Bauen

Der Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe. (Foto: Eva Kröcher)

08.10.2010

Einen modernen, eigenen Stil kreiert

Darmstadt: Geburtsort des Jugendstils

Eigentlich war Ernst Ludwig von Hessen, ein Enkel von Königin Viktoria, „Schuld“ daran, dass der Jugendstil nach Darmstadt kam: Durch seine England-Reisen inspiriert, gründete er 1899 auf der Mathildenhöhe eine Künstlerkolonie, die heute noch zu besichtigen ist. Dort ließ er – durch den Architekten Joseph Maria Olbrich – für „seine“ Künstler Peter Behrens, Hans Christiansen, Ludwig Habich und Patriz Huber ein Atelier einrichten. Kunst, so war ihr Motto, gehört nicht ins Museum, sondern belebt jedes Haus. Die Künstler wollten einen modernen Stil, einen Stil ihrer eigenen Zeit kreieren. Das gelang ihnen auch: Die schweren Möbel der Gründerzeit wurden durch zarte filigrane Motive nach dem Vorbild der Natur abgelöst. Lilien, Vögel und Seerosen galten als die beliebtesten Motive. Sie verzierten Tischbeine, Lampen, Bilderrahmen. Diese Arbeiten waren sehr aufwändig und wurden nur in Handarbeit hergestellt.
Neben München entwickelte sich im Laufe der Jahre Darmstadt zum zweiten Zentrum des Jugendstils in Deutschland. Geschichtlich steht der Jugendstil zwischen Historismus und moderner Kunst. Namensgeber dieser Stilrichtung war übrigens die Wochenzeitschrift „Die Jugend“, die erstmals im Mai 1896 in München erschien.
Die Mathildenhöhe bildet noch heute zusammen mit der Rosenhöhe, ein 1810 angelegter Landschaftspark, den wunderschönen Jugendstilhäusern und dem Hochzeitsturm ein bedeutendes Gesamtkunstwerk der Jugendstilzeit. Der 48 Meter hohe Hochzeitsturm ist übrigens das Wahrzeichen von Darmstadt. Das Gebäude ist ein Geschenk der Stadt an Großherzog Ernst Ludwig. Architekt Olbrich gestaltete diesen 1908 fertiggestellten Backsteinbau anläßlich der Hochzeit des Großherzogs mit Prinzessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich.
Architektonisch interessant sind die fünf abschließenden Bögen des Dachs, die an eine ausgestreckte Hand erinnern – daher auch der Spitzname „Fünffingerturm“. In der Eingangshalle des Turms sind zwei wunderschöne Mosaiken von Friedrich Wilhelm Kleukens, „Der Kuss“ und „Die Treue“, zu sehen. Sehenswert ist auch die Decke: Sie ist als Nachthimmel gestaltet.
Nur einen Katzensprung von der Mathildenhöhe entfernt liegt das Darmstädter Jugendstilbad. Während die Außenansicht an den Neoklassizismus erinnert, weisen die Innenräume hinsichtlich des Dekors Jugendstil auf. Schon im Eingangsbereich „schwimmen“ im meterhohen Deckenbereich verspielte Seepferdchen und Muschel-Ornamente. Nach einer umfangreichen Modernisierung in den letzten Jahren wurde das Bad liebevoll und in vielen Details des Jugendstils denkmalpflegerisch restauriert und den heutigen Bade- und Wellnessbedürfnissen angepasst – original Jugendstil „Made in Darmstadt“. (Sabine Neumann)

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