Bauen

Der Gesamtplan des Ringschlusses. (Plan: Obermeyer Planen + Beraten)

26.07.2013

Eine Umgehungsstraße für die Innenstadt

In Aschaffenburg ist die Ringstraße nun tatsächlich auch ein Ring

Die Aschaffenburger atmen auf, denn endlich ist die Ringstraße wirklich ein Ring. Mit dem Ringschluss Ost wird ein außergewöhnliches Straßenbauprojekt beendet. Die Ringstraße zieht sich von Damm aus kreisförmig um den Westen, Osten und Süden Aschaffenburgs. Ganz fertig ist der Ring allerdings noch nicht. Denn in den nächsten Jahren gehen die Arbeiten an der Bahnparallele weiter. Die Bahnparallele hat zwei Funktionen, sie soll den Bahnhof-Nord erschließen und die Schillerstraße in ihrer Funktion als Nordtangente ersetzen. Folgerichtig wird sie inzwischen deshalb auch offiziell als „Nordring“ bezeichnet.
Bereits in den 1920er Jahren wurde eine Ringstraße um die Innenstadt angedacht. Die Verwirklichung dieses Großprojekts wurde allerdings erst 1982 mit einer von Obermeyer Planen + Beraten, München, erbrachten Machbarkeitsstudie konkret eingeleitet. In den folgenden Jahren wurden die Ergebnisse dieser Studie in den Generalverkehrsplan eingearbeitet. Die Umsetzung des Vorhabens sollte stufenweise entsprechend der städtebaulichen Dringlichkeit und der Finanzierbarkeit erfolgen.
Mit dem Ausbau der 465 Meter langen südlichen Mainbrücke zu einer vierspurigen Brücke wurde 1989 der Teilabschnitt „Südliche Ringstraße“ nach der Gesamtplanung von Obermeyer begonnen. Neben der Brückenplanung stellten unter anderem ein 200 Meter langer Straßentunnel zur Unterquerung von Straßen- und Grünanlagen sowie der Bau einer 125 Meter breiten Landschaftsbrücke anspruchsvolle Herausforderungen dieses Planungsabschnitts dar. Der letzte Bauabschnitt der Südlichen Ringstraße wurde 1998 freigegeben.
1999 wurde mit dem Bau des „Ringschluss Ost“ begonnen, für den Obermeyer ebenfalls die Gesamtplanung erbracht hatte. Ein wichtiges Ziel dieses Abschnitts war die Wiedervereinigung eines historischen, stadtbedeutenden Grünzugs, der sich von der Fasanerie stadteinwärts bis zur so genannten Großmutterwiese erstreckt und fast ein Jahrhundert lang durch die Bahnlinie Aschaffenburg-Miltenberg gequert wurde. Hier wurde die Einschnittslage von Ringstraße und Bahn zur Ausbildung einer 175 Meter breiten Landschaftsbrücke genutzt und der Grünzug somit wiederhergestellt. Die Querung des Einfahrtsbereichs der weit aufgefächerten Bahnanlagen vor dem Hauptbahnhof stellte den schwierigsten Planungs- und Bauabschnitt des Ringschlusses Ost dar. Hier wurde unter Aufrechterhaltung des Eisenbahnbetriebs mit ICE-Verkehr ein vierspuriger Tunnel realisiert. Gleichzeitig erforderte die Tiefenlage die Ausbildung einer längeren Grundwasserwanne.
Der Durchgangsverkehr sowie der Verkehr zwischen den Stadtteilen kann jetzt nach Fertigstellung auf der Ringstraße fließen. Auch ein neues Netz an Rad- und Gehwegen bis hin zur Goldbacher Straße ist entstanden. Der Ringschluss bringt für die „Ringersatzstraßen“, auf denen sich bisher dieser Verkehr bewegte, eine spürbare Entlastung. Damit diese Entlastungseffekte möglichst groß ausfallen, waren die für den Verkehr freigegebenen Bauabschnitte der Ringstraße in den letzten 20 Jahren immer von ergänzenden Maßnahmen an diesen „Ringersatzstraßen“ begleitet. Halb soviel Verkehr brachte dies etwa für das Hefner-Alteneck-Gebiet, die Südbahnhofstraße und das Brentano-Viertel. Auch jetzt beim letzten Bauabschnitt der Ringstraße muss der Entlastungseffekt für die „Ringersatzstraßen“ möglichst groß ausfallen. Deshalb behält die Stadt das bewährte Verfahren bei und verändert den Straßenraum.
Im Rahmen der Planfeststellung wurden Verkehrsprognosen erstellt. Sie lassen Verkehrsentlastungen in den bisher viel befahrenen Straßen der Innenstadt erwarten. Diese Verkehrsentlastungen werden wohl erst nach einiger Zeit zu spüren sein. Denn die Verkehrsteilnehmer brauchen Zeit, um sich auf eine neue Verkehrsführung einzustellen. Dann kann man auch in diesen Straßenräumen über eine Neuordnung des Verkehrsraums nachdenken.

