänger stellt viele Handwerksmeister vor zusätzliche Probleme. Außerdem beklagen die Unternehmen ein zu geringes Interesse der jungen Menschen an den Bau- und Ausbauberufen.“

Hohe Abgabenlast


Darüber hinaus leiden viele Unternehmer unter einer hohen Bürokratielast und beklagen die hohe Abgabenlast, erklärte der LVB-Sprecher. In diesem Zusammenhang forderte er die Rücknahme der vorab fälligen Sozialversicherungsbeiträge. „Die stetig steigenden Energiekosten sind auch für unsere Gewerke ein wachsendes Problem. Hier kritisieren die Unternehmen die Ausnahmeregelungen für die Großindustrie zu Lasten des Handwerks.“ Ferner beklagte Auracher die schlechte Zahlungsmoral der Kunden. Es gebe zu wenig Rechte für die Unternehmen, gegen säumige Zahler vorzugehen, erklärte er.
Nicht mehr so häufig beklagt werde von den Betrieben die Schwarzarbeit und Billig-Konkurrenz aus dem osteuropäischen Ausland. Der Preisdruck lasse jedoch generell nicht nach, vor allem bei öffentlichen Aufträgen würden oft nur unauskömmliche Preise erzielt, bedauerte Auracher.
Ein Dorn im Auge ist dem LVB-Sprecher insbesondere der seit dem 1. Januar 2013 in Kraft getretene neue Rundfunk-Staatsvertrag. Die Höhe des Rundfunkbeitrags für Unternehmen und Institutionen richtet sich nun nach der Anzahl ihrer Betriebsstätten, Beschäftigten und Kraftfahrzeuge. Die neue Gebührenordnung führte zu einer massiven Kostensteigerung bei den Betrieben des Bau- und Ausbaugewerbes. „Unsere Umfrage ergab“, so Auracher, „dass die Rundfunkbeiträge in den befragten Betrieben des Bauhauptgewerbes um durchschnittlich 83,7 Prozent gestiegen sind und auch bei den kleineren Betrieben des Ausbaugewerbes um durchschnittlich 48 Prozent. Eine Evaluierung und rasche Änderung der bestehenden Gebührenregelungen ist deshalb dringend erforderlich.“ (Friedrich H. Hettler)

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