Bauen

Das neue Software-Entwicklungszentrum bei Nacht. (Foto: DATEV)

17.04.2015

Ein Bau für die Zukunft

Der Nürnberger IT-Dienstleister DATEV hat ein neues Software-Entwicklungszentrum eröffnet

Nürnbergs Westen befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Ehemalige Weltmarken wie AEG, Triumph Adler und Quelle stehen für den Niedergang der klassischen Industriekultur zwischen Nürnberg und Fürth. Doch auf den alten Betriebsgeländen macht sich der Strukturwandel in Form von Kultur, Wissenschaft und Kreativwirtschaft breit. Insbesondere IT-Unternehmen finden hier eine anregende Umgebung. Es entsteht eine „Wissenschaftsmeile“, die vom Plärrer in Nürnberg bis zur Ufer-Stadt – dem ehemaligen Grundig-Standort – in Fürth reicht.
Vorreiter und prägender Faktor dieser Entwicklung ist die DATEV eG, auch wenn der IT-Dienstleister und Software-Hersteller für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte bereits 1966 gegründet wurde und als drittgrößter Software-Anbieter Deutschlands nicht so recht in die Gründerszene des Nürnberger Westens zu passen scheint. Doch eines der sichtbaren Zeichen des Wandels ist der Neubau des IT-Campus 111 der DATEV, an der Fürther Straße gegenüber dem Justizpalast gelegen.

Die Fassade ist
rhythmisch gegliedert


Auf dem ehemaligen Gelände der Möbel-Quelle ist auf 24 000 Quadratmetern Fläche das neue Software-Entwicklungszentrum für 1800 Mitarbeiter der DATEV entstanden. Eine langestreckte Fassade wird rhythmisch gegliedert durch unterschiedlich breite Fenster. Daneben steht ein Parkhaus, dessen Verkleidung aus Glaslamellen den Eindruck von Wellen im Wind vermittelt. Ein starker Auftritt an einem prominenten Ort: Auf der anderen Straßenseite befindet sich die Gedenkstätte Memorium Nürnberger Prozesse, ein Pflichtbesuch für viele Städtetouristen.
Nach nur knapp zwei Jahren Bauzeit feiert die DATEV eG vor Kurzem offiziell die Eröffnung. Bis Ende Mai 2015 werden alle Mitarbeiter der Software-Entwicklung, die bislang über unterschiedliche Standorte verteilt waren, eingezogen sein. Ziel war es, unter einem gemeinsamen Dach ein modernes und flexibles Arbeitsumfeld zu schaffen, das auf die Bedürfnisse der Software-Entwicklung zugeschnitten ist und einen engen Austausch zwischen Teams und Abteilungen ermöglicht. Mit dem Grundstück, das direkt an die Unternehmenszentrale anschließt, war 2011 der ideale Standort gefunden. Mit der Planung wurden die Münchner Architekten Andreas Boesel, Gunther Benkert und Jörg Hohberg beauftragt.
Die Herausforderung bestand darin, die Anforderungen der Software-Entwicklung architektonisch abzubilden. Die zunehmende Komplexität und Abhängigkeit der Software-Produkte untereinander, die steigenden funktionalen und qualitativen Anforderungen und die kontinuierlich notwendige Pflege aufgrund gesetzlicher Änderungen führen dazu, dass die Methoden der Software-Entwicklung sich in den letzten Jahren erheblich verändert haben. Die Arbeit bedarf eines deutlich höheren Abstimmungs- und Testaufwands, der Blick über den Tellerrand und der Austausch mit anderen Experten und Abteilungen steht viel stärker im Fokus als früher.
Gemeinsam mit Experten des Fraunhofer Instituts für Arbeitsorganisation wurde ein Konzept entwickelt, das im direkten Umfeld eines jeden Arbeitsplatzes ein variables und vielfältiges Raumangebot für verschiedene Arbeitsprozesse bietet. Den Mitarbeitern bietet sich mit Rückzugsbüros, Besprechungsräumen und Kommunikationszonen die Möglichkeit, sich ein passendes Arbeitsumfeld für konzentriertes Arbeiten genauso wie für Kommunikation, Ideenentwicklung, Abstimmung und spontane Begegnung zu schaffen.

Besprechungsräume
mit zwei bis sechs Plätzen


Ausprobiert und verfeinert wurde dies im Rahmen eines mehr als zwei Jahre dauernden Pilotprojekts mit 100 Arbeitsplätzen. Die Erfahrungen aus diesem Projekt wurden in die Planungen aufgenommen. Beispielsweise wurden die Rückzugsbereiche noch einmal überdacht: Ein größerer Teil der ursprünglich vorgesehenen Einzelplätze wurde nun durch Besprechungsräume mit zwei bis sechs Arbeitsplätzen ersetzt, um der tatsächlichen Nutzung der Räume gerecht zu werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Gestaltung eines attraktiven Arbeitsumfelds war die Klimatisierung. Hier kommt eine Kombination von Geothermie in Verbindung mit Betonkernaktivierung zum Tragen: Die Temperierung der Räume erfolgt über Decken und Wände. Im Winter geben sie an die Umgebungsluft Wärme ab, im Sommer sorgen sie für angenehme Kühle. Für besondere Lasten kann bei Bedarf für die Klimatisierung Fernwärme zugeschaltet werden. Mit dieser Lösung entstehen kaum Emissionen und der Energieaufwand wird erheblich reduziert.
Doch von Außen fallen ganz andere Dinge ins Auge: Von Anfang an war das öffentliche Interesse an der Bebauung des Geländes groß – und die DATEV hat sich auf die verschiedenen Ansprüche gerne eingelassen. So stehen den umliegenden, dicht bebauten Wohngebieten nun rund 6000 Quadratmeter zugängliche Grünflächen zur Verfügung. Mit rund 4500 Quadratmetern bilden die DATEV-Gärten den größten Anteil und bieten Raum für Erholung und Entspannung. Ein Fußgängerdurchgang von der Fürther Straße über das Gelände nach Gostenhof steigert ebenfalls die Attraktivität des gesamten Viertels.
Auch die Stadt Nürnberg hatte ein besonderes Augenmerk auf die Planungen aufgrund der prominenten touristischen Lage. Ein bundesweiter Architektenwettbewerb für die Fassadengestaltung wurde ausgeschrieben, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Aus den elf eingereichten Entwürfen kürte die Jury aus Architekten sowie Vertretern der Stadt Nürnberg und der DATEV das Fassadenkonzept des Nürnberger Architekturbüros Kappler Sedlak zum Sieger. Die beiden Architekten sind es, die dem starken Auftritt von Bürogebäude und Parkhaus ein Gesicht gegeben haben. (BSZ)

(Die Fassade des DATEV-Neubaus und ein Blick in die öffentlich zugänglichen Gärten - Fotos: DATEV)

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