Bauen

Die Holzfenster sind teils farbig, teils naturfarben ausgeführt. (Foto: Schwenger)

28.09.2012

Gerüstet für die Zukunft

Sanierung des Deutschen Zentrums für Kinder- und Jugendrheumatologie in Garmisch-Partenkirchen

Die Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen ist Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie (DZKJR), Sozialpädiatrisches Zentrum sowie seit 2011 akademische Lehreinrichtung der LMU München. Sie behandelt als größte Spezialklinik für Kinder- und Jugendrheumatologie in Europa Kinder jeden Alters und aus aller Welt ganzheitlich und interdisziplinär mit dem Garmischer Therapiekonzept. Nach Abschluss des 4. Bauabschnitts im Juli dieses Jahres entspricht das Zentrum den neuesten Erkenntnissen der Kinder- und Jugendrheumatologie und ist für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet.
Das „Garmischer Modell“ war einer der ersten ganzheitlichen Therapieansätze in der Kinderrheumatologie. Er wird am DZKJR seit 1952 kontinuierlich fortentwickelt und dem aktuellen Stand angepasst. Das Konzept ruht auf fünf Säulen: ärztliche Therapie, pflegerische Therapie, physikalische Therapie, psychosoziale und pädagogische Therapie und Klinikschule. Bereits 1926 beginnt die Geschichte der Einrichtung, damals als „Kindergenesungsheim der Inneren Mission“ des Landesvereins für Innere Mission in Nürnberg. Es behandelte in dieser Zeit an Tuberkulose erkrankte Kinder. 1929 wurde der erste Erweiterungsbau durchgeführt, 1935 und 1937 folgen weitere Vergrößerungen.
1951 begann die Entwicklung des Garmischer Therapiekonzepts in der Kinderrheumatologie, als die Kinderklinik 100 000 Mark zur Errichtung eines neuen Klinikgebäudes zur Betreuung rheumakranker Kinder erhielt. 1997 erfolgte die Gründung des Sozialpädiatrischen Zentrums. Von 1952 bis 1973 wurden die Altbauten aus der Vorkriegszeit in mehreren Baustufen durch Neubauten ersetzt und erweitert. Ab 1996 wurde eine Zielplanung entwickelt, um den medizinischen Entwicklungen und den heutigen Standards Rechnung zu tragen. Diese musste flexibel genug sein, um an künftige Entwicklungen angepasst werden zu können. Dies hat sich zwischenzeitlich auch bestätigt, zum Beispiel durch die Ausgliederung der Allgemeinpädiatrie in das Klinikum und die räumliche Integration des Sozialpädiatrischen Zentrums und der Berufsfachschule für Kinderkranken- und Krankenpflege.
Unter der Trägerschaft der Kinderklinik – bis 2010 waren Träger die Rummelsberger Anstalten – und mit Unterstützung des Freistaats entstand seit 2000 in vier Bauabschnitten das neue Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie. Die wesentlichen Ziele der Planung (Gesamtplanung BMBW Architekten München; Umplanung, Objektüberwachung Architekturbüro Scheck, Garmisch-Partenkirchen) waren: Verbesserung der Patientenbereiche sowie der Aufenthalts- und Beschäftigungsbereiche für Patienten und Zusammenfassung der Untersuchungs- und Behandlungseinrichtungen mit Anpassung an heutige medizinische Erkenntnisse und übersichtliche Zuordnung der Abteilungen.