Zwei breite Grünbrücken über dem Bahngraben

Die Stadtverwaltung wird deshalb die Veränderung der Verkehrsabläufe im östlichen Stadtgebiet in den nächsten Monaten intensiv beobachten und dokumentieren. Dies gilt auch für den Straßenzug Löhergraben – Wermbachstraße – Alexandrastraße – Würzburger Straße – Hofgartenstraße. Diese Wegstrecke wird heute zur östlichen Stadtumfahrung genutzt. Veränderungen in der Ampelschaltung sind an der Kreuzung Weichertstraße/Goldbacher Straße notwendig, da an dieser Stelle künftig die Weiterführung auf den großen Ringknoten Schönbornstraße/neue Glattbacher Straße notwendig ist, um auch aus der Ostrichtung die innere Goldbacher Straße zu entlasten.
Unmittelbar nach der Ringstraßeneröffnung beginnt die Umgestaltung des Wittelsbacher Rings zwischen Deschstraße und Lindenallee. Der Wittelsbacher Ring wird als Verbindungsstraße vollständig aufgegeben. Die Lindenallee erhält eine Busspur stadteinwärts. Diese Maßnahmen sind notwendig, um den historischen Grünzug vom Schlossgarten zum Godelsberg im Bereich Großmutterwiese und Fasanerie wieder herzustellen. Dies ist ein Element der historischen Stadterneuerung, das in diesem Umfang in Aschaffenburg bisher einmalig ist.
Der Bau der Ringstraße eröffnete die Chance, den tiefen Bahngraben durchlässiger zu machen. Zwischen Schweinheimer Straße und Goldbacher Straße überspannen nun, wie bereits erwähnt, zusätzlich zu den vorhandenen Brücken zwei breite „Grünbrücken“ den Bahngraben und verbinden damit die Siedlungsräume auf 120 beziehungsweise 175 Metern Länge. Die jetzt mit dem Ringschluss Ost im letzten Bauabschnitt neu entstehende Grünbrücke zwischen Großmutterwiese und Fasanerie ist aber nicht nur ein Beitrag zur ökologischen Verbesserung und zur Aufwertung der Grünstrukturen der Stadt. Sie stellt auch den historischen Grünzug vom Main zum Vorspessart wieder her. Er war im 18. Jahrhundert auf den mittelalterlichen Wallanlagen der Stadt und im Bereich der kurfürstlichen Gärten und Forsten entstanden. Dieser historische Grünzug durchzieht Aschaffenburg auf einer Länge von etwa drei Kilometern von Ost nach West.
Zusätzlich zu all diesen Aspekten bietet die neu geschaffene Grünbrücke aber auch die Chance, das Angebot an Naherholungsräumen für die dicht besiedelten Stadtteile im Osten auszuweiten. Selbstverständlich wird sich dieses Naherholungsangebot an den Bedürfnissen der Menschen, die in der Umgebung wohnen oder arbeiten ausrichten. Denn es soll die Lebensqualität verbessern und muss daher vielfältige Ansprüche berücksichtigen und für verschiedene Altersgruppen offen sein.
Es entstehen deshalb neue Spazierwege, Treffpunkte im Grünen und Orte des Verweilens. Die neue Grünbrücke zwischen Großmutterwiese und Fasanerie bietet allen Aschaffenburgern schon bald die Gelegenheit, ungestört von der Verkehrssituation aus der Innenstadt in den Spessart zu spazieren. Auf diesem Weg wird es vieles zu entdecken geben, unter anderem auch einen kleinen Bach. Der seit Jahrzehnten im Kanal fließende Kühruhgraben wird auf einer Strecke von etwa 400 Metern wieder geöffnet werden. (BSZ)

(Die Grünbrücke am Südring; Ringschluss Ost und der Nordring, der noch im Bau ist - Fotos: Obermeyer Planen + Beraten)

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