Bauen

West-Ansicht von Gebäude 507. (Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg)

03.12.2015

Freigelegte Dachstuhlkonstruktion

Sanierung des Gebäudes 507 für das Kriminalfachdezernat 2 der Bayerischen Landespolizei Nürnberg

Das Kriminalfachdezernat 2 des Polizeipräsidiums Mittelfranken ist nach 16-monatiger Bauzeit  in das fertiggestellte so genannte Gebäude 507 der ehemaligen Tillykaserne in Nürnberg-Großreuth bei Schweinau eingezogen.
Der Massivbau mit Klinker-Sichtmauerwerk, Baujahr 1903, stammt aus der Gründungszeit der Infanterie- und Artilleriekaserne, die zwischen 1900 und 1905 auf rund zwölf Hektar Fläche in Nürnbergs Westen errichtet wurde. Mitte der 1990er Jahre erfolgte die Schließung der bis dahin durch die Bundeswehr genutzten Kaserne. Eine Fläche von rund 43 000 Quadratmetern wurde zur Nutzung durch die Bayerische Landespolizei umgewidmet, während der Großteil des früheren Kasernenareals heute dem Wohnen und Arbeiten dient.
Aufgrund von Platzmangel und fehlenden Entwicklungsflächen hat der Freistaat 2010 das etwa 6000 Quadratmeter große Eckgrundstück Gustav-Adolf-Straße/Tillypark als Erweiterungsfläche zum Hauptareal Wallensteinstraße 47 erworben. Auf diesem Gelände befinden sich die seit Schließung der Kaserne leerstehenden Gebäude 507 und 508. Im Juli 2011 beauftragte die Oberste Baubehörde das Staatliche Bauamt Erlangen-Nürnberg mit der Planung der Sanierung des Gebäudes 507 mit Anbindung der Erweiterungsfläche an die technische und sicherheitsrelevante Infrastruktur des Hauptareals.
Das Gebäude 507 besteht aus drei Normalgeschossen mit Holzbalkendecken, Keller- und Dachgeschoss mit tonpfannengedecktem Walmdach. Die Klinker-Sichtmauerwerkfassade wird durch Sandsteinsockel und -elemente gegliedert. Ein Mittelflur erschließt die bereits früher als Büros genutzten Räume. Die Bruttogrundfläche beträgt rund 1640 , die Hauptnutzfläche etwa 850 Quadratmeter.
Zunächst erfolgten Tiefbauarbeiten zur Anbindung der Infrastruktur und Abdichtung des Kellergeschosses sowie Abbrucharbeiten im Gebäude, einschließlich des Ausbaus von Gebäudeschadstoffen. Neben der Sanierung und Instandsetzung der vorhandenen Bausubstanz erfolgte der barrierefreie Umbau mit Errichtung eines behindertengerechten Aufzugs. Angrenzend an den neuen Aufzugsschacht wurden vorhandene Deckenkonstruktion gegen Stahlbetondecken ausgetauscht, die weiteren Holzbalkendecken zur Brandschutzertüchtigung oberseitig mit zementgebundenen Trockenestrichelementen belegt und unterseitig mit Gipskarton verkleidet.
Das entkernte Dachgeschoss erhielt eine neue Dachdeckung und -dämmung. An der Ostseite optimiert eine langgezogene Dachgaube Raumhöhe und Belichtung. Der neugegliederte Dachgeschossausbau legt die Dachstuhlkonstruktion größtenteils frei und baut den Raum auf voller Geschosshöhe aus. Glaselementwände zum Flur und teilweise zwischen den Büroräumen ermöglichen Blickbeziehungen und erzeugen eine Großzügigkeit der lichtdurchfluteten Flächen. Schallschutzanforderungen bleiben dennoch erfüllt, Jalousien zwischen den Scheiben ermöglichen individuelle Abschottung bei Bedarf. Auf eine Klimatisierung des Dachraums wurde zugunsten gesteuerter Sonnenschutz- und Nachtkühlungsfunktionen bei den Gauben- und Dachflächenfenstern verzichtet.
Die weiteren Grundrisse wurden vereinzelt an die Nutzungserfordernisse angepasst. Eine Dämmung der Außenwände war nach gültigen EnEV-Vorgaben nicht erforderlich, die Fenster wurden hingegen ausgetauscht. Neue dreifachverglaste Fenster decken die Anforderungen an Sonnenschutz, Schallschutz sowie sicherheitsrelevante Aspekte ab. Eine zweiflüglige Fensterteilung mit Oberlicht und profilierten Sprossen greift historische Gliederungen auf und gibt der Fassade ein harmonisches Gesamtbild. Innenseitige Rollos sorgen für Blendschutz.
Der Eingang des Gebäudes wird durch eine überdachte Stahlkonstruktion mit Sitzgelegenheit für Besucher akzentuiert. Die dem Gebäude zugeschlagene Grünfläche ist mit gerasterten Pflanzflächen gegliedert und unterstreicht die Mittelachse des Hauseingangs. Eine zusätzliche Einzäunung dieser Fläche verhindert die Verteilung des Besucherverkehrs der für Betrugsdelikte zuständigen Kommissariate auf das restliche Areal.
Die Gesamtkosten der Baumaßnahme belaufen sich auf 3,5 Millionen Euro, wobei 2,7 Millionen Euro auf die Sanierung des Gebäudes und 800 000 Euro auf Infrastrukturmaßnahmen entfallen. Der geplante Kostenumfang wurde eingehalten. Sowohl Dachdämmung als auch Fensterflächen unterschreiten die Vorgaben der EnEV 2013 hinsichtlich der Höchstwerte der mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten um bis zu 50 Prozent. (Gabriele Schmauss/Gerhard Prügel)

(Ein Büro und ein Besprechungsraum im Dachgeschoss - Fotos: Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg)

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