Bauen

Das Lenbachhaus in München hat seine Pforten wieder geöffnet. (Foto: Lenbachhaus)

31.05.2013

Ein goldener Kubus als Blickfang

Nach jahrelangen Umbauarbeiten hat die Städtische Galerie im Münchner Lenbachhaus ihre Pforten wieder geöffnet

Seit vier Jahren fiebern die Münchner der Wiedereröffnung des Lenbachhauses entgegen. Die Künstlervilla Franz von Lenbachs (1836 bis 1904) beherbergt die weltweit bedeutendste Sammlung des „Blauen Reiters“. Die Ende des 19. Jahrhunderts im toskanischen Stil erbaute gelbe Villa, die mehrmals erweitert wurde, stand im Frühsommer 2009 vor der dringenden Sanierung. Sogar ein Fensterladen war schon heruntergestürzt. Auch die Heizungsanlage funktionierte nicht mehr richtig. Während des Umbaus ging die Sammlung „Blaue Reiter“ um die Welt.
Jetzt aber ist die Sammlung wieder da – in einem noch schöneren, zweistöckigen Zuhause. Das verdanken die Münchner einer mehr als 56 Millionen Euro teuren Renovierung durch den britischen Stararchitekten Norman Foster. Der gilt spätestens seit dem Bau der Berliner Reichstagskuppel als Fachmann für historische Gebäude. Für den Münchner Anbau musste ein 1972 errichteter zweigeschossiger Erweiterungsbau des Lenbachhauses weichen, was zu verschmerzen ist. Er wurde nun ein Stockwerk höher neu errichtet.
Im Kubus gibt es nun neben der großzügigen Eingangshalle einen Museumsshop und ein Restaurant. Im hinter der freigestellten Villa neu angebauten schmalen Gebäudetrakt, der sich entlang der Richard-Wagner-Straße bis hinüber zum nördlichen Ende des Grundstücks erstreckt, wurden drei Ebenen geschaffen. Und damit endlich mehr Platz. In der 120 Jahre alten Villa musste wenig verändert werden. Nur die Funktion hat sich verändert: Jetzt befinden sich im zweiten Obergeschoss, also über den Repräsentationsräumen des Malerfürsten, einige Zimmer „für Bildungs- und Vermittlungsaufgaben“.
Wer sich dem Neubau von der Brienner Straße her nähert, ist zunächst fast geblendet vom funkelnden Anblick des goldenen Kubus, dessen Metallfassade aus knapp 900 Röhren besteht und auf dem in großen blauen Lettern „LENBACHHAUS“ zu lesen ist. Die Fassade ist mit ockerfarbenem Blech verkleidet, vor dem senkrecht Messingröhren hängen, die das Licht je nach Einfall diffus reflektieren. „Die goldene Farbe wird etwas matter werden. Der Glanz des patinierten Materials wird verblassen“, sagt Ulrich Hamann vom Büro Foster & Partners.

Enge Zusammenarbeit
mit dem Denkmalschutz


Über die enge Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz erklärt der Architekt: „Garten, Villa, Atelierflügel – das war heilig. Das sollte komplett so erhalten bleiben. Daher kam uns relativ schnell die Idee, ein Atrium um die alte Villa herumzubauen.“ Hamann betont, dass es dem Londoner Architektenbüro wichtig war, den „Ensemblecharakter“ des Hauses zu wahren. Nach elfjähriger Planungszeit gibt sich das Architektenbüro zufrieden, hinsichtlich der Budgetdisziplin, aber auch hinsichtlich der Optik. „Wir haben versucht, alles aus einem Guss erscheinen lassen – auch durch den ockerfarbenen Ton, der durch die Villa vorgeben war, ist uns das gelungen.“
Die Kunst soll strahlen. Tut sie auch, schon im neuen Eingangsbereich, in dem wie ein Edelstein Olafur Eliassons Lichtobjekt „Wirbelwerk“ von der Decke hängt. Der bunte Lichtwirbel – in Kandinsky-Farben gestaltet – soll die Eintretenden hinaufziehen zum Gravitationszentrum des Museums, den Bildern des Blauen Reiters. Und natürlich in die neu gestalteten Räume mit 2800 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Von Raum zu Raum wechseln die Farben an den Wänden.
Der Besucher ist durch die neue Architektur nicht zu einem Rundgang gezwungen. Er kann, muss aber nicht chronologisch durch die Sammlungsräume. Das Museum ist offener, weniger belehrend als früher. Wer will, schaut sich gleich die Beuys-Sammlung an. Oder er geht zielstrebig in die historische Villa, zur Malerei des 19. Jahrhunderts oder zu den Blauen Reitern.
Inszeniert ist die Kunst des Neubaus mit einer ungewöhnlichen Beleuchtung des Lichtkünstler Dietmar Tanterl. Er hat ein spezielles LED-System entwickelt, das unterschiedliche Szenarien von kalten blauen bis hin zu warmen orangefarbigen Tönen ermöglicht. Der Clou: Besucher können nicht unterscheiden, ob nun gerade Tageslicht oder Kunstlicht herrscht. „Make it more domestic“, lautet die Devise der Architekten – zu deutsch etwa: „Mach es gemütlicher.“ Eine ungewöhnliche Parole für Fosters Büro, dessen Bauten eher selten mit Gemütlichkeit in Verbindung gebracht werden.
„Das Haus öffnet sich nun hin zur Stadt“, freut sich Museumsdirektor Helmut Friedel. Bis zur Schließung 2009 dienten die schmale, geschwungene Treppe vom Garten und das enge Foyer der Villa als Haupteingang. Als die Villa Ende der 1920er zu einem Museum umgewandelt wurde, rechnete man mit wenigen tausend Besuchern pro Jahr. Das hat sich dramatisch geändert. „Zuletzt hatten wir 450 000 Besucher“, erklärt Friedel, „das war mit dem alten Zugang schlichtweg nicht mehr bewältigbar.“ Zudem ist der neue Zugang barrierefrei. Für Kurator Matthias Mühling, der 2014 als Direktor auf den noch amtierenden Friedel folgen wird, hat die Architektur eine funktionale, eher dienende Funktion. „Dies ist ein Bürgermuseum für die Bürger der Stadt.“
Und die werden es wieder in Besitz nehmen. Auch dank Fosters stimmigen Konzept. Das Lenbachhaus präsentiert sich mit dem Ausblick Richtung Königsplatz und Propyläen städtebaulich selbstbewusster. Das Haus ist nicht mehr zu übersehen – zumal das Restaurant „Ella“ (Kandinskys Kosename für Gabriele Münter) samt Terrasse auf den neu geschaffenen Platz reicht und die Ecke bereits jetzt wunderbar belebt. Zwar grummeln etliche Münchner ob des „goldenen Kastens“ und des „glitzernden Bling-Blings“. Die Münchner werden ihr neues, altes Lenbachhaus aber stürmen. Die Jahreskarte, die volksnahe 20 Euro kostet, wird ihren Teil dazu beitragen. (Claudia Schuh)

(Der spiralförmige Wirbel von Olafur Eliasson; Blick in zwei Ausstellungsräume - Fotos: Lenbachhaus)

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