Bauen

Das neue Kompetenzzentrum an der Landsberger Straße. (Foto: Friedrich H. Hettler)

09.05.2014

Ein Leuchtturmprojekt

Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz in München eingeweiht

Mit einem Festakt wurde nach dreijähriger Bauzeit am 4. April 2014 das neue Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz in der Landsberger Straße 367-369 in München offiziell eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. In München leben gegenwärtig rund 250 000 Menschen die 65 Jahre und älter sind – 23 000 von ihnen sind an Demenz erkrankt, so die offiziellen Zahlen. „Angesichts dieser Zahlen ist Demenz eine der großen gesellschaftlichen Herausforderung der Gegenwart“, sagten Jürgen Salzhuber, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (AWO) München, und Hermann Schoenauer, Rektor und Vorstandsvorsitzender der Diakonie Neuendettelsau. „Deshalb haben wir uns entschlossen, diese Herausforderung anzunehmen und das Kompetenzzentrum Beraten-Wohnen-Pflegen gebaut. Das neue Zentrum soll Leuchtturm, Wegweiser und Zukunftsprojekt für den innovativen Umgang mit der Krankheit und für die professionelle Unterstützung der Menschen mit Demenz sein.“
Rund 31 Millionen Euro haben die AWO München und die Diakonie Neuendettelsau im Münchner Westen investiert. Auch öffentliche Fördergelder wurden für das Projekt gewährt. Zuschüsse von insgesamt rund vier Millionen Euro kamen von der Landeshauptstadt München, der Bayerischen Landesstiftung sowie dem Deutschen Hilfswerk, einer Stiftung des bürgerlichen Rechts (SdbR), und der Deutschen Fernsehlotterie.
Beraten, Wohnen und Pflegen unter einem Dach – mit diesem Konzept betreiben die AWO München und die Diakonie Neuendettelsau das neue Kompetenzzentrum für ältere Menschen und Menschen mit Demenz. Das Zentrum steht für ein interdisziplinäres, vernetztes Leistungsprofil im Zeichen der Kompetenz im Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Das stationäre Leistungsangebot soll vernetzt werden mit Angeboten der Untersuchung und Beratung. Dazu gehören eine Demenzambulanz, das Modellzimmer „technikunterstütztes Wohnen für Demenzkranke“, eine Arztpraxis und gerontopsychiatrische Dienste. Eine fachliche Partnerschaft mit Forschung und Lehre ist bereits institutionalisiert.
„Wir haben uns für dieses gemeinsame Projekt entschieden, weil die Diakonie Neuendettelsau und die Arbeiterwohlfahrt München die gemeinsame Ausrichtung am Wohl des Klienten und die Übernahme von Verantwortung gegenüber gesellschaftlichen Herausforderungen verbindet“, so Schoenauer. Deshalb haben beide Partner, deren sozialethisches und sozialpolitisches Profil sich nachhaltig bewährt haben und sich hervorragend ergänzen, die „Social Care Services Europe“ gegründet. Der operative Betrieb der SoCaSe entwickelt sich gemäß den Zielen und Werten der Trägerleitbilder: Christlichkeit, Professionalität und Wirtschaftlichkeit (Diakonie Neuendettelsau) sowie Solidarität, Fachkompetenz und Wirtschaftlichkeit (Arbeiterwohlfahrt München).
Individualität kann sich am besten in einer vertrauensvollen und solidarischen Gemeinschaft entfalten, sind sich die Betreiber einig. Eine professionelle, fachkompetente Betreuung sichert die Bedürfnisse hilfebedürftiger und kranker Menschen und fördert den größtmöglichen Erhalt ihrer Fähigkeiten und ihrer Selbständigkeit. Soziale Dienstleistungen werden durch effiziente Arbeitsweise am besten nachhaltig und wirkungsvoll realisiert, erklärten Schoenauer und Salzhuber die Ziele für die Arbeit im Kompetenzzentrum.

Wertschätzung
der Persönlichkeit


Das Pflege- und Betreuungskonzept der Kompetenzzentren wurde so gestaltet, dass die Persönlichkeit des Bewohners wertgeschätzt wird. Der Mensch soll sein gewohntes Leben so weit wie möglich „normal“ weiterleben, nur unter veränderten Rahmenbedingungen. Biographiearbeit und zeitgeschichtliches Wissen tragen dazu bei, verschiedene Milieus einzurichten, in denen die Menschen sich wohlfühlen können. In den Wohnbereichen wird das Prinzip verfolgt „so viel Normalität und Eigenverantwortung wie möglich, so viel Betreuung, Hilfe und Sicherheit wie nötig“.
Die vollstationären Pflege- und Betreuungseinrichtungen bieten des Weiteren Kurzzeitpflege- und Tagespflegeplätze an. In der Einrichtung ist jeweils ein beschützender Bereich für Bewohner mit Weglauftendenzen integriert.

117 Plätze auf
vier Geschossen


Der von feddersenarchitekten, Berlin, entworfene Neubau gliedert sich in zwei Abschnitte. Im westlichen Gebäudetrakt verteilen sich in einer Wohngruppenstruktur 117 Plätze über vier Geschosse. Entsprechend den Bedürfnissen der Bewohner werden verschiedene Angebote, in denen alle Abstufungen von Betreuung – zwischen Wohnen und intensiver Pflege – zur Verfügung stehen, sagte Architekt Eckhard Feddersen während der Vorstellung des Gebäudes. Der zweite Gebäudeteil beherbergt eine Kinderkrippe, Arztpraxen, Büroflächen und Personalwohnungen. Hier stehen Betroffenen und ihren Angehörigen sozial- und gerontopsychiatrische Beratungsstellen zur Verfügung.
Städtebaulich fasst der langgestreckte Gebäuderiegel den Straßenraum an der Südseite der Landsberger Straße und schirmt das angrenzende Wohngebiet gegen den Verkehrslärm ab. Gläserne Treppenhäuser und ein Staffelgeschoss lockern den Baukörper auf. An seiner Südseite wird er über mehrere Etagen abgestuft und vermittelt so zu den Reihenhauszeilen in der Nachbarschaft. Hier liegen auch die Gärten des Kompetenzzentrums, die teils öffentlich zugänglich, teils den Bewohnern vorbehalten sind. (BSZ)

(Der Haupteingang des Kompetenzzentrums; in diesem Teil des Gebäudes befindet sich die Kinderkrippe - Fotos: Friedrich H. Hettler)

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