Bauen

Der dynamische Bau mit seiner strahlend weißen Bandfassade. (Foto: Werner Huthmacher)

07.10.2011

Freischwebende Brücken über dem Atrium

Adidas eröffnete hochmodernes Firmengebäude in Herzogenaurach

Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender der adidas AG, eröffnete am 10. Juni 2011 in der Konzernzentrale des Unternehmens „World of Sports“ in Herzogenaurach das neue Firmengebäude Laces. Es bietet rund 1700 Mitarbeitern der adidas Gruppe Platz.
Firmengründer Adi Dassler fertigte in den 1920er Jahren in der Waschküche seines Elternhauses in Herzogenaurach die ersten Sportschuhe. Seit jeher bekennt sich das heute global operierende Unternehmen zu seinen Wurzeln und zu seiner Heimat. Die Eröffnung des Laces untermauert erneut dieses Bekenntnis zum Standort und setzt einen weiteren Meilenstein in der Firmengeschichte von adidas.
Mit der Fertigstellung des Gebäudes findet eines der bedeutendsten und größten Bauprojekte des Unternehmens seinen Abschluss. Die ersten Mitarbeiter aus den Bereichen „Marketing und Operations“ zogen ab dem 24. Juni 2011 ein, darunter Materialforscher, Biomechaniker, Designer, Ingenieure, Produktentwickler und Marketingspezialisten, die die Produkte planen, entwickeln und vermarkten. In dem neuen Firmengebäude werden alle Fäden zusammenlaufen. Für ideale Test- und Forschungsbedingungen sorgen ein biomechanisches Labor sowie ein hochmodernes Testcenter mit einer Testhalle in der Größe einer Dreifachturnhalle.

