Bauen

In Lichtenfels wurde der Grundstein für das neue Klinikum gelegt. (Foto: Landratsamt Lichtenfels)

30.10.2014

Ein Leuchtturmprojekt

Grundsteinlegung für den Klinik-Neubau in Lichtenfels

Mit einem Bürgerfest haben der oberfränkische Landkreis Lichtenfels und sein zum Regiomed-Verbund gehörendes Helmut-G.-Walther-Klinikum die Grundsteinlegung für den Ersatzneubau des in die Jahre gekommenen Krankenhauses begangen. Es war 1973 als modernste Klinik im Freistaat für die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung seiner Bestimmung übergeben worden. Jetzt, mehr als 40 Jahre später, ist es wieder der kleinste Landkreis Bayerns, der am Obermain eine Vorreiterrolle für die weiß-blaue Krankenhauslandschaft übernimmt. In Lichtenfels entsteht das erste „Green Hospital Bayern“.

Einmalig in Bayern

Mit der rund 117-Millionen-Euro-Investition - 82 Millionen steuert der Freistaat Bayern bei - will man wieder einmal Maßstäbe setzen. Ein Vorhaben, von dem Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml sagt: „Das Projekt ist einmalig in Bayern. Es ist ein Leuchtturmprojekt, von dem die gesamte Krankenhauslandschaft lernen kann.“ Während die Ministerin bei dem Neubau von einer „sinnvollen Investition“ spricht, deren „Einsparpotenziale bei den Betriebskosten wieder zu Gunsten der Patienten, zum Beispiel in Form einer besseren Personalausstattung und medizinischen Ausrüstung eingesetzt werden können“, sieht der Landrat von Lichtenfels, Christian Meißner, in dem Neubau eine Investition in die Zukunft des Landkreises. „Wir setzen hier ein deutliches Zeichen gegen den demografischen Wandel in der Region.“
Damit meint er nicht nur die Pflichtaufgabe des Landkreises, die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten: „Mit der Sicherung des Krankenhausstandorts stärken wir den Landkreis Lichtenfels als Medizin-, Arbeits- und Wohnstandort. Wir setzen ein deutliches Zeichen, dass man hier am Obermain gut leben kann.“ Man liefere damit auch den heimischen Unternehmen ein Argument beim Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte. Und das gelte nicht zuletzt auch für die „Sicherung und den Ausbau von hochqualifizierten Arbeitsplätzen“ am Klinikum selbst. Denn das Helmut-G.-Walther-Klinikum sei nicht nur der größte Arbeitgeber in der Stadt Lichtenfels, sondern auch einer der größten im Landkreis.

"Green Hospital Bayern"

Den „Stellenwert, den eine hochwertige medizinische Versorgung in allen Landesteilen für die Bayerische Staatsregierung“ habe, hob Huml in ihrer Rede zur Grundsteinlegung hervor. Die Initiative „Green Hospital Bayern“ zeige auch, dass die „bayerische Nachhaltigkeitsstrategie keine bloße Absichtserklärung“ sei. „Die Lichtenfelser“, so die Ministerin weiter, „zeigen, wie es mit der wohnortnahen Versorgung geht. Denn: es muss uns um die Menschen und deren Wohlbefinden gehen“.
Die Entscheidung, den am 27. Juli 2009 vom Lichtenfelser Kreistag  beschlossenen Ersatzneubau des Helmut-G.-Walther-Klinikums als Leuchtturmprojekt für Nachhaltigkeit auszubauen und mit acht Millionen Euro aus dem Programm „Aufbruch Bayern“ zu fördern, war 2011 getroffen worden. Lichtenfels ist der erste vollständige Krankenhausneubau seit vielen Jahren in Bayern. Das alte Krankenhaus wies erheblichen Sanierungsbedarf auf. Berechnungen hatten ergeben, dass ein Neubau nicht erheblich teurer als die Generalsanierung des Altbaus ausfallen würde, die zudem erhebliche Belastungen für Mitarbeiter und Patienten während der Bauzeit gebracht hätte. Der Neubau, der bis Ende 2017 fertig sein soll, ist gut 14 000 Quadratmeter groß und hat Platz für 276 Betten. In der Größe entspricht das in etwa den jetzigen Verhältnissen. In der Ausstattung ist es aber ein Quantensprung.

Energieeffizienz und Ökologie

Denn es bietet sich die Chance, die neuesten Erkenntnisse hinsichtlich Energieeffizienz und Ökologie zu berücksichtigen. So soll das Krankenhaus durch Solar-, Geothermie- und Photovoltaikanlagen sowie eine Holzhackschnitzelheizung zwölf Prozent seines Strom- und 26 Prozent seines Heizbedarfs selbst erzeugen können.
Aber auch die Arbeits-, Prozess- und Betriebsabläufe des neuen Lichtenfelser Klinikums sollen durch die Gebäudestruktur so optimiert werden, dass die Mitarbeiter in ihrer Arbeit unterstützt werden und der Patient den Aufenthalt als möglichst angenehm empfindet. Dabei wird die Patientenaufnahme im Erdgeschoss die zentrale Wartezone sein, von der aus der Patient in die Untersuchungs- und Behandlungsräume gelangt. Klinik-Geschäftsführer Michael Jung: „Im ersten Stock befindet sich die Untersuchungs- und Behandlungsebene von OP über Kreißsaal, Endoskopie, Herzkatheter und Intensivstation etc., während die beiden Etagen darüber den Patientenaufenthalten vorbehalten sind.“

Neuer Krankenhaustyp

Die Patientenbetten werden sämtlich mit einem eigenen Monitor für Funktionen wie Telefonieren, Internetzugang oder Essensbestellung ausgestattet. Vom Bett aus sollen Heizung, Sonnenschutz und Beleuchtung regulierbar sein. Die Krankenzimmer werden ohne Heizkörper im Niedrigenergiestandard entstehen. Zur Isolierung nach außen gibt es eine 3-fach-Verglasung der Fenster mit Solarzellen als Sonnenschutz. Für die Fußbodenheizung in den Patientenzimmern wird Geothermie genutzt. Eine Betonkernaktivierung in den Wänden sorgt im Sommer für Kühlung, im Winter trägt sie zur Erwärmung bei.
„Wir sprechen hier in Lichtenfels von der Geburtsstunde eines neuen Krankenhaustyps.“ Das sagte Marcel Huber, damals noch Umwelt- und Gesundheitsminister, am 23. Oktober 2012 beim symbolischen ersten Spatenstich. Das Konzept aus Lichtenfels spiele deutschlandweit in der Champions League. Und so überreichte Huber an Landrat Meißner bereits vor dem ersten Spatenstich eine Urkunde in „Gold“ von der deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (Vorzertifizierung). (Mathias H. Walther)

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