Bauen

Der Neubau der Frauenklinik am Klinikum Fürth. (Foto: Cadolto)

21.01.2011

Erbaut in 180 Tagen

Neubau der Frauenklinik am Klinikum Fürth in modularer Bautechnologie

Wenn ein Krankenhausneubau innerhalb kürzester Zeit bezugsfertig realisiert ist, dann wissen Kenner bereits, dass hier die modulare Bauweise zum Einsatz gekommen sein muss. Bei der Errichtung der neuen Frauenklinik des Städtischen Klinikums Fürth wurden die Vorzüge dieser Methode durch den Weltmarktführer Cadolto unter Beweis gestellt.
Das in Cadolzburg bei Nürnberg ansässige Unternehmen benötigte als Generalunternehmer gerade einmal 180 Tage für den Auftrag – inklusive des Kellers. Ende Januar 2010 erfolgte der erste Spatenstich, Mitte März startete Cadolto in seinem Werkshallen mit der Vorfertigung der insgesamt 141 Module, ab Ende Mai wurden die Raumeinheiten am Bauplatz in Fürth montiert und Mitte September konnte das 7250 Quadratmeter große Gebäude komplett ausgebaut übergeben werden.
„Hätten wir den Neubau in herkömmlicher Weise errichtet“, so Klinikums-Vorstand Peter Krappmann, „wären gut 18 bis 24 Monate ins Land gegangen. Soviel Zeit hatten wir aber nicht, zumal wir die bisherigen Flächen der Frauenklinik als Ausweichfläche für weitere Baumaßnahmen benötigen.“ Auch in punkto Qualität ist der Krankenhauschef von dem Ergebnis beeindruckt. „Unsere architektonischen Vorstellungen und unser medizinisches Raum- und Ausstattungskonzept wurden 1:1 exakt umgesetzt. Es gibt baulich keinen Unterschied zu anderen Gebäuden, auch und gerade der Lebensdauer nach.“ Ohne den „Mut und die Flexibilität der Behörden wäre unser Projekt gescheitert“, ist sich Krappmann sicher.
Zusatzvorteil: Da sich die Bauarbeiten vor Ort auf das Zusammenmontieren der werkseitig produzierten Module beschränkten und in rund drei Monaten erledigt waren, wurde der laufende Klinikalltag nicht beeinträchtigt. Cadolto lieferte die Module bereits komplett ausgestattet an, inklusive der gesamten Gebäudetechnik sowie Ausstattung mit Bodenbelägen, Fliesen, Wandbelägen und Möbeln.
Bei den Patientenzimmern wird bis zu neunzig Prozent der Arbeitsleistung im Werk erbracht. „Böden, Wandfarbe, Gardinen oder Wasserhähne sind schon an Ort und Stelle“, erklärt Michael Schäffler Cadolto-Vertriebsleiter. Kaum sind die Module angedockt, laufen verschiedene Prozesse parallel: Die Gewerke Sanitär, Heizung, Klima und Elektro werden mit dem bestehenden Netz verkoppelt. Räume, Bäder und Flure erhalten den letzten Schliff. Gewissenhaft und präzise wird Abschnitt für Abschnitt beendigt, geprüft und in Betrieb genommen. Modulübergreifend müssen Notstromversorgung, Brandschutz- und Entlüftungsanlagen voll funktionsfähig sein – im Ernstfall muss alles ruckzuck gehen. „Die Karenzzeit im Operationssaal ist kurz“, erläutert Projektleiter Uwe Holzenleuchter. „Spätestens nach anderthalb Sekunden läuft das Notstromaggregat.“
Der Neubau fügt sich mit seinen vier Geschossen stimmig in das Gesamtensemble der Klinik ein. Er schließt die Lücke zwischen Kinderklinik und Verwaltungsgebäude und beherbergt neben der Gynäkologie sowie der Geburtsklinik auch die Psychiatrische Tagesklinik für Kinder und Jugendliche sowie die Schmerztherapeutische Tagesklinik.
Die Architektur nimmt die Gestaltungselemente der beiden direkt verbundenen, ebenfalls noch jungen Gebäude der Kinderklinik sowie des Bildungszentrums auf und entwickelt sie weiter. Besonderer Wert wurde mit Blick auf das Leistungsspektrum einer Frauenklinik auf die Schaffung moderner Untersuchungs-, Behandlungs- und Patientenzimmer mit zeitgemäßer Technik in Kombination mit wohnlichen Akzenten gelegt.
Die direkte Verbindung zur Kinderklinik ist Teil des Versorgungskonzepts. Sie ermöglicht eine noch bessere Zusammenarbeit der Ärzte, die in der Kinderklinik und in der Frauenklinik an der Neugeborenen-Versorgung beteiligt sind.
Das Raumkonzept mit der Konzentration von Untersuchungs- und Behandlungsräumen im 1. Obergeschoss, der gynäkologischen Pflegestation im 2. Obergeschoss und der geburtshilflichen Pflege im 3. Obergeschoss orientiert sich an den Arbeitsabläufen in einer Frauenklinik und stellt die Patientin in den Mittelpunkt des Geschehens.
Das 16,5 Millionen Euro teure Projekt wurde aus dem Länderetat mit einem Betrag von 13,5 Millionen Euro bezuschusst. „Es ist das erste Mal, dass der Freistaat Bayern in dieser Größenordnung in ein modulares Klinikgebäude investiert“, stellt Cadolto-Prokurist Hermann Bauer erfreut fest. „Unsere modulare Technologie hat sich damit endgültig auch in Bayern als anerkannte und absolut gleichwertige Baumethode etabliert.“
Die neue Fürther Frauenklinik , geplant von Ludes Architekten Ingenieure hat eine Nutzfläche von 4000 Quadratmetern. 60 Kilometer Kabel und weit über 1000 Steckdosen, umgelegt auf 135 Segmente mit durchschnittlich je 25 Tonnen Gewicht, wurden verlegt und eingebaut. Im Neubau gibt es 45 Ein- und Mehr-Bett-Zimmer in gehobenem Standard.
Die Treppenhäuser und Wartezonen der neuen Fürther Frauenklinik sind als luftige Pfosten-Riegel-Fassade konzipiert – vertikale Pfosten und horizontale Riegel fixieren einzelne Scheiben, die sich als durchgehende Glasfront präsentieren. Der 20 Meter hohe, viergeschossige Modulbau schmiegt sich passgenau an die Klinik für Kinder und Jugendliche – gekonntes Bauen im Bestand. Die knapp 40 Meter breite und 45 Meter lange Komposition schlägt mit 3525 Tonnen Gewicht zu Buche.

