Bauen

57 Millionen Euro wurden in die Sanierung investiert. (Foto: Regierung der Oberpfalz)

28.06.2013

Gefährdungspotenziale verringert

Sanierung des Schlackenbergs in Sulzbach-Rosenberg und Bau zweier Infozentren

Der Schlackenberg in Sulzbach-Rosenberg ist eine markante Erhebung in der Landschaft. Über mehr als 100 Jahre wurden hier Reststoffe der Eisen- und Stahlproduktion der Maxhütte undefiniert abgelagert. Um Gefahren für den Menschen und die Schutzgüter Wasser, Boden und Luft abzuwenden, wurde das etwa 32 Hektar große Areal seit 2005 von der öffentlichen Hand saniert. Der Freistaat Bayern, seit dem Zweiten Weltkrieg mal mehr, mal weniger als Anteilseigner an der Maxhütte beteiligt, übernahm 2005 den Besitz an den herrenlosen Grundstücken des Schlackenbergs.
Für die Schutzgüter lagen damals folgende Gefährdungspotentiale vor: flächige und punktuelle Schadstoffeintragung aus dem Deponiekörper ins Grundwasser; stark ölhaltige Ablagerungen in den Schlammteichen; unzureichende Standsicherheit in Teilbereichen der Deponie sowie Staubemissionen durch Verwitterung.
Grundlage des Landtagsbeschlusses zur Sanierung war das 2003 erstelle „favorisierte Sanierungskonzept“, welches die Umlagerung und Stabilisierung der Schlammteiche sowie die Kapselung des gesamten Geländes mittels Oberflächenabdichtung beinhaltete. Die zugrunde liegende Kostenschätzung belief sich auf Investitionskosten von rund 100 Millionen Euro. Daher waren sämtliche Bau- und Ingenieurleistungen, mit Ausnahme von Einzelmaßnahmen im Rahmen des so genannten 20%-Kontingents, europaweit öffentlich auszuschreiben.