Die Westfassade
ist 100 Meter lang


„Die Eröffnung des Laces ist für uns ein besonderer Tag. Mit dem Prinzip alles rund um das Produkt unter einem Dach zu vereinen, werden wir unser Innovationstempo spürbar erhöhen. Wir haben jetzt die Chance, noch schneller und effektiver Ideen in marktfähige Produkte umzusetzen“, sagte Hainer bei der Eröffnung.
Das Laces erstreckt sich über sieben Stockwerke und hat eine Gesamtgeschossfläche von 61 900 Quadratmetern – das entspricht in etwa einer Fläche von acht Fußballplätzen. Die 100 Meter lange Westfassade wäre optimal für Sprints in der Leichtathletik geeignet. Und die Deckenhöhe beträgt 30 Meter – dort hätten ungefähr zehn Basketballkörbe übereinander Platz.
Mit seinem dynamischen Bau und seiner strahlend weißen Bandfassade fügt sich das Laces fließend in das bestehende Gebäude-Ensemble der World of Sports zwischen Adi-Dassler-Sportplatz und dem schwarzen, eher flachen Baukörper des adidas Brand Centers ein. Im Zentrum des Gebäudes befindet sich als kommunikative Drehscheibe das Atrium, das wie die Allianz Arena in München mit ETFE-Kissen überdacht ist. Darüber hinaus wird das neue Firmengebäude wesentlich von seinen namensgebenden Laces, den Schnürsenkeln, geprägt. Als freischwebende, das Atrium überspannende Brücken, verbinden sie die einzelnen Abteilungen und sorgen so für eine offene Arbeitsatmosphäre und „schnüren“ den Baukörper zu einem einzigartigen, hochkommunikativen Bürogebäude zusammen.
Zuständig für die moderne Architektur war das Aachener Architekturbüro kadawittfeldarchitektur GmbH, das hierfür 2009 mit dem Office Application Award für das beste innovative Konzept ausgezeichnet wurde.
Ausgangspunkt des Gestaltungskonzepts ist eine glatte und scharfkantige Konturierung des Baukörpers, der durch die weiß emaillierten Brüstungsbänder geprägt wird. Zusätzlich wird das Volumen durch die dunkel erscheinenden horizontalen Fensterbänder strukturiert, die in ihrer horizontalen Ausrichtung von den vertikal über einander liegenden Loggien mit ihren schwarzen Brüstungen durchbrochen und gegliedert werden.
Die glatte Fassadenoptik wird unter Einsatz einer Aluminium-Elementkonstruktion als Structural-Glazing-Fassade mit 3-fach-Isolierverglasung und einem integrierten Sonnen-/Blendschutz im Scheibenzwischenraum erreicht. Im Südwesten des Gebäudes öffnet sich der Ringbaukörper über zwei Geschosse und es entsteht eine großer überdachter Vorbereich als Eingang zum Campus. Um den Fluss der Landschaft in das Innere des Atriums durch eine möglichst transparenten Fassade zu unterstützen und filigrane Fassadenprofile zu erhalten wird die Stahlkonstruktion am darüber befindlichen Gebäuderiegel des Ringbaukörpers abgehängt.
Die beidseitig des Haupteinganges angeordneten Wandverkleidungen der geneigten Längs- beziehungsweise Stirnseiten der angrenzenden Gebäuderiegel spiegeln mit einer hochglänzenden, unsichtbar befestigten Wandverkleidung in Form von polierten Edelstahlblechen den umgebenden Landschaftsraum. Der hohe Verglasungsanteil der Außenfassade und die zum Atrium raumhoch verglaste Innenfassade sorgen für eine sehr gute Belichtung der Arbeitsbereiche, deren kommunikatives Ambiente von Transparenz geprägt ist. Durch die Überdachung des kompletten Atriums mit einem bedruckten Folienkissendach und die thermische Konditionierung konnten die Innenfassaden als Einscheibenverglasung ohne Pfostenprofile ausgeführt werden.
Die den Innenraum prägenden Stege treten auch an der Fassade in Erscheinung. Als vertikale räumliche Einschnitte gliedern sie in Form von Loggien die langen Fassadenseiten. Um dem scharfkantigen Baukörper einen dynamischen Ausdruck zu verleihen und um den Raumeindruck des Atriums nach oben zu weiten, sind zwei der sechs Gebäudeseiten leicht nach außen geneigt. Diese Schrägstellung setzt sich über die mit diesen Seiten verbundenen Stege durch das gesamte Gebäude fort. So verweisen auch in den geraden Fassaden die leicht schräg eingeschnittenen Loggienbereiche auf die Dynamik des Innenraums. Die beiden den zweigeschossigen Eingangsbereich flankierenden Fassaden sind ebenfalls verdreht, um möglichst viel Horizont vom Campus sichtbar zu lassen. Auf diese Weise bleibt der Campus trotz der Größe und Breite des Gebäudes mit der umgebenden Landschaft verbunden.
Das Atriumdach wird durch ein Stahlbogentragwerk gebildet, das auf dem Ringbaukörper und den Stegträgern aufliegt. Der räumliche und thermische Abschluss erfolgt durch ein transparentes 3-lagig ausgebildetes ETFE-Kissendach, welches über eine Luftversorgung steif gehalten wird. Die Kissen sind außen mit einer Punktrasterung bedruckt, die der Reduzierung des Wärmeeintrags durch das Sonnenlicht dient. Die Kissenkonstruktion wird getragen von außen liegenden vier Meter hohen Stahlfachwerkträgern, die bis zu 50 Meter überspannen und aus dem Innenraum durch die Bedruckung kaum wahrgenommen werden. Die Stege selbst werden vom Fachwerkträger abgehängt, was eine Aufbauhöhe von nur 30 Zentimeter möglich macht. Die Schlankheit der Konstruktion war ein wesentliches Kriterium in der Planung, damit trotz der Vielzahl der Stege die gewünschte Transparenz und Offenheit des Atriums nicht beeinträchtigt wird.

300 Tonnen Bewehrungsstahl gespart


Durch die innovative Tragwerksausführung als fugenlosen Ringverbund mit integrierten Kompensationsstreifen konnten, mit sehr positiver Auswirkung auf die Ökobilanzierung des Gebäudes, mehr als 300 Tonnen Bewehrungsstahl eingespart werden. Der Ringverbund wird zudem im Dachbereich über seitlich an Stahlfachwerkträgern angeordnete Krallen ausgesteift. Hierdurch konnte die Bogenträgerkonstruktion trotz großer Spannweiten ohne jegliche statische Unterspannung äußerst filigran ausgebildet werden.
Eine weitere Besonderheit ist die Auskragung des Eingangsriegels, der das Atrium sehr weit ohne zusätzliche Stützen in den Park öffnet. Damit das gelingt, ist der Eingangsriegel als ein über sechzig Meter frei spannender brückenartiger Gebäudeteil konzipiert, der von zwei gigantischen Fachwerkträgern gehalten wird. Der größere Fachwerkträger wiegt allein schon rund 340 Tonnen, das entspricht in etwa dem Gewicht eines Jumbo-Jets.
Der 1999 im Rahmen eines städtebaulichen Masterplans begonnene stufenweise Ausbau des Standorts Herzogenaurach wird mit der Eröffnung des Laces fortgeführt und sorgt damit für die weitere Optimierung und den Ausbau eines attraktiven Arbeitsumfelds für die Mitarbeiter des Unternehmens. (BSZ)

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