Bauen

Schreinermeister Harald Fieger bei der Arbeit. (Foto: Mayring)

16.09.2011

Handwerk nach historischem Vorbild

1892 wurde Münchens älteste Treppenbaufirma gegründet

Aus der Firma Hammerl, der modernen Schreinerwerkstatt von Harald Fieger, hört man ab und an den schrill anhaltenden Ton einer Sägemaschine. Lehrling Todd St. John aus Milwaukee, USA, ist fleißig bei der Arbeit. Um seine Gesellenprüfung erfolgreich zu absolvieren, muss er lernen, auch mit den computergesteuerten Werkzeugmaschinen umzugehen. Doch das handwerkliche Können steht nach wie vor an erster Stelle.
„Die Firma Hammerl verfügt über Erfahrung aus vier Handwerkergenerationen“, erklärt Fieger, der 1988 den Betrieb von Fritz Hammerl jun. übernahm. Doch begonnen hat alles damals,1892, in der Haidhausener Kirchenstraße, wo Mathias Hammerl einfach und schlicht seine Schreinerei einrichtete. „Die Werkstatt mitten in München war zu der Zeit ein guter Ort für einen Schreiner“, erzählt Fieger. „Überall in der Innenstadt und den neuen Stadtvierteln wurde viel gebaut. Und all die neuen Bürger- und Mietshäuser benötigten Treppenhäuser für ihre mindestens vier Etagen. Lifte waren damals noch eine große Seltenheit.“

Großes Knowhow


Schreinermeister Mathias Hammerl erkannte diese Marktlücke und begann sich auf den Bau von Treppen zu spezialisieren. Kein leichter Job, denn die Konstruktion ist mit aufwändigen, mathematischen Berechnungen verbunden, damit die einzelnen Stufen in den vorgegebenen Grundriss passen.
Heute gilt die Firma Hammerl als älteste Treppenbaufirma in München. Die Auftragsbücher sind nach wie vor gut gefüllt, obwohl die Lebensdauer einer Holztreppe rund 100 Jahre beträgt. Also muss jetzt renoviert und saniert werden. Und wie damals der Firmengründer, so nimmt heute Harald Fieger die Aufträge entgegen, wenn es darum geht, historische Treppenhäuser wiederherzustellen.
Neuhausen, Westend, Schwabing und Haidhausen heißen die Münchner Viertel, wo Fieger und seine Leute gebraucht werden. „Für die Sanierung einer Treppe verwenden wir in erster Linie Eichenholz aus dem Spessart oder aus Frankreich“, so der Schreinermeister. „Manche Treppenhäuser werden von einem durchgehenden Stahlträger gestützt, andere bekommen eine verdeckte Befestigung.“ Nach einer Rundumsanierung ist es dann mit dem Knarren vorbei. Wenn die Tritt- und Setzstufen wieder ganz neu gemacht sind und nicht ausgetreten und verformt wie zuvor.
Oft wendet sich auch der Denkmalschutz an die Traditionsfirma, die über großes Knowhow verfügt, wenn es um Treppen, aber auch um Parkettböden, Haus- und Zimmertüren sowie Fenster und Portale geht. Daneben werden auch Holztreppen für moderne Privathäuser angefertigt. Wendeltreppen kombiniert mit Aluminiumgeländer oder ausgefallene Treppenläufe werden fachmännisch ausgeführt.

Ein eingespieltes Team


So langsam denkt Harald Fieger (57) an seine Übergabe. „Das kann nicht von heute auf morgen gehen“, meint er. Seine Leute hat er sich jedenfalls schon mal ausgesucht. Schreinermeister Ulrich Dachs, der Geselle Alexander Henn und natürlich der Lehrling Todd sind ein gut eingespieltes Team, die, wenn es so weit ist, die Handwerkertradition fortsetzen können.  (Eva-Maria Mayring)

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