Bauen

Die neue Versorgungszentrale der JVA Straubing. (Foto: Staatliches Bauamt Landshut)

10.06.2011

Funktionaler Solitär

Neubau der Versorgungszentrale der JVA Straubing

Das vor über 100 Jahren errichtete alte Wirtschaftsgebäude der Justizvollzugsanstalt (JVA) Straubing wurde in der für die damalige Zeit modernen Stahlskelettbauweise ausgeführt. Aufgrund des hohen Wasserdampfanfalls in der Küche und der darüber gelegenen Wäscherei nahm die gesamte Konstruktion insbesondere der Decken Schaden, so dass bereits vor einiger Zeit die ursprünglich über der Küche untergebrachte Wäscherei ausgelagert werden musste. Ebenso erforderten die heutigen hygienischen und arbeitsrechtlichen Standards auch neue Arbeitsabläufe für Produktion und Verteilung der Speisen wie auch für Reinigung und Lagerung der Wäsche.
Im September 2005 entschloss sich daher das Bayerische Staatsministerium der Justiz, das Versorgungszentrum komplett neu zu bauen. Während des Baus war die Versorgung der JVA durch den weiterlaufenden Betrieb im alten Wirtschaftsgebäude sichergestellt. Dies wäre bei einem Umbau des bestehenden Wirtschaftsgebäudes nicht ohne weiteres möglich gewesen, zudem hätte man mit deutlich höheren Kosten rechnen müssen.
Mit der Planung wurde eine Arbeitsgemeinschaft aus den Architekturbüros Karl und Probst aus München, Hornberger – Illner – Weny aus Straubing und Krinner Architekten, ebenfalls aus Straubing betraut. Im November 2006 genehmigte der Haushaltsausschuß des Landtags die Baumaßnahme mit Gesamtkosten in Höhe von rund 24 Millionen Euro.
Nach dem Neubau der Elektrozentrale im Jahr 2007 und dem darauf folgenden Abbruch des ehemaligen Holzhofgebäudes begannen die Rohbauarbeiten im September 2008. Unter der Projektsteuerung des Staatlichen Bauamtes Landshut oblag den planenden Architekten auch die Gesamtbauleitung.
Der Neubau wird einen Beitrag dazu leisten, die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der JVA Straubing für die Gefangenen und die Bediensteten weiter zu verbessern.
Städtebaulich bildet das neue Versorgungszentrum eine Weiterführung der Mittelachse der Gesamtanlage. Die Funktionen des Versorgungszentrums werden dabei über ein Unter- und drei Oberergeschosse in einem kompakten, annähernd quadratischen Baukörper organisiert. Diese konzentrierte Anordnung des Neubaus erreicht einerseits einen sparsamen Umgang mit den Flächen der Anstalt und andererseits gewährleistet die zentrale Lage die kürzestmöglichen Wege für Speisentransport und Leitungsführung der technischen Versorgung und Anbindung an die bestehende Anlage.
Durch die prägnante Lage in der Hauptachse, aber auch durch die Ausbildung als solitärer Baukörper wird zudem die Bedeutung des Gebäudes als wesentlicher Baustein der Gesamtanlage dargestellt. Die Abrundung der Gebäudeaußenecken unterstreicht diesen Charakter und weitet gleichzeitig die räumlichen Engstellen an den Übergängen zu den Bestandsgebäuden auf.
Das Versorgungszentrum beinhaltet im wesentlichen die im Raum- und Funktionsprogramm dargestellten Funktionseinheiten Küche, Wäscherei, Metzgerei, Bäckerei und Speisesaal/ Kantine für die Bediensteten. Des Weiteren werden Räume für die Elektroversorgung der Justizvollzugsanstalt benötigt. Auf Grund der funktionalen Erfordernisse beziehungsweise Unabdingbarkeiten wurden die einzelnen Funktionseinheiten in unterschiedlichen Geschossebenen des Neubaus angeordnet.
Erschließungsgänge im Untergeschoss verbinden das neue Versorgungszentrum mit den bestehenden Unterkunftsgebäuden. Dadurch werden die erforderlichen Sicherheitsbelange im Vollzugsdienst sowie eine zeitgemäße Hygiene in der Zubereitung und Verteilung der Speisen gewahrt.
Küche und Metzgerei sind für 1160 Verpflegungsteilnehmer dimensioniert. Die Speisenverteilung wird vom derzeitigen dezentralen Schöpfsystem auf eine zentrale Vorportionierung und Tablettierung umgestellt.
Die Bäckerei, die auch die Justizvollzugsanstalten Landshut, Passau und Regensburg mitversorgt, ist für eine Leistung von etwa 300 Tonnen Brot pro Jahr ausgelegt. Sie versorgt außer der JVA Straubing auch die Justizvollzugsschule Straubing.
Die Wäscherei wurde für 2200 Kilogramm Trockenwäsche pro Tag ausgelegt, die sich aus Lohnwäsche und der Gefangenenwäsche zusammensetzt.
Die Projektsteuerung für den Neubau des Versorgungszentrums der Justizvollzugsanstalt Straubing wurde vom Staatlichen Bauamt Landshut ausgeführt. Planung und Bauleitung wurden an freie Architekten und Ingenieure vergeben. Bestimmungsgemäß wurden 80 Prozent der Bauleistungen europaweit öffentlich ausgeschrieben, trotzdem ging 71 Prozent der gesamten Auftragssumme, also rund 16 Millionen Euro, an Betriebe in Niederbayern und der Oberpfalz. (BSZ)

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