Bauen

Rund sieben Millionen Euro wurden in den Umbau und die Sanierung investiert. (Foto: Georg Drexel)

07.06.2013

Ein Projekt in sechs Bauabschnitten

Umbau und Generalsanierung der Grund- und Mittelschule Pfaffenhausen

Das Projekt des Umbaus, der Erweiterung und Generalsanierung der Grund- und Mittelschule Pfaffenhausen begann im Juni 2004. Die gesamte Bauphase wurde in sechs einzelne Bauabschnitte gegliedert, deren Einteilung sich aus der räumlichen Struktur des Bestands ergab. So konnte die Umbau- und Sanierungsphase parallel zum normalen Schulbetrieb stattfinden. Mit einer Bausumme von sieben Millionen Euro wurde eine Grundfläche von 3598 Quadratmetern und 21 980 Kubikmetern umbauter Raum realisiert. Bauherr war der Schulverband Pfaffenhausen. Mit der Planung beauftragt war das örtliche Architekturbüro Jakob Architekten.
Der erste Bauabschnitt (Bauteil C) war das Bestandsgebäude der ehemaligen Turnhalle und des Schwimmbads. Der Erhalt des Schwimmbads stand lange Zeit zur Diskussion. Die Substanz des Bestands wurde jedoch durch das Pfingsthochwasser im Juni 2002 so sehr geschädigt, dass eine Sanierung unrentabel w9rde. Dies war ausschlaggebend für die Entscheidung gegen den Erhalt des alten Schwimmbads und für den Neubau einer Dreifach-Turnhalle.
Hieraus resultierend ergab sich eine komplette Nutzungsänderung für das Bauteil. Die ehemalige Sporthalle, die sich im oberen Stockwerk befand, wurde zu einer Aula und einem Mehrzweckraum umfunktioniert. Mit einer großen Küche ergänzt, konnte durch diese Räumlichkeit das Angebot einer Mittagsbetreuung realisiert werden. Auch das untere Stockwerk, der ehemalige Schwimmbadbereich, erhielt eine komplett neue räumliche Nutzung. Dort befinden sich nun die Räume der offenen Ganztagesschule und verlängerten Mittagsbetreuung. Ein großer Werk- und Aufenthaltsraum offerieren eine breit gefächerte Palette an Beschäftigungsmöglichkeiten.
Die Angebote der Mittags- und Ganztagesbetreuung erfreuen sich einer sehr positiven Resonanz und stetig wachsender Nachfrage.
Außerhalb des normalen Schulbetriebs kann die Aula von ortsansässigen Vereinen genutzt werden. Zudem ist sie Veranstaltungsraum für die Gemeinde Pfaffenhausen und kann ferner, Dank der großen Bühne, für Theateraufführungen genutzt werden. Aufgrund dieser zusätzlichen, externen Nutzung wird die Aula additiv über einen separaten Zugang erschlossen, der über eine außenliegende Treppe erreicht wird.
Über die komplette Gebäudeflanke des Eingangsbereichs schiebt sich, mit einer schützenden Geste weit auskragend und sehr kontrastreich, eine filigrane Vordachkonstruktion. Ihre Stützen definieren optisch den überdachten Außenbereich. Zum einen dient der geschützte Vorplatz den Besuchern der Veranstaltungen als beliebter Treffpunkt, zum anderen ist die Terrasse der Mittags- und Ganztagesbetreuung ebenfalls witterungsgeschützt. Des Weiteren wird dieser markante Bereich gleich als Eingangszone wahrgenommen und fungiert somit als visuelle Orientierungshilfe.
Der zweite Bauabschnitt (Bauteil A) wurde im Unter- und Erdgeschoss generalsaniert und erhielt eine Aufstockung. Auf diese Weise wurde Platz für vier neue Klassenzimmer gewonnen.
Da dieses Bauteil die zentrale Erschließungsfunktion für die anderen Gebäudeteile impliziert, erhielt es einen Aufzug, um, aus Gründen der Inklusion, eine Barrierefreiheit für jedes Stockwerk zu erzielen.
