Bauen

17.09.2010

Es kriselt noch immer

Studie zur Lage der Baustoff- und Bauzulieferindustrie

 Die Wirtschaftskrise hat einen großen Teil der Baustoff- und Bauzulieferindustrie erfasst. Inzwischen spüren 88 Prozent der Unternehmen die Krise und ihre negativen Auswirkungen. Fast 50 Prozent gehen jedoch davon aus, dass die Talsohle im ersten Halbjahr 2010 erreicht sein wird. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants zu den Auswirkungen der Wirtschaftslage auf die Baustoff und Bauzulieferindustrie.
64 Prozent der befragten Firmen erwarten demnach eine deutliche Erholung aus der Krise erst ab 2011 oder später. Dabei sind Unternehmen mit Schwerpunkt Neubau eher pessimistisch, während viele „Renovierer“ bereits im zweiten Halbjahr 2010 mit einem Anziehen der Wirtschaft rechnen.


Erholung erst
für 2011 erwartet


„Die Krise wird die Bauzulieferbranche auch in den kommenden Jahren fest im Griff haben“, sagt Kai-Stefan Schober, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und Autor der Studie „Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftslage – Chancen, Risiken und Maßnahmen“.
Demnach spüren inzwischen 88 Prozent der befragten Unternehmen die Folgen der Krise im eigenen Unternehmen und 90 Prozent glauben, dass die gesamte Branche noch mindestens zwei Jahre lang darunter leiden wird – vor einem Jahr waren zehn Prozent weniger dieser Meinung. Fast 50 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Talsohle im ersten Halbjahr 2010 erreicht wurde.
Eine Erholung erwarten aber immer noch 64 Prozent erst 2011 oder noch später. Dabei unterscheiden sich die Unternehmen nach ihrem Schwerpunkt: Während Unternehmen mit Schwerpunkt Neubau eher pessimistisch sind – hier sehen 77 Prozent eine Erholung erst ab 2011 – rechnen 57 Prozent der „Renovierer“ bereits im zweiten Halbjahr 2010 mit einem Anziehen der Wirtschaft.
69 Prozent der Befragten erlitten 2009 Umsatz- und Erlösrückgänge. Ein Fünftel musste sogar mehr als 20 Prozent Einbußen hinnehmen, ein Drittel hatte einen Umsatzrückgang zwischen zehn und 20 Prozent zu verkraften.
Andererseits konnte etwa jeder Vierte den Erlös steigern. Ein großes Problem stellen für viele Unternehmen offene Forderungen dar: „64 Prozent haben mit schlechter Zahlungsmoral der Kunden zu kämpfen, dies sind 40 Prozent mehr als bei unserer Vorjahresstudie“, sagt Roland Berger-Experte Schober.
Schwierigkeiten gibt es auch bei der Kreditbeschaffung: Während umsatzstarke Unternehmen schlecht an Kredite kommen, klagen kleine Betriebe eher über Liquiditätsengpässe. Auch die Noten für das Konjunkturpaket fallen laut Studie deutlich schlechter aus als noch vor einem Jahr: Nur 56 Prozent (2009: 70 Prozent) erwarten sich davon positive Auswirkungen auf ihr Geschäft.
Dennoch: Für fast 60 Prozent der Teilnehmer hat das Konjunkturpaket bereits 2009 gegriffen, ein Drittel rechnet in diesem Jahr damit. Trotzdem kritisieren 79 Prozent die einseitige Förderung einzelner Segmente. Auch Probleme bei Ausschreibung und Vergabe werden häufiger genannt als 2009.
Bei der Frage nach den Risiken der Wirtschaftskrise nannten 95 Prozent der Befragten die eigene Insolvenz sowie Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklung bei (Groß-)Kunden. Als weitere Risiken wurden unter anderem Konsolidierung (89 Prozent) und Rohstoffverteuerung (82 Prozent) aufgeführt. Trotzdem sehen viele Unternehmen in der Krise auch Chancen, 90 Prozent etwa die Steigerung ihres Marktanteils – vor einem Jahr waren es noch 80 Prozent.


Kostensenkende Maßnahmen


Alle befragten Firmen gaben an, aktiv an Maßnahmen zur Bewältigung der Krise zu arbeiten. Dabei spielen kostenorientierte Maßnahmen eine größere Rolle als umsatzorientierte oder strategische: 81 Prozent der Teilnehmer setzten bereits erfolgreich kostensenkende Maßnahmen ein, während nur 45 Prozent ihren Umsatz steigern konnten.
Die größeren der befragten Unternehmen sehen wie bereits im Vorjahr die Konsolidierung der eigenen Organisation als Chance, bei den kleineren sind es drei Viertel. Berger-Partner Schober betont: „Bau-Unternehmen, die gestärkt aus der Krise gehen möchten, müssen spätestens jetzt spezifische Maßnahmenpakete einleiten.“ (BSZ)

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