Bauen

In der Fassade des Neubaus spiegelt sich der Altbau. (Foto: Bayerischer Landtag/Rolf Poss)

22.06.2012

Ein architektonisches und ökologisches Highlight

Beim Erweiterungsbau des Maximilianeums kamen drei Viertel der beteiligten Baufirmen aus Bayern

Der Bayerische Landtag befindet sich wieder unter einem Dach: Mit einem 15,4 Millionen Euro teueren Erweiterungsbau am Maximilianeum wurde die akute Platznot beseitigt, die sich mit den Wahlen im Herbst 2008 drastisch verschärft hat, als erstmals fünf Fraktionen ins bayerische Parlament einzogen. Das Gebäude, das in einer Bauzeit von nur zwei Jahren entstanden ist, setzt Maßstäbe für die Zukunft. Es ist barrierefrei und erfüllt den Passivhausstandard.
„Auf beides haben wir besonderen Wert gelegt, weil wir als öffentliche Institution eine Vorbildfunktion haben“, sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) bei der Einweihungsfeier am 24. Mai 2012. Dabei nahm sie auch das Zertifikat des renommierten eza-Instituts entgegen, das dem Erweiterungsbau im Nordhof des Maximilianeums (MEN) den Passivhausstandard bestätigt: Das Haus benötigt nur ein Fünftel der Energie, die ein vergleichbarer Neubau mit herkömmlichen Standards braucht.
Den Vorbildcharakter des neuen achtstöckigen Gebäudes – sechs davon oberirdisch – stellte auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der Chef der bayerischen Bauverwaltung, in seinem Grußwort heraus. Das Haus erfülle die deutlich höheren energetischen Anforderungen, die in der Energiesparverordnung von 2009 vorgeschrieben seien, lobte er. Gleichzeitig hob er die Besonderheit des Orts hervor. Denn es galt, ein Gebäude des 21. Jahrhunderts zu entwerfen, das in angemessener Weise zu seinen Nachbarn passt, dem Bürkleinbau aus dem 19. Jahrhundert und den Erweiterungsbauten der Architekten Gebhard und Staab aus den 1960er und 1990er Jahren. „Das ist“, so Herrmann, „wie ich meine, auf vorbildliche Art gelungen“.
Für den Bauminister fügt sich das neue Gebäude stadträumlich hervorragend ein. Ferner überzeuge es gestalterisch außen wie innen und erfülle funktional die Anforderungen des Bauherrn und der Nutzer.
Landtagspräsidentin Stamm wies in ihrer Rede darauf hin, dass das Bauwerk fest in bayerischer Hand war: Von den 35 beteiligten Firmen im Hochbau kamen 75 Prozent aus Bayern. Gleichzeitig betonte Stamm, dass man im Kostenrahmen geblieben ist, „getreu unseren eigenen Vorsätzen und sehr zur Zufriedenheit unserer Haushälter“.
Geplant hat das Gebäude das Berliner Büro; Léon, Wohlhage, Wernik. Die renommierten Architekten von der Spree setzten sich in einem hochrangig besetzten Wettbewerb durch und schufen ein höchst attraktives Gebäude an einem historischen Ort hoch über den Isarauen. In Anlehnung an das Maximilianeum besteht die Fassade aus Terrakottafliesen.
Neben dem großen Konferenzsaal sind in dem achtstöckigen Gebäude drei Besprechungsräume und 65 Büros entstanden. Die Abgeordneten sowie die Mitarbeiter der Landtagsverwaltung und der Fraktionsgeschäftsstellen arbeiten in einer hellen und freundlichen Atmosphäre. „Die Einblicke“, so Stamm, „sind genauso unterschiedlich wie die Ausblicke; vieles ist moderner, die Farbe Rot spielt eine bedeutende Rolle. Es ist zwar nicht die Lieblingsfarbe aller Kolleginnen und Kollegen, aber wir sind uns einig: Es ist ein architektonischer Hingucker und Rot ist durchaus eine gängige Farbe im Maximilianeum.“ Bereits Friedrich Bürklein habe die Arkaden des Altbaus in Rot gestaltet und beim Nord- sowie Südbau arbeitete Volker Staab bei den Klimafassaden mit roten Flächen, betonte die Landtagpräsidentin. „Es ist eine richtig noble Umgebung“, lauten die anerkennenden Kommentare von Abgeordneten, Beschäftigten und Besuchern.