Bei der Sanierung wurde darauf geachtet, möglichst viel von der Altsubstanz zu erhalten und möglichst wenig in bestehende Strukturen einzugreifen. Aus Gründen der Kostenminimierung wurden zudem werthaltige Materialien, wie zum Beispiel die gut erhaltenen Natursteinböden, bewahrt.
Die Fenster wurden flurseitig bodentief geöffnet. Als Ergebnis erhielt man eine gute Belichtung mit natürlichem Tageslicht und ein angenehmes, freundliches Raumklima. Diesem Bauteil vorgelagert, befindet sich der Haupteingang der Schule. Er wurde, ebenso wie der Eingangsbereich der Aula, gestalterisch besonders akzentuiert. Mit einer baugleichen Dachkonstruktion versehen, charakterisiert sich auch dieser Bereich und wird optisch hervorgehoben. Entwurfstechnisch wurde so eine Analogie der beiden Haupteingangsbereiche geschaffen.
Der Raum um die Aufgangstreppe wurde komplett verglast. Dies schafft gestalterische Transparenz und Leichtigkeit. Funktional dient es als eine Art Windfang für den angrenzenden Innenbereich in dem sich unter anderem der Pausenverkauf befindet, was energetisch von hohem Vorteil ist.
Ferner entstand im Vorraum der Treppe eine beliebte Wartezone mit Sitzgelegenheit für Schüler, da durch den freien Blick nach außen die vorbeiführende Straße gut überschaubar ist. So ist dieser Bereich ideal, um vor Witterung geschützt, auf Abholung zu warten.
Im dritten und vierten Bauabschnitt (Bauteil B + F) wurden die Bestandsgebäude ebenfalls grundsaniert. Auch hier wurden die Fensterfronten der Flure bodentief geöffnet.
Der fünfte Bauabschnitt (Bauteil X) beinhaltet die Schulbücherei und weitere Klassenzimmer. Hier wurde ebenfalls eine Grundsanierung vollzogen.
Mit der sechsten Bauphase (Bauteil D + E) wurden die Umbau- und Sanierungsmaßnahmen an der Grund- und Mittelschule abgeschlossen. Auch hier wurden Klassen- und Verwaltungsräume baulich saniert.
Zum Anbringen einer Photovoltaikanlage und zur Optimierung der Dämmwerte wurden aus den ehemaligen Flachdächern größtenteils asymmetrisch verlaufende Satteldächer.
Um die einzelnen, unterschiedlichen Gebäudeteile der Schule zu einer gefühlten Ganzheit zusammenzuführen, wurde ein einheitliches Farb- und Gestaltungskonzept gewählt. Elemente dieses Grundkonzepts finden sich in den jeweiligen Gebäudeteilen wieder. Sie werden entweder in gleicher Form wiederholt oder in abgeänderten Varianten zum Einsatz gebracht. Für die Farbgestaltung wurde ein 4-Farben-Konzept mit den Komponenten Blau, Grün, Orange und Grau gewählt. Blau vermittelt Ruhe, Orange Energie und Kraft, Grün wirkt harmonisierend. Der Grauton wird als vermittelnde, neutrale Farbe zwischengeschaltet.
Auflockernd und einladend präsentieren sich die Fassaden in ihren unterschiedlichen Farbgebungen. Zudem dient die farbliche Gestaltung der Zonierung der einzelnen Bauteile. So erhielten die in West-Ost-Richtung verlaufenden Bauteile die Farben Grau und Blau. Die sich in Nord-Süd-Richtung erstreckenden Bauteile wurden mit den Farben Orange und Grün versehen.
Die Farbgestaltung erfolgte mittels farbigen Faserzementplatten. Aufgrund ihrer extrem hohen Farbbeständigkeit erweisen sie sich als besonders nachhaltig. Einzelne Platten lassen sich, zum Beispiel bei auftretender Verschmutzung, zudem problemlos austauschen.
