Bauen

Die renovierte Wallfahrtskirche Weihenlinden. (Foto: Staatliches Bauamt Rosenheim)

12.12.2014

Gelungene Symbiose von Alt und Neu

Die Renovierung der Wallfahrtskirche Weihenlinden ist abgeschlossen

Die Vorbereitung zur Renovierung der Wallfahrtskirche Weihenlinden reicht ins Jahr 1999 zurück, als bereits Schäden an Altären und Kanzel festgestellt worden waren, verursacht durch den Betrieb der veralteten Kirchenheizung. In der Folgezeit wurden die Baugeschichte und das Raumklima erforscht. Am 18. August 2003 wurde das Kirchenbauwerk durch ein starkes Unwetter erheblich beschädigt. Die Schäden wurden provisorisch beseitigt. In diversen Ortsterminen wurde dann mit Bauherren und Fachbehörden darüber beraten, wie mit der Vielzahl an einzelnen Problempunkten und Schadensbildern am besten umzugehen ist. Ende 2006 wurde dem Staatlichen Bauamt Rosenheim der Planungsauftrag zur Gesamtrenovierung der Wallfahrtskirche erteilt. In Zusammenarbeit mit der Erzdiözese München und Freising, dem Landesamt für Denkmalpflege sowie Restauratoren und Statikern wurde ein Restaurierungskonzept entwickelt und die Kostenberechnung erstellt.
Der Bauauftrag wurde im Juni 2011 durch die Regierung von Oberbayern erteilt.
In den letzten drei Jahren wurden rund 3,5 Millionen Euro investiert. 40 Prozent der Summe übernimmt der Freistaat, die restlichen Kosten werden über Kirchenmittel (etwa 40 Prozent) und einem denkmalpflegerischen Zuschuss (rund 15 Prozent) aus dem Wissenschaftsministerium gedeckt. Aus der Zeit der Säkularisation leitet sich die so genannte Baulast des Staats ab. An der Pfarr- und Wallfahrtskirche Weihenlinden besteht subsidiäre Baupflicht, die den Freistaat finanziell verpflichtet, dieses Gebäude in Dach und Fach instand zu halten.
Begonnen wurde mit der Baumaßnahme im Frühjahr 2012 mit der Unterfangung der „schiefen“ Treppentürmchen und der Brunnenkapelle auf tragfähigen Grund. Anschließend wurden die Kirchtürme eingerüstet und die mit Holzschutzmitteln und Taubenkot belasteten Dachstühle gereinigt. Für die Arbeiten im Dachstuhl mussten die Handwerker persönliche Schutzausrüstung wie etwa Anzug, Handschuhe und Maske tragen. Die Dachtragwerke der Zwiebelhauben wurden repariert und verstärkt – an der Westseite gab es starke Fäulnisschäden. Die Schieferdeckung der Turmhauben wurde erneuert, die Turmbekrönungen restauriert, neu vergoldet und schließlich im September 2012 wieder aufgesetzt. Dabei wurde in der südlichen Turmkugel eine kupferne Rolle mit Zeitdokumenten deponiert.
Die Fassadeninstandsetzung wurde noch 2012 an den Türmen begonnen und 2013 am Kirchenschiffschiff abgeschlossen. Bei den Fassaden wurde auf eine Wiederherstellung der bisherigen Farbigkeit Wert gelegt. Befunduntersuchungen haben belegt, dass diese der barocken Originalfassung sehr nahe kommt. Der Kirchendachstuhl konnte, wettergeschützt durch Planen, über den Winter 2012/13 zimmermannsmäßig repariert werden. Die Schäden an den Fußpunkten waren erheblich. In den Dachstühlen mussten viele Holzelemente ergänzt werden, um die Standsicherheit wieder herzustellen. Die Reparatur der Seitenschiffdächer konnte im Sommer 2013 durchgeführt werden.
Die kleinen Zwiebelaufsätze der Treppentürmchen lagerten nur auf ein paar übereinandergeschichteten Lagen aus im Laufe der Zeit morsch gewordenen Brettern auf und drohten einzustürzen. Ein neuer Ringanker aus Stahl musste eingebaut werden. Das war nur möglich, indem die Zwiebelaufsätze mit dem Autokran abgehoben und später wieder aufgesetzt wurden.
Die Heizung wurde ebenfalls erneuert und auf Holzpellets umgestellt. In der Kirche sind nun drei Heizstationen auf der Basis von Wärmetauschern. Die Heizzentrale im Pfarrhof wurde zusammengelegt und versorgt neben der Kirche auch den Pfarrhof und das so genannte Lehrerhaus. Sämtliche Elektroinstallationen und Beleuchtungskörper wurden darüber hinaus erneuert.
Besonders interessant waren auch die Erkenntnisse der archäologischen Befundsicherung, die begleitend zu den Erdarbeiten für die Haustechnik durchgeführt wurden. Im Boden des Kirchenraums wurden eine mittelalterliche Marktplatzschicht, Grablegen, Rosenkranzperlen und Pilgerabzeichen des 17. Jahrhunderts gefunden. Im Mörtelbett des barocken Ziegelbodens der Sakristei wurde eine 1754 datierte Silbermünze (1 Kreuzer) gefunden. Ferner kamen auch Streufunde aus der La-Tène-Zeit (keltische Graphit-Keramikscherben, etwa 150 v. Chr. und Bestattungsreste) ans Tageslicht.
Die Restaurierung der Raumschale wurde im zweiten Halbjahr 2013 durchgeführt. Alle Wand- und Deckenmalereien, der Stuck sowie alle farbigen Oberflächen wurden gereinigt und retuschiert. Teilbereiche mussten gefestigt und von Salzausblühungen befreit werden. Die weiß gekalkten Wandflächen wurden neu getüncht. Maßgebend für die Restaurierungsarbeiten im Innenraum war die Wiederherstellung der Oberflächen in Anlehnung an die letzte Renovierung von 1972/74. Die Kunst der Restauratoren bestand im Zusammenführen von barockem Original und den Ergänzungen aus den 1970er Jahren.
Im Januar 2014 wurde die Restaurierung der gesamten Kirchenausstattung wie Altäre, Orgel, Kanzel, Figuren und Gemälden begonnen und bis zum Sommer abgeschlossen. Noch vor den Sommerferien 2014 wurde der Rohbau für das neue Altarpodest betoniert. Im August und September 2014 wurde der Adneter Marmor für den neugestalteten Altarraum mit neuem Volksaltar und Ambo nach den Plänen des Künstlers Rudolf Bott verlegt. In dieser Zeit erfolgte auch der Einbau des in Eigenplanung entworfenen Kirchengestühls.
Die zahlreichen und konstruktiven Gespräche mit der Pfarrgemeinde, den Vertretern des erzbischöflichen Ordinariats, der Denkmalpflege und Bott führten zu einem ansehnlichen und in hoher handwerklicher Qualität ausgeführten Ergebnis. Das Gestühl ist farblich auf den barocken Kirchenraum und die alten Portale abgestimmt.
Die Restaurierung der Mirakelbilder in den Umgängen der Wallfahrtskirche erfolgt 2015. (Peter Böhm/Rudolf Froschmayer)

(Blick in die renovierte Kirche mit dem neuen Gestühl und dem neuen Altar - Fotos: Staatliches Bauamt Rosenheim)

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