Bauen

Die generalsanierte Kongresshalle am Abend. (Foto: Kongresshalle Augsburg Betriebs GmbH)

04.05.2012

Farbige Akzente innen und außen

Die Konzert- und Kongresshalle Augsburg wurde generalsaniert

Das Grundstück der Augsburger Kongresshalle befindet sich am östlichen Rand des anschließenden Wittelsbacher Parks, an der Ecke Imhof-/Gögginger Straße. Die Kongreß-/Konzerthalle ist das Ergebnis eines im Jahr 1964 durchgeführten bundesweiten Architektenwettbewerbs. Der Stuttgarter Architekt Max Speidel errang damals unter 207 Teilnehmern den ersten Preis und erhielt den Zuschlag der Stadt für die durchführende Planung.
Das Bauprogramm umfasste einen großen und kleinen Konzert-/Veranstaltungssaal mit zugehöriger Wandelhalle, zwei separate Garderobenbereiche, Restauration mit Großküche, Bühnen- und Verwaltungsbereiche. Die Anlage ist im wesentlichen erdgeschossig, Technik und Anlagen stecken schwerpunktmäßig im Untergeschoss, ein zweites Untergeschoss dient der Hauptkanal- und Installationsführung.
Die Gestaltungsmaxime der 1972 fertiggestellten Anlage folgte dem Zeitgeist der 1960er Jahre, inspiriert von der Linienführung des „International Style“ und den Möglichkeiten des Sichtbetonbaus. Die Beton-Brut-Sprache zeitgleicher Projekte wie der Stadthalle Ingolstadt oder des Stadttheaters St. Gallen wurde von Max Speidel deutlich verfeinert und bis ins letzte Schalungsdetail – von manischer Präzision getrieben – ausgearbeitet. So kann sich die Anlage auch rund 40 Jahre später noch – als mittlerweile denkmalgeschütztes – exemplarisches Bauwerk präsentieren.
Der Hotelturm entstand zeitgleich – jedoch unter privater Federführung – mit der Kongresshalle. Beide Anlagen sind unterirdisch miteinander verbunden, da man schon früh die Synergien beider Funktionen erkannte. Das 1. Obergeschoss umfasst Zuschauerempore und Foyergalerie, das 2. Obergeschoss sowie das Dachgeschoss beherbergen diverse Funktionsräume ohne Publikumsverkehr.
Die Gesamtanlage wurde seit 1972 intensivst genutzt, ohne dass bisher größere Instandhaltungsmaßnahmen vollzogen wurden. Sämtliche Bekleidungen, Beläge, Konstruktionen, Installationen reichen noch im wesentlichen zurück auf die Gestehungszeit. Nach 37 Jahren sind viele Bauteile verbraucht und zahlreiche Konstruktionen entsprechen nicht mehr heutigen Standards. Zu nennen wären die Haustechnik, den Wärmeschutz, die Energieeinsparung, den Brand- und Personenschutz sowie verbrauchte Dächer und Böden. Hierzu wurden im Vorfeld der Generalsanierung zahlreiche Gutachten in Auftrag gegeben.
Ferner haben sich auch die Bedarfs- und Nutzungsprofile gravierend geändert. War 1972 die Augsburger Kongresshalle führend und wegweisend in Konzeption und Ausstattung, so ist sie heute von konkurrierenden Hallen, wie zum Beispiel der Stadthalle Gersthofen, eingeholt beziehungsweise überholt worden, insbesondere in Bereichen wie Medienausstattung und –versorgung.
Aufgrund der Mängel musste die bauliche Ertüchtigung daher zwingend mit einem betrieblichen Update und einer Freilegung der gestalterischen Qualität der ursprünglichen Gebäudekonzeption einhergehen. Initialzündung war die Anschubfinanzierung aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung. Diese bildet die Grundlage für eine umfassende Ertüchtigung/Erneuerung sämtlicher Hüllflächen (unter anderem Dächer, Außenwände, Fenster, Glasfassade) und damit für ein neues Erscheinungsbild der im Dornröschenschlaf befindlichen Anlage sowie eine komplette Erneuerung der Haustechnik (insbesondere Lüftung und Elektro-/Beleuchtungstechnik).
Energetisches Ziel der Gesamtsanierung war das Erreichen der Standards gemäß EnEV 2009 – Bestandsgebäude. Dazu wurden die Hüllflächen sowie die Anlagentechnik erneuert. Zu erreichendes Ziel: Reduzierung des Energiebedarfs/-verbrauchs um die Hälfte des momentanen Stands.
Durch die massiven Bestandseingriffe wurde die Aktualisierung der Sicherheitsanforderungen gemäß Versammlungsstättenverordnung und Brandschutzanforderung gemäß Bayerischer Bauordnung ausgelöst, die zwingend auf Stand der zur Zeit gültigen Vorschriften gebracht wurden – ohne die eine Funktion der Halle nicht gegeben ist. Im Zuge dessen konnte ein zeitgemäßes Betriebskonzept, welches eine Verdoppelung der Besucherzahlen vorsieht, installiert werden. Mehr Besucher bedeutet strengere Sicherheitsauflagen und damit verbundene höhere Investitionen, jedoch auch deutlich höhere Rendite des zukünftigen Betriebs.

