Bauen

In der Halle herrscht eine helle und lichte Atmosphäre. (Foto: Achim Bunz)

27.03.2015

Grüne Welle am Gerolsbachufer

Neubau einer Dreifach-Sporthalle im Schul- und Sportzentrum Pfaffenhofen an der Ilm

Der Neubau der Dreifach-Turnhalle in Pfaffenhofen an der Ilm stellt den ersten von vier Bauabschnitten im Rahmen der vollständigen Neustrukturierung des Schul- und Sportzentrums Pfaffenhofen dar. Basis für das bis in das Jahr 2019 hineinreichende Großprojekt, waren die Beschlüsse der Stadt und des Landkreises aus dem Jahr 2009. Statt die notwendigen und umfangreichen Sanierungen der diversen Einzelübungsstätten aus Turnhallen und Schwimmbädern durchzuführen, wurde eine funktional sinnvolle und kosteneffiziente Zusammenlegung der Übungsstätten mit dem Neubau einer Dreifach-Turnhalle sowie dem Neubau eines Schwimmbads als Doppelübungsstätte beschlossen.
Nach der Durchführung eines VOF-Verfahrens im Jahr 2011 wurde die ARGE köhler-eichenseher-architekten-ingenieure mit der Gesamtplanung und Baudurchführung aller vier Bauabschnitte beauftragt.
Das Schul- und Sportzentrum wird in seiner gesamten Länge diagonal durch den hindurch fließenden Gerolsbach klar gegliedert; auf der nördlichen Uferseite: der derzeit in Planung befindliche Neubau der Grund- und Mittelschule; auf der südlichen Uferseite: die Sportstätten mit der bereits fertiggestellten Turnhalle und dem Schwimmbad als vierten Bauabschnitt.
Gerade diese besondere Lage am Gerolsbach mit dem Thema Wasser und Bewegung, bildete die Grundlage für die entwurfliche Herangehensweise der planenden Architekten köhler-architekten aus Gauting. Aus dem engen Zuschnitt des für den ersten Bauabschnitt fest definierten Grundstücksteils, der besonderen Lage am Ufer und den außergewöhnlichen Anforderungen an die Gründung wurde die Entwurfsidee eines aus dem Bachufer herauswachsenden Gebäudes entwickelt.
Als leichte grüne Welle scheint die Dreifach-Turnhalle unmittelbar aus dem Ufer des Gerolsbach herauszufließen und gibt ihre wahre Dimension erst beim Betreten des Halleninneren preis. Die besondere Form des geschwungenen Dachs leitet so auch im Innenbereich direkt vom Eingangsfoyer in den Bereich der Zuschauertribüne über. Mit knapp 33 Metern Breite und 46 Metern Länge wird der gesamte Spielfeld- und Zuschauertribünenbereich von stahlunterspannten Bogenfachwerkträgern aus Brettschichtholz überspannt. Im Zusammenspiel des filigranen Tragwerks, das von Eichenseher Ingenieure entwickelt wurde, mit den abgehängten Sportgeräten und der farblich leicht abgesetzten Holz-Akustik-Elementdecke zwischen den Trägern entsteht so eine harmonische Dachuntersicht, die die besondere Form des geschwungenen Dachs in einer eindrucksvollen Raumdynamik spürbar macht. Sämtliche Installation der Spielfeldbeleuchtung und Beschallung sind daher konsequent an den beiden Hauptspielfeldlängsseiten angeordnet.
Das Spielfeldniveau liegt knapp 4,50 Meter unter der Oberkante des Geländes und wird zusammen mit den Umkleidebereichen über zwei separate Treppenhäuser sowie einen Aufzug im Eingangsfoyer vollständig barrierefrei erschlossen. Das großzügige Haupttreppenhaus liegt direkt im Foyer und trennt den Sportbereich von der Zuschauerebene. Über das südwestlich gelegene Nebentreppenhaus wird der ebenfalls neu errichtete Allwetterplatz neben der Halle unmittelbar erschlossen.
