Bauen

Abendliche Atmosphäre im Stadion. (Foto: Ruhpolding Tourismus GmbH)

28.01.2011

Gerüstet für Großveranstaltungen

In Ruhpolding wurde das neue Biathlonstadion, die Chiemgau-Arena, in Betrieb genommen

Wer bis vor Kurzem auf dem Weg von Ruhpolding nach Reit im Winkl die Chiemgau-Arena passiert, sah dort, wo die weltbesten Biathleten jedes Jahr im Januar um Weltcup-Ehren kämpfen, eine riesige Baustelle, auf der sechs Kräne, diverse Baumaschinen, Lastwagen und nach oben strebende Rohbauten das Bild beherrschten. Am Fuße des Zirmbergs arbeiteten die Bauarbeiter mit Hochdruck daran, bis zum Jahresende 2010 das Stadion für die Biathlon-Weltmeisterschaft 2012 auf den neuesten Stand zu bringen. Denn bereits vom 12. bis 16. Januar 2011 trafen sich Michael Greis, Magdalena Neuner und deren Kollegen aus der Weltelite beim Weltcup zur WM-Generalprobe, und gut ein Jahr später, vom 29. Februar bis 11. März 2012, geht es an dieser Stelle um Medaillen: Dann ist Ruhpolding zum vierten Mal nach 1979, 1985 und 1996 Gastgeber für eine Biathlon-Weltmeisterschaft.
Von dem alten Funktionsgebäude, das zur Weltmeisterschaft 1996 errichtet worden war, ist nichts mehr zu sehen, auch nicht vom so genannten Containerhaus, das den Sportlern, Dopingkontrolleuren und Kampfrichtern zur Verfügung gestanden hatte. Darüber hinaus wurden die Wettkampfstrecken erheblich breiter angelegt und auch in ihrem Verlauf stark verändert.
Wer das frühere Stadion gekannt hat, wird sich lediglich am „Omega“ (der Schleife mit Anstieg kurz nach dem Start), der Strafrunde und dem Schießplatz orientieren können – hier gab es die geringsten Änderungen. Dagegen entstand anstelle des bisherigen, holzverkleideten Funktionsgebäudes ein mehrstöckiger Bau, in dem Dopingkontrolle sowie Sanitär- und Aufenthaltsräume für die Sportler (Erdgeschoss), ein großes Pressezentrum (1. Stock), Verpflegungsbereich (2. Stock) und die Technikräume (3. Stock) untergebracht sind.

Zuschauerränge für
bis zu 14 000 Personen


Unmittelbar davor entstanden die Zuschauerränge für rund 12 000 bis 14 000 Personen mit der Ehrentribüne in der Mitte sowie je zwei Blöcken westlich und östlich davon. Der Schießstand wurde um drei Plätze nach Osten versetzt, was vor allem den Fotografen jetzt wesentlich bessere Arbeitsbedingungen ermöglicht.
Die Fläche hinter dem Hauptgebäude steht den Medien, vor allem Fernsehen und Rundfunk, zur Verfügung; im Sommer dient sie als Skiroller-Trainingsfläche. Test- und Warmlaufstrecken wurden ebenfalls hinter dem Stadiongebäude angelegt.
Gut zu sehen ist die Brücke, unter der Zuschauer ins Stadion gelangen. Sie werden zunächst vom Shuttle-Terminal auf der gegenüberliegenden Seite der Bundesstraße unter dieser hindurch auf einem breiten Weg an der Langlauf-Hütt’n vorbei zum Eingang geleitet. Danach verteilen sie sich in den Arena- und den Streckenbereich.
Über den Eingang führt die durchgehend 14 Meter breite Wettkampfloipe, die in einigen Abschnitten erheblich verändert wurde. Bei der Wende am Fischbach haben die Loipenplaner jetzt eine weitere Schleife vorgesehen, die im Ruhpoldinger Jargon „Schoadhaufennock“ heißt. Von dort geht es über den Schießstandberg zurück Richtung Stadion.
Auch hier hat sich Gravierendes getan, das vor allem die Sportler zum Umdenken zwingt: Bisher ging’s zum Schießplatz leicht bergab, doch jetzt wurde das Gelände so abgetragen, dass die Biathleten auf ebener Fläche ins Stadion einlaufen.
Stadionleiter Engelbert Schweiger sieht darin Synergieeffekte, denn den Aushub konnte man an anderer Stelle des Stadions gut brauchen. So war man nicht darauf angewiesen, das Erdmaterial zu hohen Kosten von auswärts heranzuschaffen.
Interessant ist auch der Einblick ins „Innenleben“ des Stadions, denn unter der Oberfläche wurden viele Kilometer Wasser-, Abwasser- und Stromleitungen verbaut. Die Energieversorgung erfolgt mittels einer Grundwasser-Wärmepumpe.
Bei den Planungen für die neue Chiemgau-Arena wurden auch die ökologisch sensiblen Bereiche berücksichtigt. Es mussten insgesamt 27 öffentlich-rechtliche Genehmigungen eingeholt werden. Bei den einzelnen Fachplanungen ging es, so Schweiger, auch darum, die Verzahnung der einzelnen Bereiche optimal abzustimmen. So waren insgesamt 15 Planungsbüros und Gutachter an der Gesamt-Baumaßnahme beteiligt und über 60 Baugewerke wurden zum Teil in EU-weiten Vergabeverfahren für das Projekt vergeben.
Die neue Chiemgau-Arena ist jetzt für künftige Großveranstaltungen im Bereich Biathlon und auch Ski-Nordisch mit bis zu 30 000 Besuchern pro Wettbewerb bestens gerüstet. (BSZ)

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