Neu ist auch der Gesundheitsbereich mit Fitnessstudio und Sauna, denn die Menschen sollen sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, betonte die Landtagspräsidentin. „Neben der wunderbaren Baukunst ist und bleibt der Mensch im Mittelpunkt der Arbeitswelt, nicht allein als Dienstleister, sondern mit seinen vielen sozialen Bezügen. Deshalb müssen und wollen wir alles dafür tun, dass ihr Lebensraum – der Arbeitsplatz – ihren Bedürfnissen entspricht.“
Mit dem Erweiterungsbau im Nordhof des Maximilianeums ist die gesamte Landtagsfamilie wieder unter einem Dach, freute sich Stamm. Bisher war ein Teil der Verwaltung in die Ismaninger Straße ausgelagert. Jetzt sind alle wieder ins Stammhaus zurückgekehrt. „Bei allen Fortschritten in den modernen Kommunikationsmöglichkeiten: Persönliche Begegnungen und Gespräche sind für das Miteinander im Arbeitsalltag unverzichtbar“, betonte die Präsidentin.
Präzise eingepasst, gestalterisch zurückhaltend aber ausdrucksstark in der Kubatur: So lautete das architektonische Ziel für den Neubau im Wettbewerb 2009.
Mit seiner Fassade aus Keramiktafeln und der klaren geometrischen Figur fügt er sich in das Ensemble von historischer Monumentalität ein, so Architektin Hilde Léon, setzt aber zugleich mit der Auskragung des Saalgeschosses einen selbstbewussten Akzent. Der Neubau sollte nicht bloß ökologisch zukunftsweisend sein, sondern ausdrücklich Vorbildcharakter haben: Deshalb erfüllt er, wie bereits erwähnt, den Passivhausstandard. Bürogebäuden oder öffentlichen Bauten gelingt das bisher extrem selten.
Auf vier Etagen ordnen sich die Büros um einen zentralen Erschließungs- und Servicekern an, der durch eine warm-rote Holzverkleidung hervortritt und mit der ansonsten zurückhaltenden Gestaltung kontrastiert. Im vierten Obergeschoss befindet sich der Sitzungssaal, nach außen durch die Auskragung gut sichtbar, in dem der rot vertäfelte Kern zur Stirnseite des Raums wird, wie Léon erklärt. Über hohe Fenster hat man dreiseitig einen Ausblick über die Isarauen. „Durch die fassadenbündige Verglasung wird die skulpturale Präsenz des Baukörpers betont.“
In der Gesamtansicht wechseln sich die Fensterelemente mit den großen Keramikfeldern ab. In der Nahansicht hebt sich das horizontale Relief hervor, wodurch zarte Schatten die Fassade plastisch erscheinen lassen, erläutert die Architektin ihren Entwurf. Der gleichmäßige Rhythmus der Fenster wird einzig durch die übergroßen Formate im Sitzungssaal variiert, was dessen Bedeutung nach Außen unterstreicht.
Das Erfüllen des Passivhausstandards wurde laut Léon durch das kompakte Bauvolumen und das ausgewogene Verhältnis von offenen und geschlossenen Flächen begünstigt. Zusätzlich wurde gemeinsam mit Arup ein Energiekonzept entwickelt, das Empfehlungen des Passivhausinstituts Darmstadt einbezieht. Neben einer hochgedämmten Fassade, und abhängig vom Tageslicht gesteuerter Beleuchtung stellt eine Betonkerntemperierung, den wichtigsten Aspekt des Konzepts dar, erklärt die Architektin. Die in den Fensterbereichen sogar individuell regelbare Temperierung deckt den gesamten Wärme- und Kühlbedarf. „Eine mechanische Be- und Entlüftung inklusive Wärmerückgewinnung erfolgt nur für den hygienisch erforderlichen Luftwechsel. Ein Lüften der Büros von Hand bleibt möglich.“
(Friedrich H. Hettler)

(15,4 Millionen Euro wurden in den Erweiterungsbau investiert; der neue große Konferenzsaal - Fotos: Bayerischer Landtag/Rolf Poss)

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