Aufgrund der notwendigen Nord-Süd-Ausrichtung der Halle mit der Eingangssituation im Norden, dem engen Grundstückszuschnitt sowie der unmittelbaren Nachbarbebauung im südlichen Anschluss, stellte die natürliche Belichtung der Halle eine besondere Herausforderung an die planenden Architekten dar. Die entstandene helle und lichtdurchflutete Atmosphäre in der Halle wurde mittels einer konsequent von Westen über Süden nach Osten umlaufenden Holz-Pfosten-Riegel-Verglasung gelöst. Durch die Umsetzung einer vollständig transluzenten Verglasung ist ein absolut blendfreier Sportbetrieb ohne zusätzliche Sonnenschutzmaßnahmen gegeben.
Der warme und freundliche Gesamteindruck der Halle wird maßgeblich durch das umgesetzte Farb- und Materialkonzept unterstützt, dem ein besonderes Augenmerk der planenden Architekten galt.
Ausgehend von der Notwendigkeit der Ausbildung des kompletten Baukörpers als Weiße Wanne, machten sich köhler-architekten diesen massiven Steincharakter der erdeinbindenden Bauteile zu Nutze. Im Spielfeldbereich werden glatte und großformatige Sichtbetonwände in gelungener Weise mit warmen und den farblich harmonisch aufeinander abgestimmten Holzelementen der Fassade, des Dachtragwerks sowie der umlaufenden Prallwandverkleidung in Kontrast gesetzt. Zur Absetzung vom Spielfeld wurde in den Tribünen- und Flurbereichen für die Sichtbetonwände eine vertikale Brettschalung gewählt.
Als besonderes Gestaltungsmerkmal fällt das konsequent umgesetzte blau-grün-azurfarbene Farbkonzept der Fassaden und Innenräume auf. Inspiriert von der Nähe zum Bach und der naturbelassenen Uferlandschaft wird das Farbkonzept auf geschickte Weise von außen nach innen geführt. Außenseitig tragen die als Wellenspiel gestalteten vorgehängten Plattenfassadenelemente wesentlich zur harmonischen Einpassung der Halle in die Uferumgebung bei.
Der als azurfarbener Sportlinoleum ausgeführte Hallenboden wirkt beruhigend und setzt im Spielfeldbereich einen warmen Farbakzent. Das farbliche Wellenspiel der Fassade wird im mit zwei festen Sitzreihen ausgestalteten Zuschauertribünenbereich fortgesetzt. Hervorzuheben sind die in den drei Farben sehr gelungen gestalteten Umkleide- und Duschbereiche, die schon im Flur durch den farblich lasierten Sichtbeton als eindeutige Orientierung für die Schüler in Erscheinung treten.
Neben dem Schulbetrieb für die Grund- und Mittelschule sowie die Realschule steht die Halle für Vereine und Sportveranstaltungen wie Turnierausrichtungen zur Verfügung. Auf der Zuschauertribüne sind rund 200 Sitzplätze realisiert und ein kleiner Hallenkiosk sorgt für die leibliche Verpflegung.
Im Einklang mit den Statuten der Stadt Pfaffenhofen konnte bei dem Neubau der Sporthalle ein hohes Maß an Energieeinsparung und Energieeffizienz erreicht werden. Durch den Einsatz von Dreifach-Verglasungen, die Reduzierung der Fassadenflächen mittels Eingrabung, das vollständig extensiv genutzte Gründach mit installierter Photovoltaikanlage sowie die Heizenergieversorgung über den Anschluss an das Biomasseheizkraftwerk Pfaffenhofen konnte die Dreifach-Turnhalle als so genanntes Null-Energie-Gebäude realisiert werden. (BSZ)

(Die neue Sporhalle von außen; Blick in die Halle und in eine Umkleide - Fotos: Achim Bunz)

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