Bauen

Die neue Maierhofbrücke. (Foto: Stadt Passau)

09.12.2011

Fugen- und lagerlose Konstruktion

Neubau der Maierhofbrücke in Passau

Mit der neuen, am 13. Oktober 2011 in Betrieb genommen Maierhofbrücke hat die Stadt Passau eine zusätzliche Brücke mit hoher verkehrlicher Bedeutung, aber gerade auch im Blick auf die Technik ein ausgesprochen interessantes Bauwerk erhalten. Mit der Planung betraut war das Passauer Ingenieurbüro Hermann Dietl, die Projektsteuerung lag beim Baureferat der Dreiflüsse-Stadt und die Statik berechneten Bulicek+Ingenieure, Passau.
Das Bauwerk wurde in semiintegraler Bauweise hergestellt. Die integrale Bauweise bietet für Betonbrücken in vielen Fällen die optimale Lösung. Die fugen- und lagerlose Konstruktion ermöglicht wartungsarme, robuste und ästhetisch ansprechende Bauwerke. Gerade die Ästhetik zeichnet die Maierhofbrücke besonders aus.
Bei der statischen Berechnung und konstruktiven Durchbildung integraler Bauwerke ist die Problematik des Zusammenspiels zwischen Brückenüberbau, Stützen und des erforderlichen Lastabtrags in den Untergrund zu lösen. Wie anhand der Maierhofbrücke gut zu erkennen ist, sind die vorhandenen Stützen im Anschluss an den Überbau nicht mit den sonst üblichen Lagern versehen, sondern direkt mit dem Brückenüberbau monolithisch verbunden.
Die Lager befinden sich in diesem Fall nur jeweils im Bereich der Überbauenden auf den Brückenwiderlagern. Der Kraftverlauf innerhalb der Stützen ist anhand ihrer besonderen Form gut erkennbar. Der von den Baufachspezialisten der Stadt immer wieder angeführte Vergleich mit einem Skifahrer, der Tal- und Bergski bei den Schwüngen unterschiedlich belastet, ist deshalb sehr plakativ. Zusätzlich weist das Bauwerk sowohl eine Krümmung des Überbaus als auch ein entsprechendes Längs- und Quergefälle auf. Dadurch entstand auch während der Bauausführung eine weitere Besonderheit. Es konnte nicht mit den üblichen Betonfertigteilen gearbeitet werden, sondern die Brücke musste aufwändig geschalt und vor Ort betoniert werden.
Die Gesamtstützweite der Maierhofbrücke beträgt 64 Meter, die Einzelstützweiten zwischen 19,85 und 23,85 Meter. Die Fahrbahnbreite beträgt 5,50 Meter, die Breite des kombinierten Geh- und Radweges 2,50 Meter. Die Gesamtbreite des Bauwerks einschließlich der Kappen beträgt 9,20 Meter.
Im Laufe der Bauarbeiten wurden rund 1300 Kubikmeter Beton und 147 Tonnen Stahl verbaut. Der vorhandene Geh- und Radweg unter der Brücke musste tiefer gelegt, die bestehenden Kanäle im Fundamentbereich angepasst werden. Des Weiteren waren naturschutzrechtliche Untersuchungen und ökologische Ausgleichsmaßnahmen erforderlich.

Elf Monate Bauzeit


Die Baukosten betragen rund 1,8 Millionene Euro. Die Maßnahme wird aus dem FAG Sonderbaulastprogramm des Freistaats Bayern mit 1,3 Millionen Euro gefördert. Die Bauzeit inklusive Vorarbeiten betrug elf Monate von November 2010 bis Oktober 2011. Die Erstellung des reinen Brückenbauwerkes hat sieben Monate in Anspruch genommen.
Für den Bereich der Franz Josef Strauß-Brücke existiert ein verkehrliches Gesamtkonzept. Außer der Maierhofbrücke sind hier noch gemeinsam mit dem Staatlichen Bauamt Passau weitere Maßnahmen sowohl an den nördlichen als auch an den südlichen Knotenpunkten, geplant. Diese Maßnahmen wurden auch in der Arbeitsgruppe „Verkehrssituation im Raum Passau“ unter Federführung der Obersten Baubehörde (OBB) vorgestellt und von den Teilnehmern der Arbeitsgruppe übereinstimmend als sinnvoll erachtet.
Der am 11. Oktober 2011 vom bayerischen Kabinett verabschiedete Staatstraßenausbauplan sieht nicht umsonst den vierspurigen Ausbau des Teilabschnitts von der Franz Josef Strauß-Brücke bis zum Anschluss an die B 85 in der 1. Dringlichkeitsstufe vor.
Alleine mit dem Bau der Maierhofbrücke kann die Leistungsfähigkeit am „Knoten Nord“ nach den Berechnungen des Ingenieurbüro GEVAS erheblich gesteigert werden. Gesprochen wird hier von einer Steigerung am Gesamtknoten von etwa zehn Prozent.
Da aufgrund der aktuellen Prognosen der Verkehr in den nächsten 15 bis 20 Jahren nicht wesentlich zunehmen wird, liegt die Aufgabe der Zukunft, gerade auch im Bereich der Stadt Passau, in der Ertüchtigung des vorhandenen Straßennetzes und der zukunftsfähigen Gestaltung der neuralgischen Knotenpunkte. Mit dem Bau der Maierhofbrücke ist ein erster wichtiger Schritt getan. (Wolfgang Seiderer)
(Visualisierung des Brückenneubaus - Foto: Bulicek+Ingenieure - und die Brückeneinfahrt - Foto: Stadt Passau)

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