Bauen

28.11.2014

Die Menschen sollen sich in ihrer Umgebung wohlfühlen

Herrmann und Heese sprachen über qualitätvolles Bauen

„Gutes Planen und Bauen kann die Welt retten.“ Mit dieser gewagten These startete die Moderatorin Sabine Reeh im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Politik im Dialog“ der Bayerischen Architektenkammer. Bauminister Joachim Herrmann und der Präsident der Bayerischen Architektenkammer, Lutz Heese, diskutierten, was denn in Bayern eigentlich qualitätvolles Bauen bedeutet.
„Der Geschmack ändert sich in der Architektur“, sagte Herrmann. „Zum Beispiel den Stil der 1950er Jahre, kann heute keiner mehr sehen.“ Da die Neubauten von heute keinesfalls schlecht gebaut sind, Offenheit vermitteln und den Zeitgeist wiederspiegeln, plädierte der Minister dafür, dass eine allgemeine Baukultur, diese Forderungen umsetzt. Denn mit der Baukultur sind Städtebau, Ortsplanung, Verkehrsbauwerke und Kunst am Bau verbunden, um so den öffentlichen Raum zeitgemäß zu gestalten. Hinzukomme, so Herrmann, dass sich die Menschen in ihrer Umgebung wohlfühlen sollen.
Heese griff den Gedanken seines Dialogpartners auf und nannte ein passendes Beispiel für Architekturkultur. Als gelungene städtebauliche Anordnung, die zugleich von der Bevölkerung angenommen wurde, sieht er das Jüdische Zentrum am Münchner Jakobsplatz.

Ortskerne brauchen
eine Neubelebung


Um die Mittelpunkte von Städten und Ortschaften neu zu beleben und zu gestalten, bedürfe es nach Reehs Ansicht Föderungsmodellen. Mit Modellprojekten sollten gezielt neue Wege ausprobiert werden. Und damit verbunden sei eine aktive Bürgergesellschaft, erklärte der Minister. Denn viele Ortskerne bräuchten dringend eine Neubelebung, die jedoch nur gemeinsam mit den Bürgern entwickelt werden könne.
Zudem bedürften städtebauliche Neuordungskonzepte auch der Beratung, ergänzte Heese. Mit der Wiedereinsetzung des Bayerischen Landesbaukunstausschusses im Juni 2014 wird der Freistaat baukünstlerisch beraten und begleitet. „Der Landesentwicklungsplan wird politisch ein spannungsvolles Thema“, meinte Heese, „da man strukturpolitisch vieles, wie beispielsweise die Energiepolitik, im Auge behalten müsse.“

Mobilität hilft
Räume zu erschließen


Mit der These „gutes Planen und Bauen kann die Welt retten“ wollte Reeh wieder auf ganz brisante Themen hinweisen. Die seit Jahren anhaltende Wohnungsnot in Bayern fordere mehr angemessenen Wohnraum. Herrmann wies auf die aktuellen Programme für Wohnungs- und Eigenheimbau hin. Auch Heese nannte die neu hinzugekommene Baufläche der ehemaligen Pionierkaserne und erklärte, der Neubau müsse auch die Gemeinden im Umland mit einbeziehen. Hierbei wäre es wichtig, die Mobilität zu fördern, denn das helfe Räume zu erschließen. „Der Ballungsraum München wird jetzt mit der zweiten Röhre für die S-Bahn erheblich entlastet. Das gilt auch für den öffentlichen Verkehr und das ländliche Umfeld“, ergänzte Herrmann.
Zudem helfen Förderrichtlinien wie die der KfW bei Krediten und die ENEF Energiesparprogramme motivieren zum Sanieren. „Aber die Neubauvorschriften“, gab der Minister zu bedenken, „werden oft zu weit getrieben. Damit treibt man die Baupreise in die Höhe. Sanierung des Bestands ist notwendig und hilft auch beim Sparen.“
Gutes Planen und Bauen betreffe auch behinderte und kranke Menschen, betonte Reeh. Wie stehe es damit in Bayern? „Menschen sollen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben“, forderte Heese. Hierbei könnten kostenfreie Beratungsstelle Auskunft geben und informieren, welche Zuschüsse möglich seien. Und mit dem hochgesteckten Ziel, bis 2023 Bayern barrierefrei zu machen, habe man sich viel vorgenommen. Damit jedenfalls wäre die Welt für viele gerettet. (Eva-Maria Mayring)

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