Bauen

Das Bettenhaus des Neuro-Kopfzentrums des Klinikums rechts der Isar. (Foto: Sebastian Arlt)

24.12.2010

Experten für den Hochschulbau

100 Jahre Staatliches Bauamt München 2

Die Gründung des heutigen Staatlichen Bauamts München 2 – des ehemaligen königlichen Universitätsbauamtes – jährte sich heuer zum 100. Mal. Die Ursprünge des Bauamts gehen zurück in die Zeit um 1900. Bedingt durch die rasant wachsenden neuen Erkenntnisse in Medizin, Naturwissenschaften und Technik brachte die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg für die Münchner Hochschulen eine rege Bautätigkeit. Daher wurde 1910 das königliche Universitätsbauamt München durch Entschließung des königlichen Staatsministeriums des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten gegründet, heißt es in der Festschrift zum Jubiläum.
Untergebracht war das Universitätsbauamt bis 1961 in den Räumen der Universität. Mit dem Wiederaufbau des ehemaligen Privathauses des Architekten Friedrich Gärtner erhielt das Universitätsbauamt sein erstes eigenes Dienstgebäude in der Ludwigstraße. Im gleichen Jahr wurde in Großhadern eine Bauleitung für den Bau eines neuen Klinikums eingerichtet, aus der 1967 das Neubauamt Universitätsklinikum Großhadern hervorging, das zwölf Jahre später wieder in das Universitätsbauamt eingegliedert wurde.

Verteilt auf diverse Standorte im Stadtgebiet


Die Technische Hochschule München wurde in ihren Anfängen betreut vom damaligen Landbauamt München. Als auch hier die bauliche Entwicklung rasant zulegte, wurde 1960 das Bauamt Technische Universität (TU) gegründet. Auch dieses Bauamt war laut Festschrift jahrelang über mehrere Standorte in der Stadt verteilt. Nach vorübergehender Unterbringung in Räumlichkeiten der TU bezog das Bauamt Technische Universität 1967 ein eigenes Haus in der Arcisstraße. Neben dem Stammhaus waren zur Erfüllung der Aufgaben weitere Dienststellen in München und Garching erforderlich. In den 1980er Jahren wurde dem Bauamt schließlich auch das Neubauamt Klinikum rechts der Isar eingegliedert.
Im Zuge der Verwaltungsreform 2006 wurden die beiden Hochschulbauämter unter der Bezeichnung „Staatliches Bauamt München 2“ zusammengelegt. An der inneren Struktur des Bauamts sind auch heute noch Reste der beiden Hochschulbauämter erkennbar, betont die Festschrift. Nach dem Abbruch des Dienstgebäudes in der Arcisstraße ist das Staatliche Bauamt München 2 jetzt verteilt auf die Standorte Ludwigstraße, Marsstraße, Marchioninistraße und Pettenkoferstraße.
Das Staatliche Bauamt München 2 ist Teil der Staatsbauverwaltung und eines von 22 Staatlichen Bauämtern in Bayern. Es betreut die fünf Münchner Hochschulen – je zwei Universitäten und Universitätsklinika sowie die Hochschule für Musik, Kunst, Film und Fernsehen – und beschäftigt sich als einziges staatliches Bauamt beinahe ausschließlich mit dem Hochschulbau. Auch das Maximilianeum, Sitz des Landtags, ist eine Hochschulbaumaßnahme, denn es wurde von König Maximilian II. gegründet, um hochbegabten Abiturienten ein sorgenfreies Studium zu ermöglichen.
Die besondere Herausforderung im Hochschulbau bildet sich laut Festschrift an der vielfältigen Gebäudetypologie ab: Hörsäle, Mensen, Bibliotheken, Laborbauten, Teilchenbeschleuniger, Neutronenleiterhallen, Forschungsreaktoren, OP-Zentren, Bettenhäuser, Intensivstationen, eine Pferdeklinik, Observatorien, Rechenzentren, Tierställe, Konzertsäle, Kindergärten, Kinos, ein Museum – das ist nur ein kleiner Ausschnitt der aktuellen Bauaufgaben. Im Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Bauamts München 2 liegen Projekte wie zum Beispiel die Erweiterung des Leibnitz-Rechenzentrums in Garching, der Neubau für Schlaganfall- und Demenzforschung in Martinsried, ein Hörsaalgebäude für die Ludwig-Maximilians-Universität sowie die TU München.
Neben den Neubaumaßnahmen und Umstrukturierungsaufgaben ist das Bauamt auch für den laufenden Bauunterhalt der Gebäude verantwortlich. Der Erhalt der Bausubstanz ist nämlich ein wesentliches Kriterium für die Zukunftsfähigkeit der Hochschulen.
Etwa die Hälfte des Hochbaubudgets des Freistaats fließt in den Hochschul- und Klinikbau. Allein für die Münchener Universitäten sind das 150 bis 200 Millionen Euro jährlich. Dieses gewaltige Volumen wird vom Staatlichen Bauamt München 2 baulich umgesetzt. Es werden fast ausschließlich Unikate gebaut. Die örtlichen Gegebenheiten, die Anforderungen aus Forschungszielen und die sich ständig verändernden gesetzlichen Voraussetzungen schaffen bei jedem Bauvorhaben völlig unterschiedliche Randbedingungen, betont die Festschrift.

Für manche Projekte
gibt es kaum Vorbilder


Für viele seiner Bauvorhaben muss das Bauamt neue Lösungen finden, weil sie in ihrer spezifischen Nutzung in der gesamten Bundesrepublik einzigartig sind. Für manche Projekte gibt es kaum Vorbilder. Wo gibt es sonst ein Institut für Radiochemie, einen Forschungsreaktor oder einen Teilchenbeschleuniger? Bei der Abwicklung der notwendigen Genehmigungsverfahren, etwa im Bereich Gentechnik, wird oft Neuland beschritten. Die spezifischen Kenntnisse der Verfahrenswege und vielfältigen Beziehungen zu den Genehmigungsbehörden helfen dem Bauamt München 2 dabei, die zeitlichen und finanziellen Auswirkungen rechtzeitig zu erkennen und zu beherrschen.
Gemeinsam ist fast allen Bauvorhaben des „Jubilars“ ein ungewöhnlich hoher Technikanteil mit all seinen Anforderungen. In der Regel liegt er laut Festschrift etwa bei 40 bis 50 Prozent, in Ausnahmefällen sogar deutlich höher. „Deshalb“, heißt es in der Festschrift, „ist für das Gelingen der Häuser die Qualität unserer Fachingenieure in allen Bereichen bis hin zum Medizinplaner mindestens ebenso wichtig wie eine aufgabenbezogene funktionelle Planung durch unsere Mitarbeiter und freiberuflichen Partner.“ (Friedrich H. Hettler)

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