Bauen

Blick ins Wohnzimmer der Ritzmannshofer Mühle. (Foto: BSZ)

15.10.2010

Gold für eine Burg und eine Mühle

Bayerischer Denkmalpflegepreis 2010

Innenminister Joachim Herrmann und Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, haben vor Kurzem im Neuen Schloss Schleißheim den Bayerischen Denkmalpflegepreis 2010 verliehen. Mit der Auszeichnung, die als „Oscar der Denkmalpflege“ gilt, würdigen die Kammer und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege das Engagement privater und öffentlicher Bauherren, die sich in vorbildlicher Weise für denkmalgeschützte Bauwerke in Bayern eingesetzt haben.
In der Kategorie „Private Bauwerke“, die mit einem Preisgeld von insgesamt 10 000 Euro dotiert ist, ging Gold an die Ritzmannshofer Mühle in Fürth. Ein ehemaliges Wohnstallhaus im mittelfränkischen Peuerling wurde mit Silber ausgezeichnet. Den dritten Platz teilen sich ein Wohnstallhaus in Oberndorf und ein Bauernhaus in Ried (Schwaben).


Auszeichnung für das Bad Kissingener Amtsgericht


In der Kategorie „Öffentliche Bauwerke“ gewann die Burg Dollnstein in Oberbayern. Der Bayerische Denkmalpflegepreis 2010 in Silber ging nach Bad Kissingen. Ausgezeichnet wurde das Amtsgericht. Ebenfalls mit Silber gewürdigt wurde die Akademie der Bildenden Künste in München. Der Denkmalpflegepreis in Bronze ging an die Länderbrücke Laufen-Oberndorf (Bayern/Österreich).
Die Auslobung war ein großer Erfolg. „Mehr als 60 Bewerbungen verdeutlichen die Fülle baulicher Denkmäler in Bayern“, so Schroeter. Die Jury sei von der Qualität der eingereichten Projekte und Ideen beeindruckt gewesen. Die Leistungen von Bauingenieuren beim Erhalt historischer Bauwerke fände oft im Verborgenen statt, sagte der Kammerpräsident. „Haustechnik-Anlagen sollen möglichst unauffällig sein und grundlegende Ingenieurleistungen wie bauphysikalische Untersuchungen, Vermessungsleistungen oder Bauablaufplanungen sind am sanierten Denkmal nicht mehr ablesbar.“
„Die Denkmalpflege will keine historischen Kulissen ohne Nutzwert schaffen, sondern historische Substanz mit Leben erfüllen und in die Zukunft integrieren“, beschrieb Hermann die Bedeutung der Denkmalpflege. Historische Bauwerke prägen das Erscheinungsbild eines Orts und seien wertvolle Kulturgüter.
Der Minister ging auch auf die Herausforderungen beim Erhalt eines denkmalgeschützten Gebäudes ein. Dies sei oft nur möglich, wenn eine zeitgemäße Nutzung gefunden werden könne, die mit moderner Technik einhergehe. Ziel aller Beteiligten müsse eine verträgliche und schonende Einbindung von neuen Elementen in historische Substanzen sein. Die Bewahrung des baukulturellen Erbes sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, deshalb unterstütze der Staat die Pflege und den Erhalt denkmalgeschützter Bauwerke.


Großes Engagement des Bauherren und Architekten


Herrmann lobte die Gewinner und nannte ihre Projekte vorbildlich: „An realisierten Beispielen sehen Eigentümer und Bauherren, dass Denkmalschutz nicht im Widerspruch zu einer modernen und zeitgemäßen Nutzung steht.“ Der Bayerische Denkmalpflegepreis mache nach Ansicht des Ministers Eigentümern und Bauherren Mut, sich für den Erhalt ihrer Denkmäler einzusetzen.
In ihrer Begründung für den Sieger in der Kategorie Private Bauwerke hob die Jury das große Engagement des Fürther Bauherren und Architekten Christofer Hornstein und die Leistungen des mit der Tragwerksplanung beauftragten Bayreuther Ingenieurbüros Burges + Döhring hervor, ohne das die Ritzmannshofer Mühle verloren gegangen wäre. Die Lage des Gebäudes nahe einer Quelle, dazu ein hoher Grundwasserspiegel und Hochwasserzeiten hatten eine Durchfeuchtung des Mauerwerks bewirkt. Auch die energetische Sanierung war eine Herausforderung. Laut Jury haben die behutsam vorgenommenen Eingriffe die Eigenheiten des Denkmals in vorbildlicher Weise erhalten.
Bei der Instandsetzung der Burg Dollnstein wurde eine hervorragende Lösung für die Sanierung eines bereits nahezu zerstörten Baudenkmals gefunden (Bauherrin: Marktgemeinde Dollnstein; Architekt: Architekturbüro Feulner und Häffner, Ellingen; Tragwerksplaner: Ingenieurbüro Burges + Döhring, Bayreuth). Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Gebäudes ist auch nach der Sanierung ablesbar, so das Preisgericht.
Besonders hervorzuheben ist laut Jury-Urteil, dass ein erheblicher Anteil an konstruktiven Oberflächenbefunden durch das Einbringen von Subsidiärkonstruktionen erhalten werden konnte: Das ursprüngliche Tragwerk des Daches wird nun durch filigrane Stahlbinder entlastet. Aus denkmalpflegerischer Sicht besitzen diese Stützkonstruktionen eine herausragende Qualität in allen Details und ordnen sich dezent dem historischen Bestand unter. (FHH)

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