Baudienststelle Schlackenberg


Im Juli 2005 wurde unter dem Dach der Regierung der Oberpfalz für die Sanierung ein Projektteam mit fünf Beschäftigten vor Ort eingerichtet. Die Baudienststelle Schlackenberg ist zuständig für die Ausübung der Bauherrenfunktion, die Projektsteuerung und die Öffentlichkeitsarbeit.
Erste Maßnahme der Baudienststelle Schlackenberg war die Vergabe der Sanierungsplanung und Bauüberwachung über ein europaweites VOF-Verfahren. Parallel dazu wurden auch Sofortmaßnahmen veranlasst und bis Herbst 2006 abgeschlossen, die beispielsweise die Sickerwasserreinigung, Umzäunung oder Standsicherheit betrafen.
Nach Vorlage der Antragsunterlagen wurde am 8. August 2006 der Sanierungsbescheid genehmigt. Das Konzept beinhaltete die Sanierung in drei Bauabschnitten (BA):
– BA 01: Bohrung von rund 200 Entnahmebrunnen in den Schlammteichen 3, 4 und 5 und anschließend ein mehrjähriger Pumpbetrieb.
– BA 02: Profilierung und Abdichtung des 20 Hektar großen, nördlichen Flächenbereichs, Umlagerung der Schlackematerialien und Einbau von Deponieersatzbaustoffen sowie
– BA 03: Profilierung und Abdichtung des etwa zehn Hektar großen Südbereichs mit Einbau von Deponieersatzbaustoffen.
Grundsätzlich ist der Schlackenberg als Deponie der Klasse 1 genehmigt. Stärker belastete Bereiche erhielten darüber hinaus eine Kombidichtung.
Bei der Erstellung der Sanierungsplanung wurden im Rahmen einer naturschutzfachlichen Bestandsaufnahme die „Blauflügelige Sandschrecke“ und die „Blauflügelige Ödlandschrecke“ als schützenswert eingestuft. Um die Arten zu erhalten, wurde der gesamte Schlackenberg als Magerstandort konzipiert und rund vier Hektar spezielle Heuschreckenhabitate vorgesehen.
Neben Erschließungs- und Infrastrukturmaßnahmen wurden im BA 01, wie bereits erwähnt, in zwei Phasen etwa 200 Entnahmebrunnen in den Schlammteichen 3, 4 und 5 gebohrt. Ab Januar 2008 startete der Pumpbetrieb zur Förderung eines Öl-Sickerwasser-Gemischs zunächst an 86 Brunnen und wurde ab September 2009 auf 186 Brunnen ausgeweitet.
Die Entölung am Schlammteich 5 konnte bereits im März 2011 mit rund zehn Kubikmetern Altölentnahme abgeschlossen werden. Der Pumpbetrieb an 172 Brunnen auf Teich 3 und 4 wird bis auf weiteres fortgeführt. Bisher wurden etwa 773 000 Liter Altöl und 25 800 Kubikmeter Sickerwasser entnommen.
Im Mai 2007 begann mit BA 02 die Profilierungsarbeit am Nordbereich. Vorhandene Schlacken wurden umgelagert und Deponieersatzbaustoffe aus dem süddeutschen Raum angefahren und eingebaut.
Im August 2011 erfolgte die Abnahme des BA 02 mit folgenden Leistungen: etwa 22,8 Hektar Kunststoffdichtungsbahn und 4,3 Hektar Lehmdichtung; rund 420 000 Kubikmeter Umlagerung und etwa 345 500 Kubikmeter Deponieersatzbaustoffeinbau sowie rund 231 000 Kubikmeter Rekuboden.
Der BA 03 betrifft auf etwa zehn Hektar Fläche im Süden des Schlackenbergs dem BA 02 ähnliche Arbeiten. Ausführungszeitraum war November 2009 bis Dezember 2012.
Die Bilanz lautet wie folgt: rund 9,1 Hektar Kunststoffdichtungsbahn; etwa 1,9 Hektar Bentonitmatte (Kombidichtung); rund 357 600 Kubikmeter Deponieersatzbaustoffe sowie etwa 125 500 Kubikmeter Rekultivierungsboden.
Insgesamt ergibt sich damit von 2005 bis 2012 für den Schlackenberg folgendes Bild: rund 420 000 Kubikmeter Umlagerung und etwa 703 100 Kubikmeter Deponieersatzbaustoffe; rund 356 500 Kubikmeter Rekultivierungsboden und etwa 31,9 Hektar Kunststoffdichtungsbahn DK I, 6,2 Hektar Kombidichtung DK II, hiervon 4,3 Hektar mittels unterlagernder Tonschicht und weitere 1,9 Hektar mittels unterlagernder Bentonitmatte.
Für die Zeit nach Abschluss der Sanierung ist eine attraktive Nachfolgenutzung in drei Schlagworten geplant:
– Sanfte touristische Nutzung: Nutzung der Wege für Spaziergänge.
– Kulturelle Nutzung: Der Freistaat Bayern hat dazu zwei Gebäude erstellt „Infozentrum Aussichtspunkt“ und das „Infozentrum Eingangsbereich“. Das „Infozentrum Aussichtspunkt“ ist ein Stahlbetongebäude in offener Bauweise nahe unterhalb des Gipfels. Seit dem Frühjahr 2013 werden Besucher mit Schautafeln, Modelldarstellungen und einer elektronischen Medienstation über alles Wissenswerte zur Eisenverhüttung und Deponiesanierung informiert. Das „Infozentrum Eingangsbereich“ wurde in Holzrahmenkonstruktion in Cortenstahlfassade mit Präsentationsraum und Registratur errichtet.
– Energetische Nutzung: Photovoltaiknutzung am Südhang.
Ziel ist eine Kooperation mit der Stadt Sulzbach-Rosenberg. Das Gelände soll in definierten Grenzen eigenverantwortlich überlassen werden. Deponietechnische Belange verbleiben beim Freistaat. Zu dieser Zusammenarbeit laufen derzeit Gespräche.
Hinterlassenschaften von über 100 Jahren Stahlproduktion wurden am Schlackenberg von 2005 bis 2012 saniert und rekultiviert. Die hierfür geschätzten 100 Millionen Euro Investitionen konnten durch technische und wirtschaftliche Optimierungen auf knapp 57 Millionen Euro reduziert werden.  (Christian Götz)

(Der Schlackenberg vor und nach der Sanierung. Das "Infozentrum Eingangsbereich" und das "Infozentrum Aussichtspunkt" - Fotos: Regierung der Oberpfalz)

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