Luftige Pfosten-Riegel-Fassade


Die Geburtshilfe wartet mit 40, die Gynäkologie mit 35 Betten auf. „Ein Zwei-Bett-Zimmer für Wöchnerinnen misst gut 25 Quadratmeter“, führt Projektleiter Holzenleuchter aus und verweist auf Böden in Holzdekor, Echtglasduschen, Sitzecke sowie Flachbildschirm und DVD-Spieler im Wahlleistungsbereich. Ebenso zeitgemäß und hochwertig ausgestattet sind Kreiß- und Operationssäle, Besprechungs-, Funktions- und Diagnostikräume.
Seit Oktober 2010 wachsen Frauen- und Kinderklinik nicht nur räumlich zusammen. „Wir arbeiten buchstäblich Wand an Wand mit der Neonatologie“, verdeutlicht Chefarzt Volker Hanf. „Eine ideale Voraussetzung für unser Perinatalzentrum Level 1.“
Kurze Wege und blitzschnelles Handeln garantieren die beiden Intermediate-Care-Einheiten. Wie bisher verbleiben die sechs Plätze der Neonatologie auf der Wochenstation. Neu hinzu kommen zwei Betten für Hochrisiko-Patientinnen nach Operationen oder rund um die Entbindung.
Nicht nur Mütter und Säuglinge profitieren von der direkten Anbindung an die Kinderklinik. Neben einer Konsolidierung der hauswirtschaftlichen Abläufe rechnet Krappmann mit Synergieeffekten bei Medizin und Pflege. „Eine Kinderkrankenschwester kann auf der Gynäkologie aushelfen, die Aus- und Weiterbildung wird vielfältiger und besser verzahnt.“
Die Fürther Frauenklinik mit Geburtshilflicher Abteilung („Nathanstift“) fächert sich auf in drei Zweige: Geburtshilfe als Perinatalzentrum Level 1 (gemeinsam mit der Klinik für Kinder und Jugendliche), Gynäkologie mit Kompetenzschwerpunkt Gynäkologische Onkologie sowie das zertifizierte interdisziplinäre Brustzentrum. Mit rund 1600 Entbindungen im Jahr zählt die Geburtshilfliche Abteilung zu den großen Einrichtungen in Bayern.
Die Anfänge des Nathanstifts liegen im Jahr 1906: Der Fürther Rechtanwalt und Philanthrop Alfred Nathan (1870 bis 1922) vermachte der Stadt Fürth 300 000 Reichsmark, um ein Wöchnerinnen- und Säuglingsheim zu gründen. Aus dem Nathanstift ging die Fürther Frauenklinik hervor, deren Geburtshilfliche Abteilung noch immer mit Stiftungsmitteln unterstützt wird. (FHH)

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