Bauen

Die Würzburger Residenz. (Foto: Wiegand)

02.10.2014

Franken kann bauen

Architekturspaziergang durch Aschaffenburg, Schweinfurt und Würzburg

Nie hätte ich gedacht, dass dieses Schloss jemals wieder aufgebaut werden könnte“, bekennt der Aschaffenburger Stadtführer Gerd Stein und weist auf das riesige Schloss Johannisburg. Wie zerstört es am Ende des 2. Weltkriegs war, zeigt ein Modell im Schlossmuseum. Doch die Stadt und der Freistaat Bayern haben weder Kosten noch Mühen für den Wiederaufbau des vierflügeligen Riesenbaus von Georg Ridinger gescheut und die fränkischen Bayern (oder bayerischen Franken) haben sich ins Zeug gelegt. 1964 hatte Aschaffenburg sein Wahrzeichen wieder. Heuer feiert der bedeutendste deutsche Schlossbau der Renaissance mit dem mittelalterlichen Bergfried sein 400-jähriges Jubiläum. Der fabelhafte Alabaster-Altar von Hans Juncker in der Schlosskapelle erstrahlt ebenfalls in voller Schönheit. Alles auch passgerecht zum 200-jährigen Miteinander von Bayern und Franken.
Architekturmodelle aus Kork und sogar die weltgrößte Sammlung? Auch die bietet das Schlossmuseum, saß man doch sozusagen an der Quelle. Ab 1792 bildeten der Hofkonditor Carl May und sein Sohn Georg die berühmtesten Ruinen Roms aus der Zeit von Kaiser Vespasian (9 bis 79 n. Chr.) detailgenau nach.
Architektur wie im Alten Rom gibt es zudem in voller Größe, siehe das Pompejanum, ein Unikat nördlich der Alpen. Zu verdanken war es Bayerns König Ludwig I., der 1843 selbst den Grundstein dafür legte. Fasziniert von den Ausgrabungen in Pompeji spendierte er 250 000 Gulden aus eigener Schatulle für den Nachbau einer römischen Villa samt Inneneinrichtung am Mainufer. Nicht um selbst darin zu wohnen, sondern um den Bürgern die Antike nahezubringen. Auferstanden aus Ruinen, ist es in besserem Zustand als vieles im vernachlässigten Pompeji.

UNESCO Weltkulturerbe


Und da steht sie, Würzburgs spätbarocke Residenz – das Wunderwerk Balthasar Neumanns, erbaut zwischen 1720 und 1744. Ahnen die Besucher, dass der Wiederaufbau fast vier Jahrzehnte dauerte? Die Anstrengung wurde belohnt: 1981 erklärte die UNESCO die Würzburger Residenz, eines der prachtvollsten Schlösser Europas, zum Weltkulturerbe. Auch der ausgebrannte St. Kilians Dom, errichtet im 11/12. Jahrhundert, wurde bis 1967 originalgetreu wieder aufgebaut.
Dass aber der Wiederaufbau kein „Amen“ ist, beweist die Augustinerkirche. Die Ordensbrüder haben sich für eine moderne, multifunktionale Stadtkirche entschieden, das Kirchenschiff umgestaltet und sich auch an den Kosten beteiligt. Der Chor zeigt noch Rokoko-Ambiente, anderer Zierrat wurde entfernt. Die glattweiß gestrichenen Wände werden durch farbstarke, zeitgenössische Kunstwerke belebt. Die Gläubigen haben die Wende angenommen, die Kirche ist voller denn je.
Mit Moderne zwischen Weinreben überrascht das Weingut am Stein. Dort hat das Ehepaar Knoll 2004 einen Architekturwettbewerb ausgelobt und dem jungen Team Hofmann Keicher Ring Architekten, Würzburg, den Auftrag für die Erweiterungsbauten erteilt. Die Attraktion ist das mit Holzlamellen verkleidete Gebäude für den Weinverkauf. Drumherum tobt bei den Hoffesten das Leben. Das Architektenteam hat für diese Konzeption mehrere Preise gewonnen und die Familie Knoll gehört deutschlandweit zu den Vorreitern beim Thema „Weinbau und Architektur“.
Dass moderne Bauten Gäste anziehen, merkt Schweinfurt. Durch das Museum Georg Schäfer, errichtet im Jahr 2000 durch Staab Architekten Berlin, hat die ansehnliche Stadt einen neuen Schub erhalten. Die Besucher zieht es in dieses Licht durchflutete Museum, wo die Privatsammlung Georg Schäfers (1896 bis 1975), früherer Eigentümer von FAG Kugelfischer, und Sonderausstellungen perfekt zur Wirkung kommen.
Zum Superhit wurde schließlich ein ganz neues Schweinfurter „Bauwerk“: der im Juli eröffnete Stadtstrand oberhalb des Mains. Genau die richtige Idee zur richtigen Zeit. (Ursula Wiegand)

(Schloss Johannisburg und das Pompeianum in Aschaffenburg sowie das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt - Fotos: Wiegand)

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