Komplett sanierte Küche


Im 1. Bauabschnitt (2000 bis 2002) entstanden für 10,36 Millionen Euro zwei Pflegestationen mit zusammen 42 Betten in 1-und 2-Bett-Zimmern sowie ein erster Teil des Untersuchungs- und Behandlungsbereichs. Im 2. Bauabschnitt (2004 bis 2006) wurde im Dachgeschoss des Haupthauses die Berufsfachschule für Kinderkranken- und Krankenpflege errichtet. Es entstand eine neue Eingangshalle mit Cafeteria, Kiosk und einem Andachtsraum. Eine zentrale Aufnahme wurde geschaffen und der Untersuchungs- und Behandlungsbereich komplettiert. In den Obergeschossen entstanden mit eigenem Zugang von außen und innerer Verbindung zur Klinik die neuen Räume des Sozialpädiatrischen Zentrums. Diese Maßnahmen kosteten rund 12,4 Millionen Euro. Im Zuge der ersten Bauabschnitte wurde auch die zentrale Betriebstechnik saniert.
Die Sanierung des Rheumabaus erfolgte im 3. Bauabschnitt von 2008 bis 2009 (Kosten: 7,59 Millionen Euro) und dem vierten für 7,37 Millionen Euro. Dabei wurde der Bau an die Richtlinien und Normen für Schall- und Wärmeschutz, technische Gebäudeausrüstung und Brandschutz angepasst. Die vier Pflegestationen mit zusammen 68 Betten wurden mit 1-, 2- und 3-Bett-Zimmern, jeweils mit Sanitärzelle und Platz für Begleitpersonen ausgestattet. Wegen der 3- und 2-Bettzimmer mit Bett für Begleitperson musste die Südfassade zu Ungunsten der Balkontiefe nach außen verschoben werden. Die Funktionsraumzone wurde neu strukturiert, wobei aus Platzgründen Räume wie Bad, Personal- und Patientenaufenthaltsräume und Begleitpersonen-Aufenthaltsraum mit der ebenengleichen Station nun gemeinsam genützt werden.
Im 4. Bauabschnitt wurden unter anderem in der Westhälfte des Rheumabaus auch die Räume der Bewegungs- und Ergotherapie im Erdgeschoss neu strukturiert und erweitert. Die Verglasung des Bewegungsbads wurde thermisch verbessert. Räume für Musik und Wärmetherapie und Entspannung wurden neu geschaffen sowie eine Kinderbetreuung integriert. Im Untergeschoss wurden eine Kreativwerkstatt eingerichtet und die Badewassertechnik für die Bewegungsbecken im Erdgeschoss entsprechend den Vorschriften für Krankenhäuser-Therapiebecken umgerüstet.
Für das vorhandene Kindertherapiebad wurde das Lüftungsgerät mit einer Wärmepumpe ausgestattet, um den maximalen Wirkungsgrad aus der Wärmerückgewinnung zu erzielen. Zudem wurde die Badewassertechnik mit einer Ozonanlage ergänzt sowie die Filteranlage erneuert um den neuesten Hygienebestimmungen gerecht zu werden.
Die komplett sanierte Küche wurde an die besonderen Bedürfnisse für die Versorgung rheumakranker Kinder angepasst. Außerdem kann sie auch externe Einrichtungen mit Speisen versorgen. Bei der Küchenplanung und -ausführung wurde eine EU-Zertifizierung berücksichtigt. Der gemeinsame Eltern- und Mitarbeiter-Speiseraum wurde neu gestaltet. Die zu erneuernden Fassaden wurden in Material und Farbe entsprechend dem 1. und 2. Bauabschnitt ausgeführt, um ein einheitliches Erscheinungsbild und eine kindgerechte Atmosphäre zu erreichen: helle Wandflächen geputzt, Holzfenster teils farbig, teils naturfarben. Auch die Innengestaltung wurde den Bauabschnitten 1 und 2 angepasst.
Bei den Außenanlagen prägen insbesondere die drei Innenhöfe die Gartenanlagen der Kinderklinik. Im Brunneninnenhof mit seinen bunten Fliesen befindet sich die Café-Terrasse. Der große Innenhof mit seiner mächtigen Blutbuche ist der Kinderspielbereich mit einem neuartigen Bewegungspark. Im dritten, dem Therapiehof, wurden ein Barfußpfad, eine Slackline und eine Kugelbahn aufgebaut.  (Sabrina Schwenger)

(Der Eingangsbereich zum DZKJR. Von der Klinik hat man einen herrlichen Ausblick auf die Wettersteinwand - Fotos: Schwenger)

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