Bauen

Das "El Capricho" von Antoni Gaudí in Comillas. (Foto: Wiegand)

01.11.2013

Eine Gaudi mit Gaudí

Architektonischer Streifzug durch Santander und Kantabrien

Drei Dinge sind, so heißt es, beim Hausbau oder Mieten wichtig: die Lage, die Lage, die Lage. So gesehen hat Santander, die Hauptstadt Kantabriens, alles richtig gemacht. Wie schön schmiegt sie sich in eine Meeresbucht. Selbst in der Stadt gibt es gute Strände, wie den beliebten Sardinero-Strand. Spaniens König Alfonso XIII. verbrachte Anfang des 20. Jahrhunderts in Santander seinen Sommerurlaub. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Kathedrale aus dem 13./14. Jahrhundert, die erkennbar zu einer früheren Festung gehört. Zwei gotische Gotteshäuser hat man hier übereinander gebaut und Renaissance-Zierrat hinzugefügt. Anderes wurde 1941 durch den Stadtbrand zerstört.
Beim Wiederaufbau erwies man Geschmack. Ansehnliche vierstöckige Häuser reihen sich in den hügelan führenden Straßen, zumeist dezent farbig und mit hölzernen Veranden, wie in Seebädern üblich. Die silbrige, walähnliche 2003 erbaute Sporthalle, konzipiert von Julián Franco und José Manuel Palao, ist der bisher einzige moderne Kontrastbau. Doch das ändert sich. Stararchitekt Renzo Piano errichtet gerade neben der ehemaligen Landungsbrücke (Palacete del Embarcation) und gegenüber der protzigen Hauptverwaltung der (durchaus gesunden) Banco Santander das „Botín Art Center“. Ein Kunstzentrum direkt am Meer und offen für alle mit dem Ziel, die City mit der Bucht zu verzahnen.
Gleichzeitig wird der jetzige Stadtpark bis zu Pianos Bauten vergrößert. Der Seeblick bleibt den Flanierenden erhalten, schwebt doch das lichte zweiteilige Gebäude, das an zwei Raumschiffe erinnert, größtenteils in Baumkronenhöhe über dem Boden. Außerdem wird ein steinerner Steg wie ein Pier ins Wasser ragen. Gegen Pianos Pläne gab es wegen des Standorts anfangs Proteste. Doch der Italiener, stets flexibel, hat den Bau verkleinert und so den Kritikern den Wind aus den Segeln genommen. Denn zur Segel-Weltmeisterschaft im September 2014 soll das „Botín Art Center“ fertig sein und die Besucher beeindrucken.
Kantabrien insgesamt zeigt sich überraschend grün und fruchtbar. Landflucht ist kein Thema. Dörfer und Städtchen mit Mittelalter-Ambiente, wie das denkmalgeschützte Potes, bewahren ihre Traditionen. Der nördliche Pilgerweg nach Santiago de Compostela berührt solch kleine Orte. Einige haben sich zu Magneten entwickelt, so Santillana del Mar. Highlights sind hier das vor 1200 Jahren gegründete Benediktinerkloster und die der Hl. Juliana geweihte Stiftskirche, Kantabriens Romanik-Juwel.

Hundertwasser
ließ sich inspirieren


Eine echte Gaudi bietet schließlich das Städtchen Comillas. Nicht nur wegen des historischen Stadtkerns, sondern wegen Antoní Gaudí (1852 bis 1926). Der errichtete dort von 1883 bis 1885 für den exzentrischen Máximo Diaz de Quijano das „El Capricho“, ein kunterbuntes Fantasie-Haus im Modernisme-Stil, der orientalisch beeinflussten katalanischen Version des Jugendstils. Wer angesichts des verspielten Baus an Friedensreich Hundertwasser (1928 bis 2000) denkt, liegt richtig. Der hat sich tatsächlich von Gaudí inspirieren lassen. Jedenfalls war das „El Capricho“ der Durchbruch für Gaudí, der 1878 nur mit Mühe das Architekturexamen bestanden hatte.
„Qui sap si hem donat el diploma a un boig o a un geni: el temps ens ho dirà“, zweifelte Elies Rogent, der Institutsdirektor („Wer weiß, ob wir den Titel einem Verrückten oder einem Genie gegeben haben – nur die Zeit wird es zeigen“). Sie hat es gezeigt, siehe auch Gaudís Hauptwerk, die alle Normen sprengende Kirche „Sagrada Familia“ in Barcelona. Nach 100-jähriger Bauzeit harrt sie noch immer der Vollendung. (Ursula Wiegand)

(Die Sporthalle in Santander sowie ein Blick auf das denkmalgeschützte Potes - Fotos: Wiegand)

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