Kosten eingespart


Durch die Überlagerung der zwingend notwendigen energetischen und unbedingt erforderlichen sicherheitstechnischen Sanierungen sowie der nutzungsspezifischen Um-/Einbauten wurden viele doppelte oder mehrfache Kosten eingeschränkt (entfallene Schutzmaßnahmen für Bauteile, Gerüststellungen, Baustelleneinrichtungskosten) und die umfassende Sanierung in einem Zuge wurde deutlich kostengünstiger.
Die energetische Sanierung umfasste: Erneuerung/Verbesserung der Flachdachkonstruktion mit hochwertigen Dämmungen; Hohlraumdämmung mit einzublasendem Schüttmaterial über dem großen Saal; im Zuge dessen neue Blitzschutzanlage; Austausch der alten Alu-Fensterkonstruktion gegen neue, dicht abschließende Fensterelemente; Austausch der Einscheiben-Hangeverglasungen aus Floatglas im Foyer durch Isolierverglasung aus Sicherheitsglas, dicht abschließend; Austausch der alten Einscheiben-Ganzglaskonstruktion durch Isolierglaskonstruktion (ESG) unter Übernahme der alten Türaufdoppelungsschalen, möglichst dicht abschließend; Verbesserung der Dichtheit des Gesamtgebäudes; Reduzierung von Kältebrücken entlang der Fassadenfronten durch innenseitige Dämmstreifen auf den Deckenunterseiten; Verbesserung der Innendämmung an den Außenwänden nach Demontage und neu Ausführung von Innen-Vorsatzschalen.
Ferner wurde es notwendig, in den Bereichen der Foyers, dem kleinen Veranstaltungsraum, der Verwaltung und teilweise den Garderoben, hierzu die noch vorhandenen Deckenbekleidungen beziehungsweise abgehängten Decken abzunehmen und zu ersetzen; Malerarbeiten; Baustelleneinrichtungen sowie Durchführung der Rohbauarbeiten für Heizungs- und Lüftungstechnik.
Um die Betriebssicherheit des Gebäudes und damit die uneingeschränkte Betriebserlaubnis für die Anlage zu gewährleisten, sind folgende Arbeiten ausgeführt worden: Schaffung ausreichend dimensionierter Rettungswege nach Festlegung im Brandschutzkonzept. Diese wurden mit der Feuerwehr wie folgt festgelegt: Unabhängig von Foyers, direkt aus den Sälen über zum Teil neue Rettungskorridore nach Westen ins Freie im Erd-/Obergeschoss, mit entsprechend erforderlichen neuen Treppenanlagen, mit entsprechenden Raumumbauten beziehungsweise Bauarbeiten; Schaffung klar definierter neuer Angriffswege für die Feuerwehr ins Untergeschoss über drei neue Treppen-/Zugangsbauwerke von Süden/Osten/Norden mit den entsprechenden Baumaßnahmen; Einbau einer Sprinkleranlage in sämtlichen Foyers.
Ferner wurden die Wandhydranten sind im ganzen Haus neu montiert und die Handlöscher nachgerüstet; die Rettungswege, Brandwände erhielten neue, zertifizierte T30-RS-Türabschlüsse, teilweise in Stahl/Glas, teilweise in Holz; für den präventiven Brandschutz wurden Brand-/Rauchmeldeanlagen eingebaut.

