Bauen

Das neue Gymnasium in Wendelstein. (Foto: Oliver Heinl)

05.10.2012

Drei Landrätem, elf Anläufe

Endlich gelang im mittelfränkischen Wendelstein der Neubau eines Gymnasiums

Der Bau eines dritten Landkreis-Gymnasiums in Wendelstein (Landkreis Roth) war seit Anfang der 1970er Jahre Thema: Drei Landräte – Ignaz Greiner, Helmut Hutzelmann und Herbert Eckstein beantragen das Projekt im Laufe von vier Jahrzehnten insgesamt elf Mal beim Kultusministerium. Erst im fünften Anlauf gelang Eckstein der Durchbruch: Am 16. April 2009 ging das entscheidende Schreiben – die Genehmigung der Staatsregierung für den Bau durch Kultusminister Ludwig Spaenle – im Landratsamt Roth ein. Ein Jahr später, am 14. September 2010, war der Spatenstich. Ziemlich auf den Tag genau zwei Jahre später, am 13. September 2012, konnte das Gymnasium Wendelstein – mit rund 33 Millionen Euro Investitionskosten – den Unterrichtsbetrieb aufnehmen.
Schule, Sporthalle und Freiflächen wurden als ein Ensemble auf ein leicht erhöhtes Terrassenfeld gesetzt. Entlang der Straße „In der Gibitzen“ liegt die Sporthalle in unmittelbarer Nähe zu bestehenden Freisportanlagen.
Die Fußgänger und Radfahrer erreichen die Schule über das Forum. Von hier verteilen sich Schüler und Lehrer sowie Sportler und Besucher in die beiden Gebäude: Gymnasium und Sporthalle. Im Nordosten sind Stellplätze und Bushaltestellen angeordnet. Von hier gibt es einen zusätzlichen Eingang. Das langgestreckte 3-geschossige Schulgebäude schiebt sich weit nach Osten hin in die freie Landschaft, schreiben die mit der Planung beauftragten Münchner Architekten Stefanie Fuchs und Arnd Rudolph.
Im Südosten entstand ein gefasster Pausenhof, der sich vom Innenhof her über eine große Terrasse zur freien Landschaft entwickelt. Es ergaben sich dabei laut Fuchs und Rudolph geschützte sowie gedeckte Freiflächen. Der angrenzend freigelegte Grabenlauf und das Biotop begrenzen das Schulareal nach Süden und betten es in die Landschaft ein. Das verbleibende Gelände kann in seinem südlichen Teil, ohne die Schule zu beeinträchtigen, für spätere Nutzungen verwendet werden.
Über das Forum betritt man die Aula, die als zentrale Halle durch den großen und hohen Raum identitätsstiftend für Schüler, Lehrer und Eltern ist. Die Aula und der angrenzende Innenhof bieten unterschiedliche Raumqualitäten mit Durchblicken sowie zahlreichen Durchwegungen für eine leichte Orientierung im Gebäude, erklären die Münchner Architekten. Hier befinden sich Mensa mit Freisitz und alle kreativen Fachklassen mit Bezug zum Außenraum. Die Verwaltung, der Lehrerbereich und die Bibliothek mit Mehrzweckraum gruppieren sich im ersten Obergeschoss um die Aula. Die Klassen sind im ersten und zweiten Obergeschoss untergebracht, naturwissenschaftliche Fachklassen im zweiten Obergeschoss.

Umlaufende Glaspaneele


Licht und transparent stellt sich die Schule dar, deren technische Ausstattung alle Anforderungen der heutigen Zeit erfüllt, betonen Fuchs und Rudolph. Umlaufende Glaspaneele im Erdgeschoss setzen Farbakzente, die auch im Innenraum wiederkehren, sie wirken kontrastbildend zum weißen Architekturbeton und den hellen Oberflächen im Gebäude. Die Fassade spielt mit ihren Elementen: Tragende Wandscheiben stehen im Wechselspiel zu den raumhohen Fenstern, wovon sich die schmalen Elemente öffnen lassen. Hinter farbigen Metallpaneelen sitzen dezentral angeordnete Lüftungsgeräte, die für gute Raumluft und hohe Energieersparnisse sorgen.
Der ausgewählte Farbkanon wird nach den Worten der Planer auch in den individuell geplanten Möblierungen realisiert: In den Klassenräumen ist die Ausstattung neuen Lehr- und Lernmethoden angepasst: umlaufende Schienensysteme für tragbare Tafeln und Pinboards, rollfähige Dreieckstische, der mobile Lehrerstützpunkt sowie die interaktive Tafel bringen Bewegung in den Unterricht. Rottöne und Holzoberflächen unterstützen die lockere Atmosphäre im Schulhaus.
Sitzelemente durchziehen das gesamte Areal. Im Innern kann man auf hellen Eichenhölzern verweilen, im Freien werden vielfältige Möblierungen angeboten. Der kleine Lichthof eröffnet zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten in den Pausen. Dort werden auch Schülerschließfächer angeboten. In der Mensa kommen Mittags warme Speisen auf den Tisch. Ein Internetcafe und gemütliche Sitzecken sorgen für Abwechslung und Entspannung. Dieser Bereich erweitert sich direkt zum angrenzenden Innenhof, der bei schönem Wetter quasi als „grünes Zimmer“ dient. Eine großzügige Bibliothek für Lehrer und Schüler lädt ein zu ungestörtem Schmökern und Arbeiten.
Die wettkampftaugliche Sporthalle mit großer Tribüne bietet bis zu 450 Zuschauern Platz. Großflächige Verglasungen ermöglichen den Ausblick ins Freie, die Halle öffnet sich in die Umgebung. Innen dominieren frische Grüntöne. Vom Eingang aus erreicht man die Umkleiden und den Halleneingang über eine große Freitreppe. Das Foyer mit dem großen Tresen ist Mittelpunkt für Veranstaltungen aller Art, die bis in den Mehrzweckraum der Vereine hinein gezogen werden können.
Die Schule soll nach den Worten von Fuchs und Rudolph ein Ort sein, der im Kontext mit seiner Umgebung steht, der sich öffnet und integriert.
Das „Schulplateau“ bettet sich als Insel in die umgebende Landschaft ein. Der leicht erhöhte Vorplatz sowie Akzentuierungen im Pausenhof mit Stützmauern und Raseninseln machen die Umgebung mit ihrer Topografie wahrnehmbar, schreibt Landschaftsarchitektin Lisa Fuchs vom Büro Freiraum.
Ortbetonwände mit Fahrradparkern und beleuchtete Sitzelemente führen den Besucher zum Eingang der Schule und der Sporthalle. Säulenförmige Eichen prägen das Forum und leiten zur Sportanlage über. Buszufahrt und Parken werden von Heckenbändern durchzogen, Solitärbäume und Baumgruppen schaffen einen fließenden Übergang zu den Wiesenflächen mit Retentionsmöglichkeiten.
Tischgruppen und Einzelbäume gestalten den Innenhof, der sich durch den Arkadengang an den Pausenhof anschließt. Im Kontrast zum Rechteck und zum klassischen gebänderten Plattenbelag durchbricht der Wassergraben mit natürlichem Verlauf, Kalksteinblocksätzen sowie entsprechendem naturnahen Gehölzbewuchs den Pausenhof. Hier liegt ein ruhigerer, überdachter Rückzugsbereich mit angegliedertem Schulgarten. Von hier geht es allmählich mit Wiesenbereichen und Obstbäumen in die freie Natur über. (FHH)

(Blick in ein Klassenzimmer; der Eingangsbereich des Neubaus - Fotos: Oliver Heinl)

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