Im Innenbereich setzt sich das Farbkonzept fort. Schon am Eingang wird mittels bunter Lichtsäulen diese fröhliche Farbigkeit nach innen transportiert. Die einzelnen Erschließungsflure wurden auf jeweils derselben Wandseite mit einem bestimmten Farbton aus dem Farbkonzept versehen. Dies erleichtert die Orientierung in den einzelnen Geschossen, was vor allem für die Grundschüler besonders wichtig ist.
Bestimmte Bereiche, die als Treffpunkte fungieren sollen, wurden gestalterisch besonders betont. Zur Ausarbeitung der einzelnen Elemente wurde hier das Material Holz gewählt, da es eine warme, heimelige Atmosphäre vermittelt. Aus diesem Grund wurde zum Beispiel die Theke für den Pausenverkauf, diverse Sitzgelegenheiten im Innen- und Außenbereich und die Garderobenwände aus Holz gefertigt.
Die organische Ausformung der hölzernen Sitzinseln sowie des Thekenbereichs unterstreicht zugleich die harmonische, warme Ausstrahlung des Materiales Holz. Die Sitzoasen sind ein Ort der Begegnung und laden zur sozialen Interaktion und Kommunikation ein.
Gläserne, schmale Wandelemente dienen der Raumaufteilung und verkürzen optisch die langen Gänge, ohne diese unnötig zu verdunkeln. Mit transluzenten Photofolien bedruckt, bilden sie zudem farbenfrohe Akzente. Im Eingangsbereich der Schulaula werden diese Gestaltungselemente wiederholt eingesetzt. Das entwurfstechnische Detail des farbigen Glases wird auch im Bereich der Treppenhäuser angewandt. So wurden die Treppengeländer mit colorierten Glaspanelen verkleidet. Sie bilden auch hier abwechslungsreiche, farbenfrohe Kontraste und schaffen eine stimmungsvolle Atmosphäre.
Die landschaftsarchitektonische Gestaltung der Freibereiche rundet das harmonische Erscheinungsbild der Schule nach außen hin ab. Die sich aus der Anordnung der Baukörper ergebenden Freiflächen wurden im Zuge der Sanierungsmaßnahmen großflächig entsiegelt. Dadurch entstanden neue Flächen für die Pausenhofgestaltung. Diese gliedern sich grundlegend in fünf große Bereiche. Sie bieten den Schülern verschiedene Möglichkeiten der Pausengestaltung.
Für die Schüler der Mittelschule entstand der Hof „4life“ mit den Schwerpunkten Spiel und Bewegung, der Hof „4sounds“ für Ruhe und Kommunikation und ein Hof zum Thema Sport und Bewegung, genannt „4sports“. Der Bereich „4nature“ kann von den Schülern der Grund- und Mittelschule gemeinsam genutzt werden. Es handelt sich hierbei um einen naturnah gestalteten Freiraum mit Teich und Schulgarten. Das Bienenhaus der Schulgartengruppe bekam hier ebenfalls einen neuen Platz. Die Grundsschüler erhielten überdies einen separaten Pausenhofbereich, „4idea“, der sich direkt an den bestehenden Verkehrsgarten anschließt. Mittelpunkt der Spielwiese für die jüngeren Schüler ist hier eine Kombinationsspielanlage mit Rutsche.
Mit der Gestaltung der Außenbereiche wurde ebenso wie bei der Innenraumgestaltung das Ziel verfolgt, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Die Schule sollte nicht nur als ein Ort des Lernens sondern auch als ein Platz für kollegiales Miteinander und sozialem Treffpunkt verstanden werden.
(Stefanie Glass)

(Die neue Sporthalle bei Nacht; die neue Aula; die Eingangstreppe mit den Lichtsäulen und ein Blick in die Sporthalle - Fotos: Georg Drexel)

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