Erneuerte Beleuchtung


Zur Reduzierung/Halbierung der Stromkosten war es erforderlich, die Beleuchtungstechnik in sämtlichen Bereichen zu erneuern. Dazu wurden die Zweckbeleuchtungen durch Leuchtstoffröhren/Energiesparlampen ersetzt. Ferner wurden repräsentative Bereiche mit neuen, effizienten Lampen, Leuchtmitteln gemäß den Vorgaben eines zusätzlichen Beleuchtungsplaners bestückt. Die Warmwasserzirkulationsleitungen (insgesamt rund 1,2 Kilometer) wurden rückgebaut und auf einfache Kaltwassernutzung bei den WCs umgerüstet. In den Duschen, Küchen, Behinderten-WCs wurden Durchlauferhitzer eingebaut. Sämtliche WC-Spülungen wurden modernisiert, die Urinale funktionieren wasserlos zur Reduzierung des Wasserverbrauchs. Durch den Rückbau der Warmwasserversorgung und der damit verbundenen Änderung der Installationen in den WC-Bereichen war es sinnvoll, alle Sanitärgegenstände wie WC, Urinale und Waschbecken zu ersetzen.
Im Bereich der Sichtbetonflächen, insbesondere im Bereich der vorgehängten Waschbetonplatten im großen Saal und Bühnenbereich war eine umfangreiche Betonsanierung notwendig. Eine Untersuchung der vorhandenen Schäden war vorab erfolgt. Die Betonsanierung wurde exakt nach den Vorgaben des Gutachters in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt.
Durch die vorbeschriebenen Maßnahmen (energetische und Sicherheitssanierungen) eröffnen sich die grundsätzlichen Möglichkeiten mit mehr Personen (bis zu 3500) und der vollflächigen Nutzung des Foyers zu projektieren. Dies bedingt jedoch ein angepaßtes zeitgemäßes Betriebs-/Nutzungskonzept mit einem adäquaten Erscheinungsbild. Hierbei sollten die ursprünglichen Gestaltungsparameter Grundlage für die neue „Corporate Identity“ werden. Nachfolgende Maßnahmen wurden getätigt: Erneuerung der textilen Bodenbeläge sowie der Parkettbeläge in den Sälen; zusätzliche Behinderten-WCs; Einrichtung von Tagungsbüros in den Eingangszonen; zeitgemäße Medienausstattung und zeitgemäßes Leit-/Informationssystem; Verbesserung der Hubbühne Großer Saal; Bühnen-Seilaufzüge mit Elektroantrieb sowie Verbesserung Bühnen-Akustikdecke.
Um die spannende Architektur noch stärker herauszustellen, wurde eine neue Beleuchtung installiert, die ermöglicht, im Innen- und Außenbereich farbige Akzente zu setzen, und ein Kunstkonzept in Kooperation mit der Gesellschaft für Gegenwartskunst erstellt. Die gemütliche und modische Design-Möblierung laden den Gast im Kongresszentrum zum Verweilen ein. Die Gegensätze zwischen Sichtbeton versus weiche Formen, Emotionen und Menschen versus schnörkelloses Gebäude, Park und Natur versus gradlinige Architektur bilden einen Spannungsbogen, der beim Besucher in Erinnerung bleibt, und eine einmalige Kulisse für Konzerte und Veranstaltungen. (BSZ)

(Die Beleuchtung des Foyers - Foto: Kongresshalle Augsburg Betriebs GmbH)

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